
Eppelheim. Geburtstag, das ist der schönste Tag im ganzen Jahr. Um dieses Highlight ging es auch in den beiden Bilderbüchern, die Landtagsvizepräsident Daniel Born bei seinem Besuch in der evangelischen Fröbel-Kita in Eppelheim den neuen Schulanfängerkindern vorlas. Der Anlass für den Besuch des Schwetzinger Landtagsabgeordneten, der seit 2016 dem Bildungsausschuss angehört, war ein besonderer: Die Kita feiert in wenigen Tagen ihr 50-jähriges Bestehen. Deshalb dreht sich in der Kita derzeit alles um das Thema Geburtstag.
Das gilt auch für die Sprachförderung, die in der Fröbel-Kita besonderes Gewicht hat. Bis zum letzten Jahr hat sich die Kita am Bundesprogramm Sprach-Kitas beteiligt. So froh Kita-Leiterin Marion Pflästerer war, mit der Sprachfachkraft eine perfekte Besetzung für die vakante Stelle im Team zu haben, so sehr bedauert sie den formalen Ausstieg aus dem Programm. Die fortgesetzten Unsicherheiten, wie es mit der Finanzierung weitergeht, waren der Grund. Nun muss das engagierte Team der Fröbel-Kita auf die halbe zusätzliche Stelle verzichten, die während der Förderung bereitstand.
Alle Kinder in ihrer Sprachentwicklung bestmöglich zu unterstützen, hat trotzdem Priorität in der pädagogischen Arbeit. „Wir leben das Konzept weiterhin und neues Personal wird konsequent nachqualifiziert. Wir schöpfen aus den Reserven der Programmlaufzeit. Aber wir haben natürlich weniger Zeit für Weiterentwicklung und Vernetzung“, bedauert Pflästerer. Birgit Bur, die die Kita als Sprachfachberaterin begleitet hat, ergänzt: „Das Bundesprogramm war nachweislich wertvoll für die kontinuierliche Qualitätsentwicklung und hat Ressourcen zur Verfügung gestellt, die dringend gebraucht werden.“ Trotz des Ausstiegs aus dem Bundesprogramm betonten Pflästerer und Bur die Wichtigkeit der Sprachentwicklungsbegleitung. „Sprachförderung ist nicht nur für Kinder, die Deutsch als weitere Sprache lernen, von großer Bedeutung, sondern auch für die, die aufgrund von Entwicklungsverzögerungen besondere Unterstützung benötigen", so Pflästerer. Für den Bildungserfolg sei wichtig, alle Kinder gezielt in ihrer Sprachentwicklung zu unterstützen.
In der Fröbel-Kita geschieht dies nach dem Konzept der Language Route, einem alltagsintegrierten Konzept, bei dem mehrsprachige Kinder und solche mit Förderbedarf zusätzlich durch intensive Kleingruppenarbeit unterstützt werden. Die Prinzipien werden vom gesamten Team der Kita gemeinsam angewandt und auch das dialogische Bilderbuchlesen, das an diesem Tag der stellvertretende Landtagspräsident übernahm, spielt eine zentrale Rolle.
SprachFit, das Sprachkonzept der grün-schwarzen Landesregierung, überzeugt Pflästerer noch nicht: „Dass Sprachfachkräfte von außen für eine limitierte Förderzeit kommen, das hatten wir alles schon einmal.“ Auch Bur zeigt sich skeptisch: „Die geplante Schaffung neuer Fachberatungsstellen ist zwar positiv, aber die Aufstockung der Sprachfachkräfte in den Kitas bleibt aus. Dabei ist das wichtigste, Zeit für sprachanregende Interaktionen mit den Kindern zu haben. Dafür braucht aus ausreichend Fachkräfte, die gut qualifiziert sind“, weiß sie aus ihrer jahrelangen Beratungserfahrung.
Für SPD-Bildungsexperte Born ist klar: „Kitaarbeit ist keine Projektarbeit. Für die alltagsintegrierte Sprachbildung und die zusätzliche Sprachförderung in unseren Kitas brauchen wir eine verlässliche Grundlage, die nicht von Projektmitteln abhängen darf. Baden-Württemberg ist das Flächenland mit der jüngsten Bevölkerung und den meisten Kindern, die zuhause eine andere Sprache als Deutsch sprechen. Das ist ein Schatz, der nach wie vor zu wenig Beachtung findet“, ist Born überzeugt. Für ihn ist darum klar, dass künftig auch der Bund Kita-Arbeit kontinuierlich fördern können muss. „Ich bin froh, dass die SPD-geführte Bundesregierung hier wertvolle Programme entwickelt, aber besser wäre eine gesicherte dauerhafte Unterstützung.“
Das Bundesprogramm Sprach-Kitas, das vom Bund zwischen 2016 und 2023 gefördert wurde, legte auch einen Fokus auf den Einsatz digitaler Medien und medienpädagogische Fragestellungen. Dass hier ein großer Beratungsbedarf bei Eltern besteht, merken Pflästerer und ihr Team jeden Tag. „Digitale Medien gehören heute in vielen Familien zum Alltag. Gerade zum Thema Digitalisierung ist die Unsicherheit bei Eltern aber groß. Was ist gut für mein Kind? Was nicht? Der Druck, der auf Eltern lastet, ist enorm.“ Für Born ein weiteres Argument, das die Bedeutung der Kita als zentraler Bildungsinstitution unterstreicht: „Die Kinder wachsen in eine digitalisierte, globalisierte, diverse Welt hinein. Mit Blick auf diese Realität ist die Kita eine Stütze für Kinder und Eltern, die nicht wegbrechen darf“, betont der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für frühkindliche Bildung.
Die Begleitung von Eltern, gelebte Inklusion und die Unterstützung der individuellen Sprachentwicklung der Kinder sind in seinen Augen wesentliche Bausteine für Bildungsgerechtigkeit und letztlich für die Stärkung unserer Demokratie. „Kinder, die in der Kita eine gute sprachliche Begleitung erhalten, haben bessere Chancen, in der Schule und im späteren Leben ihre Talente in die Gemeinschaft einzubringen – und wir brauchen die Potentiale jedes einzelnen“, unterstrich der Schwetzinger Parlamentarier die Notwendigkeit, allen Kindern – unabhängig von ihrer Herkunft – die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen. „Unsere Kitas sind nicht nur Orte liebevoller Betreuung, sondern Bildungseinrichtungen mit eigenem Auftrag. Wenn wir hier investieren, investieren wir in die Zukunft unserer Gesellschaft“, traf Born bei Pflästerer und Bur auf Zustimmung.