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Landtag und Israelitische Religionsgemeinschaft verleihen Preis

Veröffentlicht am 07.10.2019 in Ankündigungen

Oppenheimer-Auszeichnung für Journalistin Diekmann und Geschichtsforscher Ritter

Stuttgart. Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und der Landtag von Baden-Württemberg haben die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann und den Geschichtsforscher Martin Ritter mit der Joseph-Ben-Issachar-Süßkind-Oppenheimer-Auszeichnung geehrt. Die Preisverleihung und ein Empfang anlässlich des Jüdischen Neujahrsfestes fand am Montagabend, 7. Oktober 2019, im Neuen Schloss in Stuttgart statt. Mit der Auszeichnung wird herausragendes Engagement in Wissenschaft und Publizistik gegen Minderheitenfeindlichkeit und Vorurteile gewürdigt. Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) sagte, die Arbeit der beiden Preisträger „ermutigt uns alle, für eine Kultur der Solidarität, der Zuwanderung und des Zusammenhaltens zu streiten“.

An der Veranstaltung nahmen rund 380 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur sowie von Glaubens- und Religionsgemeinschaften teil. Grußworte sprachen neben Landtagspräsidentin Aras auch die IRGW-Vorstandssprecherin Prof. Barbara Traub und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Mark Dainow. Die Laudatoren an dem Abend waren Prof. Dr. Ulrich Eith (Studienhaus Wiesneck) und Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger (Uni Tübingen). Kinder der Kindertagesstätte der IRGW und Kinder der Jüdischen Grundschule in Stuttgart unterhielten die Gäste unter anderem mit Gesang. Prof. Barbara Traub sagte, „als jüdischer Gemeinde ist es uns ein besonderes Anliegen, Menschen auszuzeichnen, die Herausragendes zum Verständnis des Judentums und dessen Wahrnehmung in Wissenschaft und Publizistik geleistet haben. Gerade in einer Zeit zunehmenden Antisemitismus und Minderheitenfeindlichkeit hat es die besondere Bedeutung, Mut zu machen und im Bestreben, sich dagegen einzusetzen, nicht nachzulassen.“

Die Preisträger wurden von einer Jury ausgewählt, der die Landtagspräsidentin, die IRGW, die fünf Landtagsfraktionen, eine Vertreterin der Landesregierung, ein Vertreter der Hochschulen und ein Vertreter der Medien angehören. Nicole Diekmann wurde für ihr entschlossenes Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung geehrt. Nachdem sie über Twitter eine Nachricht mit den Worten „Nazis raus“ veröffentlicht hatte, schlug ihr eine Welle des Hasses entgegen und sie sah sich mit Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen konfrontiert. Prof. Ulrich Eith sagt in seiner Laudatio, gerade in „unserer heutigen Zeit steht die Demokratie vor existenzbedrohenden Herausforderungen“. Dem rechtspopulistischen Identitätsdenken als zentralem Maßstab für Demokratie und damit auch als Rechtfertigung für Ausgrenzung und Rassismus müsse aus demokratischer Sicht öffentlich und deutlich widersprochen werden. Haltung, Zivilcourage, ein gutes Maß an Unerschrockenheit gegenüber persönlichen Beleidigungen und teils auch massiven Drohungen seien hierbei gefragt. „Nicole Diekmann hat all dies unter Beweis gestellt und wird völlig zurecht mit der Oppenheimer-Medaille geehrt“, so Prof. Eith.

Der zweite Preisträger Martin Ritter, konnte aufgrund einer Erkrankung bei der Verleihung nicht anwesend sein. Stellvertretend für ihn nahm Reinhold Gall in seiner Funktion als Beiratsmitglird der Oppenheimer-Auszeichnung die Medaille entgegen und wird sie Ritter zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen einer Veranstaltung mit dem Freundeskreis Ehemalige Synagoge Affaltrach e.V. überreichen. „Martin Ritter erforscht seit einem Vierteljahrhundert die Geschichte jüdischen Lebens in seiner Heimatgemeinde Obersulm“, sagte Lutum-Lenger in ihrer Würdigung. Darüber hinaus untersuchte er das Schicksal der jüdischen Gemeinde Affaltrach während der NS-Zeit, verfasste mehrere Publikationen über seine Forschungsergebnisse und führte mehr als 30 Jahre Schülergruppen und weitere Besucherinnen und Besucher durch das Museum in der ehemaligen Synagoge von Affaltrach. „Erinnern und Gedenken können nur gelingen, wenn Sie auf einer soliden Wissensgrundlage stehen, aus der Respekt erwächst“, sagte Lutum-Lenger. Martin Ritter habe sich um „solche Verdienste wie kein Zweiter verdient gemacht“.

Die Verleihung des Preises wurde 2015 ins Leben berufen und findet seitdem alle zwei Jahre statt. Vorherige Preisträgerinnen und Preisträger sind die Amadeu Antonio Stiftung, der Rabbiner Dr. Tovia Ben-Chorin und der Psychologe Ahmad Mansour. Die nicht dotierte Auszeichnung besteht aus einer Medaille und einer Urkunde. Entworfen wurde die Medaille von dem jüdischen Künstler Jacob Abitbol aus Schwäbisch Hall. Zentrale Elemente auf der Vorderseite bilden der Davidstern und ein Bildnis Oppenheimers. Die Rückseite zeigt die beiden Logos von Landtag und IRGW.

Homepage Reinhold Gall MdL

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