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Mannheimer Morgen: Keine Klassik – für Studenten undenkbar

Veröffentlicht am 22.07.2013 in Presseecho

Bildung: An der Musikhochschule stoßen die Umstrukturierungspläne auf Unverständnis / Abgeordnete fordern „Korrekturen“
Keine Klassik – für Studenten undenkbar

Von unserem Redaktionsmitglied Timo Schmidhuber

"Spenden Sie Zukunft - Bauen Sie mit" steht auf einem der Transparente über dem Eingangsportal der Musikhochschule. Eine Bitte um Unterstützung für den Bau eines schon lange benötigten Konzertsaals. Aber eine Zukunft soll der komplette Bereich der klassischen Musik an dieser Hochschule nicht mehr haben. So jedenfalls will es das Konzept des Stuttgarter Wissenschaftsministeriums für die Neustrukturierung der Musikhochschulen im Land. "Das ist schockierend", sagt ein Student, der im fünften Semester Trompete studiert. Und gibt damit die Stimmung vieler seiner Kommilitonen wieder.

Im Moment ist vorlesungsfreie Zeit, trotzdem ist der Kammermusiksaal gestern Morgen voll: Rektor Rudolf Meister informiert Studierende und Mitarbeiter über die Lage. Am Mittwoch hatte Ministerin Theresia Bauer (Grüne) ihre Pläne vorgestellt. Mannheim soll die Ausbildung von Orchestermusikern und Musiklehrern verlieren, rund 300 Studienplätze. Im Gegenzug soll ein Schwerpunkt für Jazz, Tanz und vor allem Pop entstehen, die Popakademie in die Musikhochschule integriert werden.

"An anderen Stellen sparen"

„Eine einzige Katastrophe“
Viele Parteien und Vereine haben sich in der Diskussion um die Musikhochschule zu Wort gemeldet.
Die CDU-Fraktion im Mannheimer Gemeinderat kann die Kürzungen "auf keinen Fall mittragen". Gerade mit Blick auf den hohen Bedarf an Musiklehrern sei eine Musikhochschule ohne Klassik und ohne Schulmusik "bildungspolitisch eine einzige Katastrophe".
Auch die Mannheimer Liste wehrt sich "entschieden" gegen die Pläne. "Die Musikhochschule ist ein unverzichtbarer Teil des kulturellen Lebens unserer Stadt."
Der Landesmusikrat sieht in der "Reduzierung Mannheims auf Popularmusik" langfristig eine jetzt "notdürftig maskierte Schließung" des Musikhochschul-Standorts. imo

"Schwerpunkte zu setzen, finde ich gar nicht so schlecht", sagt eine Studentin. "Und besser, man spart im kulturellen Bereich als bei Krankenhäusern." Zumal die Musikhochschulen in Karlsruhe oder Stuttgart ja gar nicht so weit entfernt seien. Mit so viel Verständnis für die Landesregierung ist diese Studentin allerdings die Ausnahme. Keine Klassik mehr in Mannheim - für die meisten hier undenkbar. Zumindest die Ausbildung für Musiklehrer, die Schulmusik, müsse bleiben, sagt eine junge Frau, die ihr Klavier-Studium gerade abgeschlossen hat. "Die Musiklehrer-Ausbildung hier ist die beste im ganzen Land." Ihre Freundin hofft, dass die Kürzungen doch noch auf alle Musikhochschulen im Land verteilt werden.

Aber nicht nur die Klassik-Studenten verstehen die Pläne aus Stuttgart nicht. Auch die "Jazzer", die ja in Mannheim bleiben könnten, sind verärgert. "Ich bin richtig sauer", sagt einer. "Man kann doch so einen traditionsreichen Betrieb nicht einfach dichtmachen." Eigentlich will er die Worte "Stuttgart 21" gar nicht in den Mund nehmen, tut es aber doch: "An anderen Stellen im Haushalt hätten die doch Millionen sparen können."

Rektor Meister versichert seinen Studenten, dass er bei Politik und Wirtschaft seine Argumente gegen die Stuttgarter Pläne vorbringen werde. Für die Mannheimer Landtagsabgeordneten ist das Thema nach eigenem Bekunden noch lange nicht durch. Helen Heberer (SPD) hatte bereits erklärt, dass die Schulmusik und ein Teil der Orchestermusik bleiben müssten. Auch ihr SPD-Kollege Stefan Fulst-Blei kann nicht verstehen, "dass gerade mit Blick auf die Mannheimer Schule die Klassik hier auf null gefahren wird. Da erwarte ich noch Korrekturen." Der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Raufelder will sich von "seiner" Ministerin erklären lassen, warum die Klassik in Mannheim wegfallen soll. Die Aufwertung der Popakademie zur Hochschule sei zwar positiv, betont er. "Ich weiß aber nicht, ob die Schwerpunktbildung so gut ist. Vielleicht lassen sich ja noch andere Einsparmodelle finden, um das rückgängig zu machen."

© Mannheimer Morgen, Freitag, 19.07.2013

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