
Ich persönlich werde mir diesen Fehler nie verzeihen, den ich vor acht Tagen begangen habe. Viele haben sich diesem Urteil angeschlossen. Andere haben mir geschrieben, dass Menschen anderen Menschen immer verzeihen können.
Ich habe am Donnerstag vor einer Woche auf eine Stimmkarte mit Kandidierenden der AfD ein Hakenkreuz gekritzelt. Am nächsten Tag habe ich mich zu meinem Fehler bekannt und sofort die Konsequenzen gezogen: Ich bin als Landtagsvizepräsident zurückgetreten und habe die SPD-Fraktion verlassen.
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Winfried Kretschmann hielt mir zugute, dass ich mich selbst geoutet habe und kommentierte: „Damit hat er Schaden vom Parlament abgewendet – der Schaden bleibt in erster Linie bei ihm.“
Am Wochenende tagten die Parteigremien und sowohl mein Landespräsidium als auch mein Kreisvorstand kamen zu dem Ergebnis, dass ich eine Belastung für den Wahlkampf bin. Diese Einschätzung nehme ich sehr ernst. Darum bin ich am Montag von meinen Ämtern als Kreisvorsitzender der SPD sowie als Mitglied des Präsidiums und des Landesvorstands zurückgetreten.
Und ich habe meine Landtagskandidatur 2026 beendet. Ich habe in meiner Rückzugserklärung folgendes geschrieben: „Ich bitte alle um Entschuldigung, die mich nominiert und getragen haben und mit mir diese Wahlkampfreise machen wollten. Ich habe es verbockt.“ Damit ist aber auch klar: Alle, die Daniel Born jetzt furchtbar finden, können trotzdem am 8. März die SPD wählen. Ich bin kein Kandidat, stehe auf keiner Liste und berate nicht mit am Wahlprogramm.
Es ist eine Woche in der sehr viel geschrieben wurde. Presseartikel, Mails, Briefe, Postings, Erklärungen.
Es wurde auch ein Film im Netz geteilt, der eine Lüge ist. Dort bin ich zu sehen, wie ich applaudiere während die Landtagspräsidentin den Stimmzettel zeigt. Die Wahrheit ist: Ich war nicht im Plenarsaal, ich war in meinem Büro. Es wurden zwei Filme zusammengeschnitten.
Es ist eine Woche, wo mir die Worte fehlen für einen eigenständigen Freitagspost-Artikel.
Ich möchte Euch und Sie aber einladen mit mir im Austausch zu bleiben. Und gerne kann sich jede*r bei uns im Büro unter buero@daniel-born.de melden, die*der weiter die Freitagspost erhalten will.
Und weil mir die eigenen Worte fehlen und in dieser Woche so viel geschrieben wurde, werde ich zum Schluss dieser Freitagpost und dieser Woche einen Kommentar aus der Wochenzeitung Kontext von gestern (in Auszügen) anhängen:
Daumen hoch für Daniel Born
Daneben hat ein weiterer Eklat im baden-württembergischen Parlament bewiesen, dass Rücktritte in der Politik prinzipiell noch möglich sind: Er war der beste der drei Sitzungsleiter:innen im Landtag, souverän, schlagfertig, witzig an der richtigen Stelle, die AfD konsequent in ihre Schranken weisend. Genau diesen Bogen hat Daniel Born (SPD) am vergangenen Donnerstag überspannt und auf einem Stimmzettel den Namen des AfD-Abgeordneten Bernhard Eisenhut mit einem Hakenkreuz versehen. Unverzeihlich und deshalb wäre er zumindest seinen Posten als Landtagsvizepräsident losgeworden, wäre die Aktion seriös aufgearbeitet worden. […]
Weitgehend unter geht, dass Born sich tags drauf selber als Urheber outet, obwohl er mit größter Wahrscheinlichkeit niemals entdeckt worden wäre. […] Eine der ganz wenigen Borns' Vor- und Vergehen einordnenden Äußerungen bleibt Ministerpräsident Winfried Kretschmann vorbehalten. Denn der würdigt, wie der Sozialdemokrat vom Parlament Schaden abgewendet hat durch sein Eingeständnis und denselben jetzt allein trägt. Von seinen Parteiämtern tritt er nun zurück und verzichtet auf seine Kandidatur zur Landtagswahl 2026.
Den gesamten Kommentar kann man auf https://www.kontextwochenzeitung.de/editorial/748/editorial-7-10373.html nachlesen.
Foto der Woche
Es ist eine Niederlage, aber wir haben gekämpft. Gestern wurde die Notfallpraxis geschlossen. Ich habe am Mittwoch zum Abschied noch einmal Kuchen vorbeigebracht und mit allen gesprochen. Wir können uns nicht vorwerfen, dass wir nicht alles gegeben hätten. Jetzt gilt es für mich als Wahlkreisabgeordneter weiter am Thema zu bleiben, denn ich traue der angeblichen Evaluation durch die KVBW nicht. Darum werde ich selbst immer wieder nachfassen.
