„Die jüngste Idee der Kultusministerin beweist, dass eine Landesregierung in der Not deutlich kreativer arbeiten kann, als es Grün-Schwarz all die langen Jahre zugeben wollte. Zugleich schafft sie aber eine Zweiklassengesellschaft“, sagt Dr. Stefan Fulst-Blei, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Erst diese Woche hat die Ministerin mir auf einen Abgeordnetenbrief hin mitgeteilt, dass es keine belastbare Rückkehrgarantie für Gymnasiallehrkräfte an anderen Schularten geben wird. Jetzt teilt sie laut ,Stuttgarter Zeitung´ mit, dass im Rahmen des 1440-Geisterstellen-Besetzungsprogrammes genau dies für diese Last-Minute-Einstellungen nun doch gelten soll. Das können alle anderen neu eingestellten Lehrkräfte nur als schlechten Scherz ansehen. So etwas spaltet auch Kollegien!“, so Fulst-Blei weiter.
„Zudem beweist diese Idee, dass die Kultusministerin das wirkliche Ausmaß des Problems immer noch nicht erkannt hat. Mit einem Angebot für 300 frischgebackene Gymnasiallehrkräfte schafft Frau Schopper schöne Überschriften, lässt aber allein im gymnasialen Lehramt weitere rund 500 Bewerberinnen und Bewerber auf der Straße stehen – während sich die Ministerin bereits über einen angeblich leergefegten Stellenmarkt beklagt.“
Fulst-Blei: „Es mag sicher gelingen, neue Gymnasiallehrkräfte für eine Abordnung an andere Schularten zu bewegen – trotz der nötigen Zusatzausbildung, trotz niedrigerer Gehälter. Doch auch der beste Wille kann an Widrigkeiten wie enormen Entfernungen zwischen der eigentlichen Schule und dem zugewiesenen Arbeitsort scheitern. Nicht wenige Lehrkräfte werden unserem Land oder dem Lehrberuf den Rücken kehren, weil sie durch dieses Netz fallen. Umso wichtiger wäre es, ein möglichst großes Netz auszuwerfen. Warum ein Angebot für 300, wenn wir 1500 brauchen und 800 auf der Straße stehen?“
„Baden-Württemberg steht nicht nur wegen der verheerenden IT-Panne schlecht da“, so Fulst-Blei: „Wie kaum ein anderes Land in der Bundesrepublik verlieren wir junge Lehrkräfte nicht nur in deutsche Nachbarländer, sondern auch in die deutschsprachige Schweiz, deren Kantone hervorragende Stellen anbieten. Unser Land muss mehr für seine Lehrkräfte tun – das sieht auch die Kultusministerin ein und bewegt sich. Wir müssen uns nur noch viel mehr bewegen.“