Pressemitteilung vom 22. Oktober 2007
Forum mit Vertretern der Generalkonsulate in der SPD-Landtagsfraktion
Der bislang in der alleinigen Verantwortung der diplomatischen Vertretungen der jeweiligen Herkunftsstaaten durchgeführte muttersprachliche Zusatzunterricht an den baden-württembergischen Schulen soll nach dem Willen der SPD-Landtagsfraktion schulisch integriert werden. Diese Forderung stieß auf einem Forum mit Vertretern der Generalkonsulate von europäischen Staaten dieser Tage in den Räumlichkeiten der SPD-Landtagsfraktion in Stuttgart auf breite Zustimmung.
„Der muttersprachliche Unterricht muss zu einem richtigen Fremdsprachenangebot aufgewertet und auch für deutsche Schülerinnen und Schüler geöffnet werden“, sagte der Rastatter SPD-Landtagsabgeordnete Gunter Kaufmann, der zusammen mit dem bildungspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Frank Mentrup, zu der Veranstaltung eingeladen hatte.
In Anwesenheit des türkischen Generalkonsuls Sadik Toprak aus Karlsruhe, der kroatischen Konsulin Prof. Jadranka Belamaric, der serbischen Konsulin Nevena Vranes, dem Schulleiter des italienischen Generalkonsulats, Dr, Mauro Bortoletto, und Vertretern aus Griechenland und Portugal waren sich alle einig, dass der muttersprachliche Zusatzunterreicht weiterentwickelt werden müsse. Die Konsulate verwiesen auf dem SPD-Forum nochmals auf die enge Verbindung zwischen Beherrschung von Muttersprache und Deutschkenntnissen sowie guten Schulnoten im Allgemeinen. Zudem sei längst erwiesen, dass das geförderte Erlernen der Muttersprache auch beim Erwerb der deutschen Sprache sehr hilfreich sei.
Um diesen Unterricht zum wirklichen Fremdsprachen-Unterricht aufzuwerten, schlägt Gunter Kaufmann vor, die Lehrinhalte stärker in den Regelunterricht zu integrieren und mit einem klaren Curriculum unter staatliche Aufsicht zu stellen. Gerade durch den Boom bei den Ganztagsschulen ergäben sich mit Fremdsprachen-Arbeitsgemeinschaften und nachmittäglichem Regelunterricht ganz neue Möglichkeiten für das Erlernen mehrerer Sprachen, so Gunter Kaufmann. Dr. Frank Mentrup verwies in seinem Statement zudem auf interessante Ansätze der Neuausrichtung des muttersprachlichen Zusatzunterrichts im SPD-geführten Rheinland-Pfalz. Zusammen mit Gunter Kaufmann mahnte er eine bessere finanzielle Ausstattung des Landeszuschusses zum muttersprachlichen Zusatzunterricht an.
Insgesamt nehmen im Land ca. 54 000 Schülerinnen und Schüler aus 12 Ländern am muttersprachlichen Zusatzunterricht teil. Das Land fördert den muttersprachlichen Zusatzunterricht infolge einer EU-Richtlinie seit den 1970er Jahren durch Zuschüsse an die Konsulate. Diese lagen in den letzten Jahren bei jährlich ca. 1,5 Millionen Euro. Dies entspricht lediglich ca. 30 Euro pro Schüler pro Jahr und deckt damit nicht einmal 10 Prozent der Kosten des muttersprachlichen Zusatzunterrichts.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem nochmals auf die Weigerung der Stadt Rastatt und der dortigen Gemeinderatsmehrheit eingegangen, für den muttersprachlichen Zusatzunterricht Schulräume in der Barockstadt zur Verfügung zu stellen. Einhellig brachten die anwesenden Vertreter der Generalkonsulate erneut ihren Unmut über diese Entscheidung zum Ausdruck. Zugleich äußerten sie die Hoffnung, dass es durch den Oberbürgermeisterwechsel in Rastatt neue Bewegung in der Angelegenheit gibt. Der designierte neue Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch habe ihm signalisiert, dass er den muttersprachlichen Zusatzunterricht nach seiner Amtsübernahme zügig auf die Tagesordnung im Gemeinderat bringen möchte, so abschließend Gunter Kaufmann, der auch Vorsitzender der Rastatter SPD-Gemeinderatsfraktion ist.