
Diskussion mit Staatssekretär Frank Mentrup zu Inklusion

Diskussion mit Staatssekretär Frank Mentrup zu Inklusion
Ettlingen (kdm). Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten darüber, dass sich Inklusion – so gut gemeint sie auch sein mag – nicht einfach über Schulsysteme stülpen ließe. Aus dem Blickwinkel von Neuntklässlern der Carl-Orff-Schule Ettlingen hörte sich das wie folgt an: Im Vergleich zu ihren früheren Schulen (Grund- und Hauptschulen) seien die Klassen hier kleiner und die Lehrer könnten sich mehr Zeit für den Einzelnen nehmen. Später, im Verlauf der Diskussion mit Elternvertretern der Förderschule, griff Frank Mentrup, Staatssekretär im Kultusministerium, bei seinem gestrigen Besuch der Carl-Orff-Schule noch einmal die Erkenntnisse der Schüler auf. Ihre Beiträge hätten im Grunde das Spektrum der Diskussion über Inklusion aufgezeigt. Einerseits wollten die Schüler zu den „anderen“ gehören, andererseits fühlten sie sich hier an ihrer Schule wohl. Und doch, auch das taten die Kinder und Jugendlichen kund, sei es ihnen manchmal peinlich, wenn sie sagen müssten, sie gingen auf eine Förderschule; ganz zu schweigen von den „dummen Bemerkungen“, die sie sich dann anhören müssten. Inklusion, also der gemeinsame Unterricht unterschiedlichster Schüler, einfach von oben zu verordnen, dürfte nicht funktionieren. Der Inklusionsgedanke müsse von unten kommen, müsse zur Selbstverständlichkeit werden, befand der Staatssekretär.
In der Praxis, so die Erfahrungen in der Beratungsstelle an der Förderschule, sieht es allerdings noch anders aus. Betroffene Eltern erkennen zwar den Förderbedarf ihres Kindes, vom Gedanken, es solle eine Förderschule besuchen, sind viele zunächst aber alles andere als angetan. Dass sich vieles dabei im Niemandsland der Vorurteile bewegt, belegt die „umgekehrte Inklusion“, die sich an der Carl-Orff-Schule etabliert hat und gut funktioniert. In der FIMA-Klasse („Förder-Intensiv-Maßnahme“) sind nach Auskunft von Schulleiter Georg Heinz Grundschüler, die im zweiten Schuljahr Schwächen in bestimmten Teilbereichen – zumeist Rechnen und Rechtschreibung – haben. Für ein Jahr, in einer Klasse mit rund zehn Schülern, werden sie dann entsprechend unterrichtet und gefördert.
Eigentlich, warfen in diesem Zusammenhang Elternvertreter ein, sollten das ja auch die Grundschulen leisten. Dafür freilich bräuchte man aber Grundschullehrer, die über sonderpädagogische Grundlagen verfügen. Das wiederum müsste in die Lehrerausbildung mit aufgenommen werden, so die Elternvertreter weiter. Ansonsten wären „normale Lehrer“ schnell überfordert, wenn es um Inklusion in den jeweiligen Klassen ginge. Nein, die Notwendigkeit von Förderschulen wie die Carl-Orff-Schule stellte bei Mentrups Schulbesuch niemand ernsthaft infrage. Es gebe nun einmal Unterschiede bei Schülern, die nicht wegzudiskutieren seien, bemerkte dazu der SPD-Politiker. „Auch geht es nicht darum, welche Schulart abgeschafft werden soll, sondern um den professionellen Umgang mit den Unterschieden“.
BNN 6.10.2011
Homepage Dr. Frank Mentrup MdL
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