
Oftersheim. Es ist eine Tradition, die an der Theodor-Heuss-Grundschule längst fest dazugehört: die Vorlesewoche. Rektorin Alexa Schäfer und das Kollegium haben sie in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil des Schullebens gemacht – und auch dieses Jahr war sie wieder ein Höhepunkt. Besonders für die Klasse 4b mit ihrer Klassenlehrerin Mareike Mundelsee, denn sie bekam Besuch von Daniel Born, Vizepräsident des Landtags und Sprecher für frühkindliche Bildung der SPD-Landtagsfraktion. Bevor es ans Vorlesen ging, hatten die Viertklässler viele Fragen an den Schwetzinger Abgeordneten. Als Kind, erzählte Born, träumte er davon, Astronaut zu werden – fasziniert von fernen Welten, ob in Büchern oder im All.
„Am Ende bin ich dann aber auf der Erde geblieben“, schmunzelte er. „Mathe und Physik waren nicht gerade meine Lieblingsfächer, deshalb habe ich mich für Jura entschieden.“ Ob er manchmal dumme Sprüche abbekomme? „Ja“, sagte Born. „Streit gehört in der Demokratie dazu, aber Beleidigungen nicht.“ Eine einfühlsame Frage lautete: "Fühlen Sie sich eigentlich besonders?" Born überlegte kurz und sagte dann: „Ja, aber genauso, wie jeder und jede von uns besonders und einzigartig ist und die Welt ein bisschen anders und besser macht.“
Als besonderes Anschauungsobjekt hatte Born das dicke Buch der gesammelten Gesetzestexte dabei. Er erklärte: „Wenn sich ein Gesetz ändert, werden einzelne Seiten ausgetauscht – das zeigt, wie lebendig unsere Demokratie ist.“ Wie ein Gesetz entsteht, konnten die Schülerinnen und Schüler direkt ausprobieren: In einer kleinen Abstimmung wurde über die Abschaffung der Sommerzeit entschieden – mit großer Mehrheit stimmte die Klasse für das Ende des Uhrenumstellens.
Dann wurde es leise und die Kinder hörten gebannt zu: Born las aus dem Klassiker "Momo" von Michael Ende. Die Geschichte des Waisenmädchens Momo, das durch echtes Zuhören Freunde gewinnt und sich mutig den grauen Herren entgegenstellt, die den Menschen die Zeit stehlen wollen, fesselte die Klasse. "Momo lehrt, wie wertvoll Zeit, Freundschaft und echte Aufmerksamkeit sind – Themen, die gerade heute nichts an Aktualität verloren haben. Gerade diese Geschichte zeigt uns, wie wichtig es ist, wirklich zuzuhören“, sagte der SPD-Bildungspolitiker, der seit 2016 Mitglied des Bildungsausschusses ist. „Lesen und Vorlesen eröffnen Welten, die wir anders nicht entdecken könnten. Sie lehren uns Empathie, stärken die Sprache und machen uns stark fürs Leben“, so der hiesige Landtagsabgeordnete. Die Vorlesewoche sei eine wunderbare Aktion, die zeige, „wie wichtig es ist, Kindern Zeit zu schenken und sie für Geschichten zu begeistern.“
Am Ende des besonderen Schultags blieb bei den Kindern nicht nur die Erinnerung an eine spannende Geschichte, sondern auch an eine Begegnung, die Mut machte, Fragen zu stellen und die eigene Meinung einzubringen. „Demokratie lebt davon, dass wir alle unsere Stimme nutzen und füreinander Verantwortung übernehmen“, betonte Bildungsexperte Born zum Abschied. „Wer früh lernt zuzuhören, eigene Ideen einzubringen und andere Perspektiven zu verstehen, der macht unsere Demokratie stark.“