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Verteidigungsrede beim Jakobinergericht

Veröffentlicht am 11.02.2010 in Wahlkreis

Meine Verteidigungsrede Bernadottes.

Hohes Gericht,
Verkehrter Richter Schwarzwälder!
edle, hochwohlgehobene, durchlauchtigte, allerschönste Gräfin
und alleranmutigster Graf,
Geliebtes närrisches Volk!

Nichtsnutziger Ankläger:
Welch billiges Manöver!
Welch durchsichtiger Versuch!
Was für ein dreister Mummenschanz!

Es ist der Hass auf alles Schöne,
dass diesen Mann treibt,
solch unsinnige Anklagen zu erheben!
Was er sonst mit seinem Chor Bach und Betthoven antut,
das will er jetzt mit Björn und Bettina machen!

Nur weil er selbst das Dunkle sucht,
will er den königlichen Glanz auslöschen,
der unsere Herzen und die Klatschspalten füllt?

Klebt am Fallbeil blaues Blut,
erst dann geht‘s dem Jakobiner gut?

Ausgerechnet er, der blaues Blut nicht von Restalkohol unterscheiden kann, bezichtigt meine Schutzbefohlenen des Hochverrats in Adelskreisen!

Während die Schweden mit dem Imbus-Schlüssel unsere Wohnstuben erobern, wirft er den edlen Geschwistern Hochverrat vor.

Während alle Welt wie blöd in ABBA-Musicals rennt, sieht er Konstanz wegen ein paar Verwandtschaftsbesuchen an die Schweden ausgeliefert!
Seinen Haaren sieht man es nicht an, aber er liest beim Friseur zu viele Klatschzeitungen. Seine Anklage ist so dünn wie sein Blut an Aschermittwoch!

Diese beiden würden es wagen,
Konstanz den Schweden anzutragen?

Zuvorderst geht der Vorwurf fehl,
sie böten auf diplomatischem Parkett,
Konstanz an, wie auf einem Silbertablett.
Das weiß ich, bei meim Honorare:
echtes Silber ist auf der Mainau Mangelware!

Sodann ist völlig unbewiesen,
ob uns die Schweden kaufen oder leasen,
ob wir überhaupt willkommen sind,
mit oder ohne Krone aufm Grind!

In Zeiten wie diesen könnt‘s durchaus sein,
das Schweden will zu Konstanz rein!
Klein-Venedig, Klein-Paris, des hatts,
da ist auch noch für Klein-Stockholm Platz!

Doch er fordert das Schafott
für die Geschwister Bernadott.
So brav, so keusch wie sie da sitzen:
die sollen einen Verrat anspitzen?

Ja, nobel sind sie und von Adel,
ohne Fehl und ohne Tadel,
Liebreizend, Unschuldig, von gradem Wuchs,
getrimmt, wie auf der Mainau steht der Buchs,
von edlem Blut, in voller Blüte,
- aber harmlos im Gemüte.

Diese beiden Mainauprimeln,
sind für Verrat nicht g‘nug durchtrieben.
Des weiß doch nun ein jedes Kind,
dass zwei Blumenkinder Hippies sind!
Um Konstanz wirklich zu verraten,
sind Bettina und Björn zu brav geraten.

Doch halt: vielleicht ist‘s in Wahrheit echter Mut,
der sich uns hier zeigen tut?
Vielleicht ist‘s echter Bürgersinn,
der uns führt zu den Schweden hin?

Echte Staatskunst gar, großes Geschick,
werden wir befreit vom schwäbischen Strick?
Das Joch der Schwaben wird von uns genommen,
als wären im Paradies wir angekommen!
60 Jahre nachdem Württemberg uns hat verschlungen,
werden wir Stuttgart wieder abgerungen!

Jetzt hat‘s auch der Schwarzwälder gemerkt:
Freiheit statt Baden-Württemberg!

Stockholm war uns schon immer näher als Stuttgart!
Schwitzen wir nicht alle lieber in der Sauna als bei der Kehrwoche?
Glöck statt Trollinger,
Köttbullar statt Maultaschen,
Volvo statt Daimler,
Knäckebrot statt Hungertuch!

Es war schon lang etwas faul im badischen Staate -
Schweden oder Schwaben, das ist die Frage!

Der Weg in die Freiheit wäre gefunden,
wir wären völlig ungebunden:
Lieber bei Schweden eine Enklave,
als der Württemberger Sklave!
Statt schwäbischem Meer wieder Bodensee,
FC Konstanz statt VfB!

Milch und Honig würde fließen,
auf altem Müll ein Konzerthaus sprießen,
was wir seit hundert Jahren nicht bekommen gebacken,
wächst auf einmal über Nacht zusammen.

Auf einmal wird mir alles klar,
die Wahrheit stellt sich ganz anders dar:
Herr Richter, es liegt auf der Hand:
der Ankläger agitiert fürs Schwaben-Land!
Seine Tirade dienen nur einem Zwecke,
steckt er mit Stuttgart unter der Decke!
Schickt ihn auf die Guillotine,
statt der Bernadotten Bettine.

Zulange das Schwaben-Joch uns schon verzehrt,
wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt!
Oettinger, Mappus die ganze Brut,
da lob ich mir doch blaues Blut.
Und unseres kommt halt aus Schweden
Jakobiner, lasst sie trotzdem leben!
Drum höret meine letzten Worte,
hoch den Freiheitskämpfern Bernadotte!

Ho Narro!

Homepage Peter Friedrich

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