
Rede anlässlich des Parlamentarischen Abends des ADFC „Sichere (Rad)Wege für Kinder & Jugendliche“ im Haus der katholischen Kirche in Stuttgart

Rede anlässlich des Parlamentarischen Abends des ADFC „Sichere (Rad)Wege für Kinder & Jugendliche“ im Haus der katholischen Kirche in Stuttgart
Sehr geehrter Herr Dr. Zimmermann,
sehr geehrte Frau Garreis,
sehr geehrte Frau Ministerin Schopper,
liebe Kolleg*innen Abgeordnete,
sehr geehrte Vertreter*innen aus den Ministerien,
sehr geehrte Vertreter*innen und Vorsitzende vieler lokaler ADFC-Gruppierungen,
liebe Jugendvertretungen,
sehr geehrte Vertreter*innen der Kommunen, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Umwelt- und Verkehrsverbände,
verehrte Gäste,
„Manchmal ist das Leben ganz schön leicht
Zwei Räder, ein Lenker und das reicht
Wenn ich mit meinem Fahrrad fahr'
Dann ist die Welt ganz einfach
Die Autos steh'n im Stau ich fahr vorbei
Alle Ampeln grün, die Bahn ist frei
Wenn ich mit meinem Fahrrad fahr
Mitten durch die Stadt
[…]
Manchmal läuft im Leben alles glatt
Vorausgesetzt, dass man ein Fahrrad hat
Dann fliegen die Gedanken
Und man braucht auch nicht zu tanken“
Im Grunde könnte ich es mit diesen Zeilen von Max Raabe vielleicht bewenden lassen, denn dieser Liedtext sagt ja schon viel Richtiges und Wichtiges zum Thema des heutigen Abends.
Wahrscheinlich wäre ich aber nicht Politiker, Abgeordneter und Landtagsvizepräsident geworden, wenn es meine große Stärke wäre, die Zeilen eines Anderen einfach für sich stehen zu lassen und nicht weiter zu kommentieren. Und deshalb müssen Sie nun doch noch einige Worte von mir über sich ergehen lassen.
Ich möchte Ihnen, dem ADFC, zunächst herzlich für die Einladung zu diesem Abend danken! Ich bin wirklich sehr gern heute Abend hier. Und das nicht nur, weil ich aus der Region komme, in der Karl Drais zu Beginn des 19. Jahrhunderts das erste Fahrrad entwickelt hat. Sondern auch, weil ich selbst in meiner Freizeit sehr gern mit dem Fahrrad unterwegs bin und die Leichtigkeit, das Fliegen der Gedanken, das im Liedtext (und übrigens auch in der Musik – hören Sie bei Gelegenheit mal rein, wenn sie es nicht kennen) zum Ausdruck kommt, tatsächlich sehr gut nachempfinden kann.
Aber natürlich – und das ist mir sehr bewusst – ist Max Raabes Text auch eine Idealisierung mit schmunzelndem Unterton. Und damit meine ich nicht, dass das Radfahren als solches hier idealisiert wird, aber die Bedingungen, mit denen Radfahrer und Radfahrerinnen zu tun haben, die sind schon hin und wieder ganz andere als in der idealen Fahrradwelt, die Max Raabes Lied entwirft.
Denn es gibt ja zum Glück nicht nur Menschen wie mich, die v.a. in ihrer Freizeit Radfahren, und selbst da kann man ja auf Herausforderungen stoßen. Viel größer sind die aber sicher für die Menschen, die das Radfahren zu einem ganz wesentlichen Faktor ihrer Mobilität machen. Da sind Berufspendler*innen, die ihren Arbeitsweg oder weite Teile davon mit dem Rad zurücklegen. Und da sind nicht zuletzt Kinder und Jugendliche, für die das Rad eine wunderbare Möglichkeit ist, zur Schule, zum Sportverein, in den Musikunterricht oder zu Freunden zu kommen. So wie im Lied führen all diese Wege häufig mitten durch die Stadt. Oder sie verbinden auch Dörfer, Städte und Gemeinden. Und dort lauern diverse Herausforderungen und Gefahren: knapper Raum im Straßenverkehr, plötzlich endende Fahrradwege, fehlende Markierungen, immer wieder die Frage, welches Verkehrsmittel wo, wie viel Raum beanspruchen kann. Hier entwickelt und bewegt sich vieles, aber manchmal eben auch noch nicht genug.
