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Ein Bewerber – doch keine Euphorie

Veröffentlicht am 29.05.2009 in Presseecho

Ernsthaft an Wolfach interessierter Gynäkologe aus Budapest müsste anfangs viele Hürden bewältigen

Den jahrelang und mit viel Geld gesuchten Bewerber für die gynäkologische Abteilung am Wolfacher Klinikum hat man in Budapest gefunden. Die im Dezember stillgelegte Fach-Abteilung ist damit noch lange nicht wiedereröffnet.

26.05.2009 - Wolfach.
Mit dem ungarischen Gynäkologen, der ernsthaft beabsichtigen soll, nach Wolfach zu kommen (siehe unsere Meldung in der Samstagsausgabe), gibt’s einen Lichtblick für die derzeit stillgelegte gynäkologische Abteilung am Wolfacher Ortenau Klinikum. Landrat Frank Scherer, der die Nachricht im Rahmen einer Pressekonferenz in Kehl öffentlich machte, muss mit diesem Wissen schon einige Wochen schwanger gehen. Bundestagsabgeordneter Siegfried Kauder, der über den befreundeten ungarischen Botschafter Sándor Peisch an den 38-jährigen Interessenten für Wolfach herankam, hat den Fall »Bewerber für Wolfach« bereits vor geraumer Zeit dem Landratsamt Ortenau übergeben, heißt es aus Kauders Berliner Büro.
Euphorie ist indes keine angesagt. »Das wird alles andere als einfach«, sagt Andreas Weichert, Leiter der zentralen Verwaltung Ortenau-Klinikum beim Landratsamt. Erst in ein paar Wochen lasse sich abschätzen, ob der Bewerber die erforderrliche Motivation mitbringe, die sich jetzt auftürmenden Hürden anzugehen.
Das sei zunächst die deutsche Sprache, derer sich der ungarische Gynäkologe schnellst möglich bemächtigen müsse. Weichert verweist auf Experten des Goethe-Institutes, die für solche Fälle eine ganztägige Schulung über 40 Wochen für erforderlich hielten. Dann ist da die Ausbildung, die den europäischen Ansprüchen genügen muss und die Anerkennung als Facharzt in Deutschland.
Es sind also Formalien, die Qualifikation verlangen und Tücken bergen, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Dass dies möglichst rasch geschieht, dabei kann das Landratsamt Hilfestellung leisten. Optimistischer stimmt da, dass sowohl Kauder als auch der ungarische Botschafter den Gynäkologen aus Budapest als »erfahren in seinem Beruf« bezeichnen.

Vertrauen verloren

Eher skeptisch wiederum beurteilt Kornelia Buntru, Verwaltungsdirektorin am Wolfacher Krankenhaus, die neue Lage. Ein Bewerber ohne Deutsch-Kenntnisse und kein anerkannter Facharzt! Wie schnell das unter diesen Umständen mit der Besetzung der Wolfacher Stelle klappen mag, will sie nicht einschätzen. »Inzwischen«, so Buntru, »ist viel Vertrauen verloren gegangen«. 2008 waren’s nur noch 159 Geburten in der gynäkologischen Abteilung in Wolfach gewesen, nachdem zwei Jahre zuvor 300 Geburten notiert wurden.
Eine weitere Frage drängt ebenfalls. Nach der Stilllegung der gynäkologischen Abteilung im Dezember, wollte man mit wenig Hoffnung bis Mitte des laufenden Jahres abwarten. Dann sollte die zehn Millionen teure Sanierung des Pflegebereichs beginnen. Voraussetzung: Wissen wie’s mit der Gynäkologie weitergeht. Das ist jetzt wieder offener als im Dezember. Weder Weichert noch Buntru wagen derzeit eine Prognose bezüglich eines Umbaus oder der Wiedereröffnung der Gynäkologie am Wolfacher Klinikum.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Hans Geiger

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