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Handwerkstag und SPD-Fraktion fordern mehr Berufsorientierung an allen Schularten

Veröffentlicht am 25.05.2010 in Landespolitik

Das richtige Werkzeug allein reicht nicht aus (Bildquelle: photocase.com // kallejipp)

Mehr Berufsorientierung an allen Schularten, mehr Möglichkeiten für innovative Schulkonzepte und einen echten Realschulabschluss auch an Werkrealschulen, der dem allgemeinbildenden in allen Belangen gleich gestellt ist - dies forderten die SPD-Landtagsfraktion und der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) in einer gemeinsamen Pressemitteilung

"Dem Handwerk fehlen qualifizierte Bewerber und damit in absehbarer Zeit die Fachkräfte", betonte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle in einem Gespräch der Spitzen der SPD-Fraktion und des Handwerkstages. Er sehe die neue Werkrealschule als Chance, die allerdings in ihrer jetzigen Form nur bedingt dazu beitragen könne, die Nachwuchsprobleme des Handwerks zu lösen. Denn hinzu komme der stetig wachsende Trend weg von der dualen hin zur schulischen Berufsbildung. Die Bedeutung einer stärkeren Berufsorientierung an den Realschulen und Gymnasien unterstrichen auch der SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel und der Vizefraktionschef Nils Schmid: "Wo es während der Schulzeit keine Berührungspunkte gibt, da wird die Wahl im Anschluss kaum auf eine duale Ausbildung fallen." Schmiedel sieht in der Werkrealschule keine Lösung für die Probleme des dreigliedrigen Schulsystems. Er fordert demgegenüber mehr individuelle Förderung und ein längeres gemeinsames Lernen.

Handwerkstag und SPD-Fraktion begrüßten die Öffnung der Hochschulen für Meister, kritisierten allerdings, dass es an passgenauen Angeboten wie zum Beispiel berufsbegleitenden Studiengängen mangle. Schmiedel: "Die muss man zumindest an den staatlichen Hochschulen im Land mit der Lupe suchen."

Handwerkstag und SPD-Fraktion diskutierten darüber hinaus energiepoltische Themen und die Vergabepolitik des Landes. Möhrle und Schmiedel sprachen sich für höhere Vergabewertgrenzen aus, die den Kommunen mehr Flexibilität bei der Wahl der geeigneten Vergabeart ermöglichen. SPD und Handwerkstag wollen gemeinsam dafür eintreten, dass das heimische Handwerk und der Mittelstand auch beim Auslaufen der derzeitigen mittelstandsfreundlichen Vergabegrenzen Ende 2010 mit fairen Wertgrenzen rechnen könne. Immer häufiger vergebe die Landesregierung Bauaufträge an Generalunternehmer oder wickle Vorhaben als PPP-Projekte ab. Beide kritisierten, dass diese Praxis das baden-württembergische Mittelstandförderungsgesetz zunehmend ausheble: "Hier wird der Grundsatz missachtet, dass öffentliche Aufträge zwar einerseits dem betriebswirtschaftlichen Gebot der Wirtschaftlichkeit entsprechen müssen, andererseits aber einen Beitrag dazu leisten müssen, die mittelständische Struktur im Land zu erhalten und zu entwickeln", erklären Schmiedel und Möhrle. Sie betonten außerdem, dem Handwerk komme im Zuge der weiteren Entwicklung der Elektromobilität bei der Fahrzeugtechnik ebenso wie für die gesamte Infrastruktur eine zentrale Bedeutung zu. Das Handwerk müsse deshalb künftig stärker in die entsprechenden Netzwerke eingebunden werden.

Homepage Reinhold Gall MdL

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