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Mannheimer Morgen: Ein "Tempel der Zukunft" entsteht

Veröffentlicht am 31.05.2010 in Presseecho

Neckarau: Grundsteinlegung für das Waldorf-Kleinkinderhaus nach mehreren Verhandlungsrunden mit der Stadtverwaltung
Ein "Tempel der Zukunft" entsteht

Von unserer Mitarbeiterin Sylvia Osthues

"Ende gut, alles gut" meinte Abraham Weis, Mitglied im Vorstand des Waldorfkindergartens in Neckarau. Im Beisein zahlreicher Stadträte und Bezirksbeiräte legte er den Grundstein für den Neubau des Waldorf-Kleinkinderhauses am Neckarauer Waldweg.

Elf Jahre hat es gedauert von der Idee bis zur Grundsteinlegung, berichtete Weis. Nach ersten Überlegungen 1999 wurde 2001 der "Initiativkreis Kleinkindbetreuung" vom Kindergarten Gänsweide e.V. gegründet. Die Überlegung war, die Kinder unterhalb des Kindergartenalters, also weniger als drei Jahre alt, nicht in dem bestehenden Kindergarten zu betreuen, sondern in separaten Räumen. Gedacht war zwischendurch sogar an ein neues Gebäude außerhalb des Geländes des bestehenden Kindergartens am Neckarauer Waldweg.

Das alles habe sich, so Weis, nicht verwirklichen lassen und so entschloss sich der Initiativkreis zu einem Bau des Kleinkinderhauses am Kindergarten Gänsweide. Im November 2006 wurde der Antrag auf den Bau bei der Stadt gestellt. 2008 konnte Architekt Johannes Striffler schließlich in Abstimmung mit dem Jugendamt mit der Planung beginnen. Im Dezember 2008 lag der Bauantrag im Hochbauamt vor.

Dann folgte die erste Erschütterung, als der Kindergarten 2009 aus dem Jugendamt erfuhr, dass so wie beantragt doch nicht gebaut werden könne. Dabei ging es vor allem um Kosten, die aus dem Ruder zu laufen schienen. Nach einigen Verhandlungen wurde indes eine Lösung gefunden: in einer anderen Bauweise sowie zu erheblich geringeren Kosten.

Im Sommer vergangenen Jahres lehnte der Ausschuss für Umwelt und Technik den Antrag erneut ab. Im November wurde allerdings der Bau mit Zustimmung der meisten Stadträte im Hauptausschuss doch noch beschlossen.

"Hier entsteht ein Tempel der Zukunft", erklärte Abraham Weis. Pädagogik habe sich daran auszurichten, was Kinder in Zukunft für Aufgabe haben und welche Ideale sie entwickeln. Im Waldorfkindergarten werde es Kindern ermöglicht, ihre Individualität zu entwickeln und sich mit ihren Vorhaben in der Welt einzubringen.

Erzieherin Stefanie Haas erläuterte das Konzept der Kleinkinderbetreuung. Ein Standbein sei die Waldorfpädagogik von Rudolf Steiner, das zweite Emmi Pikler, die sich einen Namen gemacht habe in der Kleinkinderbetreuung: "Kinder nur dahin führen, was sie können".

Stadträtin und Landtagsabgeordnete Helen Heberer (SPD) erklärte: "Der Prozess zum Bau des Kleinkinderhauses war lang und schwierig, aber hat doch zu einem Ergebnis geführt." Dem großen Bedarf an Kleinkindbetreuung müsse die Stadt nachkommen. Doch anstatt kultureller und sozialer Bildung erfolge an Schulen Streichung von Kunst und Musik, die die Menschen befähigen, sich selber zu erkennen, hinzufinden in einen beruflichen Weg. Durch Waldorfpädagogik würden die für die Entwicklung des Menschen erforderlichen Grundlagen gelegt.

Viele Wünsche von Schülern und Lehrern aus den verschiedenen Einrichtungen in der Waldorfschule kamen in den Grundstein aus Stahl, der zugeschraubt und einbetoniert wurde. Die Feier wurde musikalisch umrahmt von einem Elternensemble.

Mannheimer Morgen
14. Mai 2010

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