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Raus aus dem Abseits

Veröffentlicht am 03.02.2009 in Presseecho

Über die "Fraktion vor Ort"-Veranstaltung mit der Bundesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, Karin Evers-Meyer, am 02. Februar berichtet Mirja Straub im Südkurier.

Eigentlich ist es selbstverständlich, könnte man meinen: Frei zu wählen, wo man wohnen möchte beispielsweise, oder seinen Alltag individuell zu gestalten. Was für viele Menschen zur Normalität gehört, scheint nicht für Menschen mit Behinderung zu gelten.

Mit der Einführung des persönlichen Budgets soll sich dies nun ändern. Ein Thema, das in Konstanz zur Diskussion anleitete. Angereist aus Wilhelmshaven war Karin Evers-Meyer, Bundesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung. Gemeinsam mit Peter Friedrich, dem örtlichen SPD-Bundestagsabgeordneten, und Dennis Riehle vom Selbsthilfenetzwerk KomMit stand sie Rede und Antwort.

Tatsächlich scheint die Lage in Deutschland im internationalen Vergleich erschreckend. Ein Großteil der behinderten Menschen lebt in stationären Einrichtungen, Kinder werden von Beginn an auf Förderschulen geschickt, anschließend geht es weiter in eine beschützte Arbeit – ein Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. "Bei uns in Deutschland könnte Einstein im Rollstuhl sitzen, der würde keinen Job bekommen", meint Evers-Meyer provozierend. Ganz anders sei es in Schweden: Dort gebe es gar keine Heime mehr, behinderte Menschen lebten in Wohngemeinschaften oder allein mit Hilfe einer Assistenz.
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"Menschen mit Behinderung leben in Deutschland in einer Parallelwelt", kritisiert die Bundesbeauftragte. "Sie wollen aber wählen, wo und wie sie leben." Tatsächlich ist dies seit Januar 2008 möglich. Denn laut dem Sozialgesetzbuch 9 haben behinderte Menschen nun ein Recht auf ein persönliches Budget. Was vorher an Geld für den Einzelnen an die Caritas oder die Diakonie floss und den Aufenthalt in einem Heim finanzierte, soll jetzt direkt an den Menschen gelangen. "Menschen mit Behinderung sollen selbst bestimmen können, wer sie pflegt", bekräftigt Evers-Meyer.

Auch beim Landratsamt Konstanz will man in Zukunft Antragstellern den Weg zur ihrem Recht ebnen. Auch wenn laut Peter Friedrich bisher nur ein Antrag auf persönliches Budget gestellt worden ist.

Es hört sich fast zu schön an um wahr zu sein, der Meinung sind viele der Besucher an diesem Abend. Und man ist sich einig: Alleine zu wohnen ist leichter gesagt als getan, denn außerhalb der Klinik stehen Menschen mit Behinderung vor zahlreichen Problemen: Barrieren in der Stadt und in Wohnungen, schlechte Qualität bei Hilfsgeräten, die Intoleranz vieler Menschen und die Verständnislosigkeit der Krankenkassen. Auch der 23-jährige Student Dennis Riehle betont: "Die Politik macht vielleicht viel für Menschen mit Behinderung, aber wir müssen auch mit mehr Toleranz und Gleichberechtigung leben." Karin Evers-Meyer spricht den Betroffenen Mut zu. "Man muss sehr wehrhaft sein, aber man kann es schaffen." Sie ist der Überzeugung, dass es in einigen Jahren wesentlich weniger Heime geben wird und meint: "Es soll ein erfüllteres Leben sein."

Homepage Peter Friedrich

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