
Kultus-Staatssekretär Frank Mentrup ist vom großen Erfolg der künftigen Gemeinschaftsschule überzeugt
BNN-Interview vom 7. Oktober 2011

Kultus-Staatssekretär Frank Mentrup ist vom großen Erfolg der künftigen Gemeinschaftsschule überzeugt
BNN-Interview vom 7. Oktober 2011
Ludwigsburg. Frank Mentrup (SPD) amtiert als Staatssekretär im Kultusministerium. BNN-Redakteur Wolfgang Voigt hat mit dem promovierten Arzt gesprochen.
Haben Sie Verständnis für Eltern, denen noch nicht klar ist, wie Schüler mit Hauptschul-Horizont und solche mit Gymnasial-Niveau in ein und derselben Klasse unterrichtet werden können?
Mentrup: Ja klar, denn das ist für den deutschen Schulalltag zunächst ungewohnt. Schaut man aber über die Grenzen ins Ausland, sieht man, dass Bildung auch ohne ein gegliedertes Schulsystem sehr gut funktioniert. In unseren Grundschulen und in den deutschen Auslandsschulen klappt der gemeinsame Unterricht ebenfalls bestens.
Wie wollen Sie Gymnasiallehrern die künftige Arbeit an einer Gemeinschaftsschule schmackhaft machen?
Mentrup: Individuelle Förderung statt Vorlesung, persönliche Lernbegleitung statt Alleinunterhaltung, mehr Zeit auch für die persönliche Beziehung zum einzelnen Schüler – das müsste eigentlich der Wunscharbeitsplatz jedes Pädagogen und jeder Pädagogin sein. Zumal nach allen Untersuchungen solche Bedingungen auch gesünder und befriedigender sind als unser bisheriger Schulalltag. Ich bin daher sicher, dass es uns an interessierten Lehrerinnen und Lehrern nicht mangelt, auch nicht aus dem Gymnasialbereich.
Die Gemeinschaftsschule soll als gebundene Ganztagsschule an den Start gehen. Dazu werden ein Drittel zusätzlicher Lehrer benötigt. Wie wollen Sie diesen Aufwand finanzieren?
Mentrup: Gemeinschaftsschulen sind Ganztagsschulen, und die brauchen wir überall in größerer Zahl. Durch die zurückgehenden Schülerzahlen werden dafür Deputate frei. Wieviele zusätzliche Lehrer benötigt werden, darüber sprechen wir derzeit in den Haushaltsberatungen.
Voraussetzung für die Gemeinschaftsschule ist ein tragfähiges pädagogisches Konzept. Wie kann das aussehen?
Mentrup: Die Schulen müssen nachweisen, dass sie den Wechsel hin zu individueller Förderung in Lerngruppen, zu Anleitung zu selbstorganisiertem Lernen und in den gebundenen Ganztagsbetrieb mentalitätsmäßig und organisatorisch schaffen. Vor Ort sind viele Spielräume eigener Gestaltung möglich, bis hin zu den Räumlichkeiten.
Ist es bei den Mehrkosten für die Gemeinschaftsschule nötig, den Gymnasien die Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9 zu lassen?
Mentrup: Die Einführung und Ausgestaltung des G 8 in Baden-Württemberg ging über Bedürfnisse und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler hinweg, denen es nicht an Befähigung fürs Gymnasium mangelt, die aber unter dem hohen Tempo leiden. Für diese Schüler ist ein neunjähriger Weg zum Abitur eigentlich ein selbstverständliches Angebot.
Die Neunjährigkeit war ein Argument für berufliche Gymnasiem. Müssen diese fürchten, dass Schüler ausbleiben?
Mentrup: Nein. Der Weg zum Abitur über den Realschulabschluss und das berufliche Gymnasium ist beliebt, begehrt und eine feste Säule in unserem System. Wir werden diese Gymnasien in Zukunft noch erweitern, damit jeder, der die Voraussetzungen erfüllt, einen Platz bekommen kann.
Was wird aus der Grundschul-Fremdsprache?
Mentrup: Wir haben Gutachten, die empfehlen, den Beginn der Grundschulfremdsprache zu verschieben, wir bekommen aber täglich auch Expertenmeinungen, die zum Gegenteil raten. Zudem harrt das Thema ,Französisch an der Grundschule‘ einer politischen Entscheidung. Bis Ende des Jahres wollen wir zu einer Entscheidung kommen und vorher nochmals mit allen sprechen. Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit.
Homepage Dr. Frank Mentrup MdL
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(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)
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