Und gerade in Bezug auf unsere Kinder und Jugendlichen ist es ja so wichtig, dass sie sich sicher und mit Leichtigkeit mit ihrem Fahrrad im Straßenverkehr bewegen können. Wir alle kennen Bilder von SUV-Kolonnen und Elterntaxis, die sich morgens durch unsere Städte schieben und vor den Schulen aneinanderreihen. Gerade weil sich manche Eltern – sicher auch zurecht – um die Sicherheit ihrer Kinder im Straßenverkehr sorgen, greifen sie aufs Auto zurück. Und hier entsteht ein Dilemma: Mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden, mag für das einzelne Kind zunächst sicherer erscheinen. Tatsächlich gefährdet aber das Chaos, das wir produzieren, wenn wir alle dasselbe tun, unsere Kinder insgesamt mehr als dass es sie schützt. Schnell mal am Straßenrand halten, die Tür öffnen, die Kinder rauslassen. Das schafft insgesamt keine sichere Umgebung auf dem Schulweg. Dieses Dilemma gilt es zu durchbrechen. Wenn der SUV zu Hause bleiben kann, erhöht das die Sicherheit unserer Kinder und natürlich ist es auch gesund, das viele Sitzen im Schulalltag mit Bewegung und Fahrradfahren auszugleichen. Und deshalb brauchen wir dringend sichere Fahrradwege – nicht nur, aber gerade auch für unsere Kinder und Jugendlichen. Und deshalb ist es so wichtig, dass der ADFC hier Pionierarbeit leistet, auf Mängel aufmerksam macht und auch Visionen entwirft, wie sich Fahrradmobilität entwickeln kann und sollte.
Es ist wichtig, dass wir auf all diesen Wegen für die größtmögliche Sicherheit sorgen für uns alle, aber natürlich ganz besonders für Kinder und Jugendliche, deren Erfahrung und Gefahreneinschätzung im Straßenverkehr noch nicht voll ausgeprägt sind!
Radfahren ist ein extrem wichtiger Beitrag zu nachhaltiger Mobilität. Und es ist damit ein entscheidender Faktor für eine gute Zukunft: Wir wollen die Herausforderungen der Klimakrise meistern und wir wollen die Verkehrswende sinnvoll und gut gestalten. Und wir wollen dabei mobil bleiben. Denn mobil sein ist auch Teilhabe. Mobil zu sein, macht es möglich, sich einzubringen, mitzumachen, andere zu treffen, Gemeinschaft zu leben. Und deshalb ist eine gute Rad-Infrastruktur nicht einfach Selbstzweck für Radfans. Das Engagement fürs Radfahren ist immer auch ein Beitrag zu Nachhaltigkeit und Demokratie.
Und deshalb danke ich dem ADFC, danke ich Ihnen für Ihre gute Arbeit, von der ich ja auch schon selbst direkt profitieren durfte, als ich zusammen mit dem ADFC Fahrrad-Aktionen in meinem Wahlkreisbüro veranstaltet habe. Die enorme Resonanz auf diese Angebote zeigt, wie wichtig Ihre Arbeit ist!
Ich freue mich deshalb nun sehr auf den weiteren Abend, auf den Austausch und die Diskussionen rund um das bedeutende Thema sicherer Radwege für unsere Kinder!
Ich danke Ihnen herzlich für die Einladung und komme zum Schluss noch einmal auf Max Raabe zurück und bitte diejenigen unter Ihnen, die auch hin und wieder aufs Auto und andere Verkehrsmittel angewiesen sind – ich weiß, der ADAC ist auch hier –, um Nachsicht:
„Fahrrad fahre'n
Nichts ist so schön wie Fahrrad fahr'n
Auf's Auto kann ich pfeifen
Ich brauche nur zwei Reifen“
Es gilt das gesprochene Wort.
Homepage Daniel Born
05.07.2026, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
öffentlich
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(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)
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