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„Lassen Sie uns weiter an dieser Demokratie arbeiten. Sie hat es verdient.“

Veröffentlicht am 20.10.2022 in Reden/Artikel

Rede anlässlich der Eröffnung der Ludwig-Marum-Ausstellung in Karlsruhe

Sehr geehrter Herr Prof. Zimmermann,
sehr geehrte Frau Dr. Pohl,
sehr geehrter Herr Dr. Rehm,
sehr geehrter Herr Marum,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen – die Ehre nicht!“

Wir alle kennen diesen berühmten Satz aus Otto Wels Rede gegen das Ermächtigungsgesetz im März 1933.

Bereits von Nationalsozialisten inhaftiert schreibt Ludwig Marum etwa einen Monat später aus dem Gefängnis an seine Frau Johanna: „Meine Freiheit können sie mir nehmen, aber nicht meine Würde und meinen Stolz.“ Was für ein Charakter, welch große und großartige Persönlichkeit muss hinter einem solchen Satz stehen – geschrieben in einer Situation der akuten Verfolgung, Erniedrigung, Inhaftierung.

Nur ein Jahr später wird der jüdische Sozialdemokrat Ludwig Marum seinen beeindruckenden Kampf für eine wehrhafte Demokratie, für den Rechtsstaat, für ein Ende von Diskriminierung mit dem eigenen Leben bezahlen. Wie viele andere in dieser Zeit erleidet Ludwig Marum damit ein entsetzliches Schicksal und grausame Ungerechtigkeit.

Doch die Geschichte wird weitergeschrieben und am Ende des dunkelsten Kapitels deutscher und europäischer Geschichte steht ein Neuanfang. Auf Basis dieses Neuanfangs dürfen wir seit mittlerweile über 70 Jahren in einem demokratischen Rechtsstaat leben. Was für ein Privileg! Doch dass die Geschichte diesen Weg nehmen konnte und damit auch den Lebenszielen von Menschen wie Ludwig Marum zu ihrem Recht verholfen werden konnte, ist alles andere als selbstverständlich. Denn zu dieser Entwicklung gehört ganz zentral die Aufarbeitung der Geschichte und auch das Erinnern an Menschen wie Ludwig Marum.

Um Demokratie stark zu machen und zu bewahren, müssen wir uns immer wieder erinnern an ihre Ursprünge und auch an die grausamen Rückschläge auf dem Weg ihrer Entwicklung. Das ist mir als Vizepräsident des Landtags – und damit der baden-württembergischen Herzkammer der Demokratie – aber auch als Sozialdemokrat wichtig und ein großes Anliegen. Und genau deshalb bin ich Ihnen – dem Forum Ludwig Marum und dem Generallandesarchiv – so dankbar für diese Ausstellung, dir wir heute gemeinsam eröffnen. Und ich bin Ihnen darüber hinaus dankbar für all Ihren Einsatz für Erinnerungskultur und für eine lebendige Auseinandersetzung mit unserer gemeinsamen Geschichte.

Wir spüren heute wohl wieder stärker als in den zurückliegenden Jahrzehnten wie zerbrechlich Frieden und Demokratie sein können. Unsere volle Solidarität gilt daher auch denjenigen, die sich ganz akut und unter allerhöchsten Risiken für Demokratie und Frieden einsetzen. Und dafür gibt es mehr Beispiele, als uns lieb sein kann: Dazu gehören die mutigen Frauen im Iran, die für ihre Rechte aufbegehren, genauso wie die Männer und Frauen in der Ukraine, die gezwungen sind, ihr Leben zu riskieren, um das Völkerrecht, den Frieden und die Freiheit auch hier für uns mitten in Europa zu verteidigen.

Die gemeinsame Erinnerung an vergangenes Unrecht, aber vor allem auch an diejenigen, die damals wie heute gegen solches Unrecht aufbegehren, ist so wichtig, damit wir unsere Demokratie stark machen und erhalten. Und ich freue mich, dass diese Ausstellung und der heutige Abend dafür ein ganz starkes Zeichen sind. Lassen Sie uns weiter gemeinsam an dieser Demokratie arbeiten. Sie hat es verdient. Ihre früheren Wegbereiter, wie Ludwig Marum, haben es verdient. Und den jungen Menschen und allen, die nach uns kommen, sind wir es schuldig.

Homepage Daniel Born

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