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SPD: Katastrophaler Unterrichtsausfall an den beruflichen Schulen

Veröffentlicht am 26.05.2009 in Pressemitteilungen

Pressemitteilung vom 26. Mai 2009

Bildungsexperte Gunter Kaufmann: „Die Landesregierung betrachtet die beruflichen Schulen als Stiefkind ihrer Bildungspolitik“

Jede achte Stunden fällt aus oder wird nicht ordnungsgemäß gehalten – Landesregierung täuscht Öffentlichkeit mit Zahlenspielen

An den beruflichen Schulen in Baden-Württemberg fehlen nach Angaben des SPD-Bildungsexperten Gunter Kaufmann 2.102 Lehrerdeputate. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf einen Antrag der SPD-Landtagsfraktion hervor. „Es ist unglaublich, dass die Landesregierung hier bewusst das Risiko eingeht, die jungen Baden-Württemberger nicht ausreichend auszubilden“, erklärte der SPD-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Rastatt/Murgtal, Gunter Kaufmann. „Die Landesregierung gefährdet damit die Zukunftschancen für viele Schüler an beruflichen Schulen.“

Der Ausfall setzt sich aus drei Faktoren zusammen. Zum Ersten fallen an den beruflichen Schulen von vornherein 4,6 Prozent des Pflichtunterrichts flach, da die CDU/FDP-Landesregierung Pädagogen für 761 unbesetzte Lehrerdeputate nicht einstellt und ein strukturelles Defizit absichtlich in Kauf nimmt. Der Regierungsbezirk Karlsruhe nimmt nach der Statistik mit einem strukturellen Unterrichtsausfall von 6,1 Prozent die Spitze ein.

Zweiter Faktor ist der Unterrichtsausfall, der aus Erkrankungen oder dienstlichen Verpflichtungen der Lehrer resultiert. Dadurch fallen nach der Statistik landesweit 4,5 Prozent der Stunden aus, wie eine Stichprobe der Schulaufsicht in der 47. Kalenderwoche des Jahres 2008 ergab. Dies entspricht einem zusätzlichen Defizit von 745 Deputaten. Dritter Faktor sind die Vertretungsstunden, die nur dadurch abgehalten werden können, weil andere Pädagogen einspringen. Ihr Unterricht entspreche aber in der Regel nicht dem ordentlichen Ablauf des Stundenplans, erklärt die SPD. 3,6 Prozent aller Stunden entfällt auf diesen Faktor (596 Deputate).

Somit wird in den beruflichen Schulen des Landes 12,7 Prozent des Unterrichts nicht oder nicht ordnungsgemäß abgehalten, also jede achte Stunde. Dies entspreche 2.102 Deputaten. Erschwerend komme hinzu, dass diese Statistik nur Durchschnittswerte aufweise. Vor Ort fielen häufig noch deutlich mehr Stunden aus. Dies bedeute, dass in einzelnen Schulen und Fächern durchaus ein halbes Jahr kein Unterricht stattfinde.

„Das ist ein verheerendes Ergebnis für die Bildungspolitik des Landes“, sagte Gunter Kaufmann zu diesen Ergebnissen. Die Berufsschulen etwa seien besonders wichtig, wenn Baden-Württemberg die Qualität seiner Industrie halten wolle. Angesichts des Fachkräftemangels werde damit die Zukunftsfähigkeit des Landes gefährdt. „Besonders schlimm ist es für die einzelnen Jugendlichen, wenn ihre Ausbildung angesichts der vielen fehlenden Stunden erheblich leidet“, betonte der SPD-Parlamentarier.

Die Landesregierung versuche aber kaum, effektiv gegenzusteuern. Stattdessen gehe Kultusminister Rau mit Zahlenspielen an die Öffentlichkeit, um die Mängel seiner Politik zu kaschieren. So sei die jetzt verkündete angebliche Neueinstellung neuer Lehrkräfte an den beruflichen Schulen schlichtweg der Versuch, die eigenen Maßnahmen ohne Aufsehen zu korrigieren. Die Landesregierung habe erst im November 2008 wegen angeblich zurückgehender Schülerzahlen 200 Stellen gestrichen. Jetzt habe sie dies auf massiven Druck von SPD und Lehrerverbände scheibchenweise wieder zurückgenommen. 190 Stellen sollen insgesamt wieder geschaffen werden. „Damit ist erst wieder die Ausgangslage vom Herbst 2008 erreicht worden, obwohl der Bedarf deutlich größer ist“, sagte Gunter Kaufmann. Die Situation an den beruflichen Schulen sei damit nur leicht verbessert worden.

Der Experte für berufliche Bildung weist vor allem darauf hin, dass ein erheblicher Teil dieser 190 Stellen zum einen auf Verwaltungsaufgaben der Schulleitung entfalle. Zum anderen würden sie für zusätzliche Poolklassen an den beruflichen Gymnasien gebraucht, um die sogenannten „Doppelten mittlere Reife-Jahrgänge“ wenigstens zum Teil auffangen zu können.

Damit bleibe die Situation an den beruflichen Schulen kritisch, sagte Gunter Kaufmann. Um die Situation zu verbessern, müsse die Landesregierung zumindest das strukturelle Defizit von vier Prozent der Deputate abbauen. Es könne nicht sein, dass Kultusminister Helmut Rau (CDU) hier von vornherein mit weniger Unterrichtsstunden als notwendig plane, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete. Das sei eine bewusste Benachteiligung dieser Einrichtungen. „Offensichtlich betrachtet die Landesregierung die beruflichen Schulen als Stiefkind ihrer Bildungspolitik.“

Homepage Gunter Kaufmann

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