Pressemitteilung vom 09. August 2007
MdL Gunter Kaufmann (SPD) schreibt an Regierungspräsidium / Unterrichtsdefizit an beruflichen Schulen bei 4,4 Prozent
Besteht an der Carl-Benz-Schule in Gaggenau für das kommende Schuljahr 2007/2008 die Gefahr, einer Lehrermangel? Diese Sorge treibt derzeit den SPD-Landtagsabgeordneten für den Wahlkreis Rastatt/Murgtal, Gunter Kaufmann, um.
Aufgeschreckt habe ihn ein Schreiben des 1. Bevollmächtigten der IG Metall Gaggenau, Roman Zitzelsberger und des Gewerkschaftssekretärs Martin Sambeth vom 30. Juli 2007. Demnach sind an der Carl-Benz-Schule im Schuljahr 2006/2007 sieben Lehrkräfte altersbedingt ausgeschieden, die bisher nicht in gleichem Umfang ersetzt werden würden. Der Carl-Benz-Schule seien aber erst drei Stellen neu zugewiesen worden, eine weitere müsse sich die Schule mit der Handelslehranstalt (HLA) Gernsbach teilen. Von diesen drei neuen Stellen seien bisher auch erst zwei neu besetzt worden. Durch die nicht zugewiesenen Stellen habe die Carl-Benz-Schule nach den Erkenntnissen der IG Metall ein Defizit im Soll-Stunden-Ist-Stunden-Vergleich von 58 Stunden. Durch einen schon zum jetzigen Zeitpunkt bekannten krankheitsbedingten Ausfall zu Beginn des Schuljahrs würde sich dieser Ausfall um weitere 23 Stunden erhöhen.
Folge dieser Entwicklung wäre laut Aussage der IG Metall, dass ein Teil der Berufsschulklassen erst im Dezember wieder Blockunterricht habe, damit andere Schüler ordnungsgemäß auf ihre vorgezogenen Abschlussprüfung vorbereiten werden könnten. Aus vielen Gesprächen in meinem Amt als Sprecher für berufliche Bildung der SPD-Landtagsfraktion weiß ich, dass die Situation an der Carl-Benz-Schule beispielhaft für viele andere beruflichen Schulen in Baden-Württemberg steht, machte der SPD-Parlamentarier Gunter Kaufmann deutlich. So habe nach Berechnungen der Lehrergewerkschaft GEW das strukturelle Unterrichtsdefizit an den beruflichen Schulen im Land im Schuljahr 2006/2007 bei 4,4 Prozent gelegen. Um eine nur annähernd gleichwertige Unterrichtsversorgung wie an den allgemein bildenden Schulen zu erreichen, würden die beruflichen Schulen im Land insgesamt 1120 Stellen mehr benötigen, kritisiert Gunter Kaufmann die Schulpolitik des Landes.
Ein ähnlich erschreckendes Ergebnis habe eine Kleine Anfrage von ihm im Frühjahr 2005 zur Unterrichtsversorgung an beruflichen Schulen im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden zu Tage gebracht. Das Kultusministerium habe damals einräumen müssen, dass im Schuljahr 2004/2005 an den Berufsschulen im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden bis zu 6,8 % der Unterrichtsstunden allein wegen Lehrermangel ausgefallen seien. Dies sei ein Skandal für ein Land, das als einzige Ressource über die Bildung der Menschen verfügt, stellte Gunter Kaufmann klar.
Zudem müsse zu diesem so genannten strukturellen Unterrichtsausfall auch noch der Unterrichtsausfall aufgrund von Krankheit, Lehrerfortbildung, Lehrplankonferenzen oder Abordnungen hinzugezählt werden. Der Unterrichtsausfall verschärfe sich zudem dadurch, dass es nicht nur an Lehrerstellen mangele, sondern es auch nicht genügend Junglehrer gäbe. Insbesondere im gewerblichen Bereich würden sich viele Hochschulabsolventen eher für den finanziell lukrativeren Job in der Industrie als für den Schuldienst entscheiden, so der SPD-Parlamentarier.
In einem Schreiben an das Regierungspräsidium bitte er daher um eine Stellungnahme zur derzeitigen Situation an der Carl-Benz-Schule.