Pressemitteilung vom 30. Dezember 2008
„Land lässt Schulen und Kommunen im Unklaren über Folgen des doppelten Mittlere-Reife-Jahrgang an Gymnasien“
Verwundert zeigt sich der SPD-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Rastatt/Murgtal, Gunter Kaufmann, über Meldungen, wonach das Regierungspräsidium Karlsruhe trotz mehrerer Nachfragen bisher noch keine Informationen darüber erhalten habe, wie mit dem in diesem Schuljahr zu erwartenden doppelten Mittlere-Reife-Jahrgang an den allgemein bildenden Gymnasien umzugehen sei. „Es kann nicht sein, dass man die Schulen und Kommunen vor Ort bewusst im Unklaren über diese Situation lässt“, kritisiert der SPD-Parlamentarier.
In einer Anfrage fordert er daher vom Kultusministerium Auskunft darüber, welche Hinweise und Anordnungen es den nachgeordnete Schulbehörden des Landes bisher hat zukommen lassen. Bekanntlich wird die vom Land durchgesetzte Verkürzung der gymnasialen Schulzeit von neun auf acht Jahre im nächsten Jahr dafür sorgen, dass zwei Jahrgänge am Gymnasium gemeinsam die Mittelstufe abschließen. Dies wird laut Zahlen des Berufsschullehrerverbandes dazu führen, dass mit 6.000 bis 7.000 Bewerbern ca. 2.000 bis 3.000 mehr Schüler auf berufliche Gymnasien wechseln wollen.
Auf diesen Umstand scheint das Land nach Meinung des SPD-Parlamentariers, der zugleich auch Sprecher für berufliche Bildung der SPD-Landtagsfraktion ist, überhaupt nicht vorbereitet zu sein. „Genauso wie jeder weiß, dass am 31. Dezember Silvester ist, kann man bei einem Blick auf die jetzigen Schülerzahlen bereits heute abschätzen, dass es beim Lehrer- und Raumbedarf an den beruflichen Schulen im nächsten Schuljahr sehr eng wird“, stellt Gunter Kaufmann klar. Die Kommunen als Schulträger und die betroffenen Schulen seien zu Recht verunsichert über den Umgang mit den Schülern des doppelten Mittlere-Reife-Jahrgangs.
Das Land plant nach eigener Auskunft zunächst die Bewerbungsfrist für die beruflichen Vollzeitschulen am 01. März 2009 abzuwarten. Dies ist nach Ansicht von Gunter Kaufmann jedoch deutlich zu spät. Zum einen hätten zusätzliche Lehrerstellen bereits jetzt haushaltsmäßig abgesichert werden müssen, zum anderen bräuchten Schüler und Eltern Planungssicherheit, unter welchen Voraussetzungen der Schulbesuch an den beruflichen Schulen fortgesetzt werden kann. Für den SPD-Landtagsabgeordneten ist es daher „fünf vor zwölf“, jetzt die Frage einer Modifizierung der Aufnahmeverordnung für die beruflichen Schulen. wonach die Zahl der Plätze für Gymnasiasten an beruflichen Schulen auf 15 Prozent begrenzt ist, zu stellen und den erwartenden Lehrer- und Raumbedarf zu klären und ggf. gegenzusteuern.
In Anspielung auf entsprechende Pressemeldungen will er vom Kultusministerium zudem wissen, ob es „zutrifft, dass die beruflichen Schulen des Regierungsbezirks Karlsruhe bereits seit Jahren im Vergleich zu den anderen der Regierungsbezirken eine signifikant schlechtere Lehrerversorgung aufweisen und wie dies ggf. zu erklären ist“.