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Alte Geschichten musikalisch erzählt

Veröffentlicht am 07.05.2019 in Presseecho

KLASSIK MANNHEIMER BLÄSERPHILHARMONIE BESINNT SICH IM ROSENGARTEN AUF MYTHEN

Alte Geschichten musikalisch erzählt

Als Programmmusik bezeichnet man eine Musik, deren Thema ein nichtmusikalischer Gegenstand ist. Das kann ein Gemälde sein, ein Gedicht oder eine andere Vorlage. Zum Beispiel, wie beim jüngsten Konzert der Mannheimer Bläserphilharmonie, Geschichten aus mythischer Vorzeit oder aus der Antike.

Die Sprecherin Helen Heberer machte das Publikum im Rosengarten charmant und professionell mit diesen Erzählungen vertraut. Der belgische Komponist Bert Appermont verarbeitete die älteste schriftlich überlieferte Dichtung der Menschheit, das Gilgamesh-Epos, zu einem monumentalen Klanggemälde mit höchsten spieltechnischen Ansprüchen an die Interpreten. Um es gleich zu sagen: Die jungen Musiker – die Bläserphilharmonie besteht aus etwa 70 Schülern, Studenten und jungen Profis – kamen mit diesen Ansprüchen, kleinere Unsauberkeiten jetzt mal abgerechnet, glänzend zurecht.

 

Und auch das ist ein ungerechtfertigtes Vorurteil: dass Bläsermusik immer laut sein müsse. Das kann sie natürlich sein, und manchmal entfaltet das Orchester eine Klang-Kraft, die durchaus etwas Überwältigendes haben kann. Oft aber, etwa am Ende des dritten Satzes der Gilgamesh-Sinfonie, ergibt sich ein Klangfarben-Feuerwerk der sensibelsten Art, von Schlagwerk und Bläsern gleich fein gesponnen.

Komplexe Klänge

Fast alle Werke in diesem Konzert entstanden im letzten Drittel des vergangenen oder gar in diesem Jahrhundert. Um neue Musik im engeren Sinne des Wortes handelt es sich zwar nicht, wohl aber um rhythmisch komplexe Klänge, die einen so großen Klangkörper und seinen Dirigenten aufs Äußerste fordern. Doch der Venezolaner Miguel Ercolino, der die Bläserphilharmonie seit 2015 leitet, sorgte durch seine klare Zeichengebung dafür, dass auch bei den vertracktesten Passagen ein einheitliches Klangbild gewährleistet war. Etwa bei James Barnes’ Pagan Dances, einer musikalischen Schilderung von Riten und Ritualen aus vorgeschichtlicher Zeit. „Out of Nowhere“ hat Rolf Rudin sein Werk betitelt, in dem es um die Feenwelt in der altirischen Mythologie geht. Auch hier hat man es mit einer fein gesponnenen Klangwelt zu tun, weit weg von bläserischer Kraftmeierei.

Der Spanier Óscar Navarro erzählt klangfarbenfroh die Geschichte indigener Stämme im Amazonas-Gebiet, zunächst als Landschaftsbeschreibung, dann aber auch im politischen Sinn als Geschichte des Freiheitskämpfers Simón Bolívar. Im einzigen älteren Werk des Abends, in der Danse Bacchanale aus Camille Saint-Saëns’ Oper „Samson et Dalila“ geht es klanggewaltig und oft geradezu brutal um die Rache des biblischen Helden Samson an den Philistern. Die Zugabe war ein augenzwinkernder Vorgriff auf die geplante Chinatournee der Bläserphilharmonie in diesem Sommer: die Bläserbearbeitung eines chinesischen Volkslieds.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 02.04.2019

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