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„Keiner darf auf der Strecke bleiben!“ -MdL Stoch und Juso-Kreisverband diskutieren Berufsperspektiven junger Menschen

Veröffentlicht am 16.12.2010 in Veranstaltungen

V.l.: Gabriele Dömel, Franz Nerad, Frederic Striegler, Martin Mayer, Erwin Krajewski und MdL Andreas Stoch

Zur Podiumsdiskussion mit dem Thema „Mit dem Abschluss aufs Abstellgleis? – Wie schaffen wir Berufsperspektiven für junge Menschen?“ luden der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Stoch und der Juso-Kreisverband im Rahmen der 100-Dialoge-Tour der Landes-SPD in die Technische Schule nach Heidenheim ein. Die Gastredner beleuchteten zunächst das Thema aus ihrer Perspektive und diskutierten anschließend mit dem Publikum.

Martin Mayer, Teamleiter des Arbeitsgeberservices der Arbeitsagentur Aalen-Heidenheim, verdeutlichte anhand aktueller Zahlen, dass speziell junge Arbeitnehmer und Auszubildende die Verlierer der jüngsten Wirtschaftskrise waren. „Das beste Mittel, langfristig einen guten Arbeitsplatz zu bekommen, ist nach wie vor ein guter Schulabschluss“, unterstrich Mayer die Bedeutung der schulischen Bildung. Dem schloss sich Erwin Krajewski, Leiter der Berufsausbildung bei Voith, an, betonte aber, dass wegen des demografischen Wandels zukünftig jeder Jugendliche gebraucht werde. Ihm sei in der dualen Ausbildung oft ein guter Hauptschüler oder Realschüler lieber, da Schüler mit höherem Abschluss nach der Ausbildung meist ein Studium aufnehmen und so für den Betrieb, der viel Geld in die Ausbildung investiert hat, als Facharbeiter verloren sind. Das Motto „Kein Abschluss ohne Anschluss“ müsse endlich selbstverständlich werden. Frederic Striegler, stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Baden-Württemberg, vertritt als Gewerkschaftssekretär für Jugend, Aus- und Weiterbildung bei der IG Metall Ulm die Ansicht, dass vor allem Betriebe mit starken Arbeitnehmervertretungen gute Ausbildungsbedingungen bieten.

Die frühe Aussortierung in der 4. Klasse beklagte Franz Nerad, Rektor der Giengener Bühlschule. In der 5. und 6. Klasse müssten die Schüler erst wieder psychisch aufgebaut und motiviert werden, so negativ sei mittlerweile das Image der Hauptschulen. Das Engagement von Lehrern, Eltern und regionalen Akteuren sei für die Vermittlung in Ausbildungsstellen sehr wichtig geworden. Er verwies auf das gute Beispiel der Agendagruppe Giengener Betriebe, die Hauptschülern Praktika und in der 8. Klasse Berufspatenschaften anbieten.

Über großen Druck in den Familien berichtet Gabriele Dömel, stellvertretende Vorsitzende des Heidenheimer Gesamtelternbeirats und selbst Mutter von vier Kindern. Die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe seien teilweise zu hoch und die Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt groß. Frühe Betriebspraktika seien eine gute Möglichkeit für Schüler einen Beruf oder eine Firma kennen zu lernen und auch für die Firma, potentielle Auszubildende zu finden.

Man war sich einig, dass sowohl in der schulischen als auch in der beruflichen Ausbildung individuell am Reifegrad des Menschen gearbeitet werden müsse. Keiner dürfe auf der Strecke bleiben; jeder werde zukünftig auf dem Arbeitsmarkt gebraucht. „Ein längeres gemeinsames Lernen würde sich nicht nur positiv auf die Lernergebnisse auswirken, sondern auch auf die soziale Reife der heranwachsenden und das gesellschaftliche Miteinander“, unterstreicht der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Stoch die Forderungen seiner Partei. Die frühe Kategorisierung der Kinder durch das dreigliedrige Schulsystem setze Familien und Lehrerschaft unter Druck und teile die Gesellschaft. Es bringe vor allem sozial Schwachen und Kindern aus Migrantenfamilien Nachteile. „Unser Bildungssystem muss endlich gerechter werden. Der Geldbeutel der Eltern darf nicht über die Zukunft der Kinder entscheiden“, forderte der Parlamentarier.

Homepage Andreas Stoch

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