Am 8. April 2003 beschloss die Landesregierung per Kabinettsbeschluss die Einführung des 8-jährigen Gymnasiums in Baden-Württemberg. Aus diesem Anlass organisierte die SPD-Gemeinderatsfraktion Mannheim gemeinsam mit mir eine Veranstaltung zu diesem Thema. Denn die öffentliche Debatte um den von der grün-roten Landesregierung erlaubten Schulversuch G 9 zeigt, dass dieses Thema die Bürgerinnen und Bürger bewegt. Nach dem Grußwort von Stadträtin Lena Kamrad diskutierten auf dem Podium der Rektor der Karl-Friedrich-Gymnasiums Prof. Dr. Hermann Wiegand, Barbara Becker von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Mannheimer Schulen Matthias Mackert und der Erziehungswissenschaftler Stefan Schmutz. Im Fokus stand die Frage, wie G 8 positiver gestaltet werden könne, da eine Ausweiterung von G 9 zum jetzigen Zeitpunkt wegen des Wiederstandes der Grünen in der Koalition nicht wahrscheinlich ist. Prof. Dr. Wiegend stellte vor allem heraus, dass das G 8 für einen bestimmten Typ von Schüler passe. Ein anderer Teil der Schülerschaft tue sich mit der beschleunigten Lernform jedoch schwer. Frau Becker erklärte, dass die GEW bei der Einführung von G 8 nicht von überzeugt gewesen war, jetzt aber die Lehrerinnen und Lehrer unterstütze, die in diesem System unterrichten würden. Daher müsse insbesondere die gefühlte Arbeitsbelastung für die Pädagoginnen und Pädagogen reduziert werden. Der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Mathias Mackert bezog eindeutig Position. Die Einführung ist aus seiner Sicht schon ein Fehler gewesen. Besonders die nun einschränkten Freizeitmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler wurden von ihm kritisiert. Er könne auch nicht verstehen, wieso die Landesregierung bei der Einführung des Schulversuchs G 9 eine Deckelung auf 44 Schulen veranlasst hat. Der Erziehungswissenschaftler Stefan Schmutz brachte noch einmal praktische Argumente für eine Verbesserung von G 8 vor. Die Rhythmisierung des Unterrichts in Ganztagsschulen könne beispielsweise als Vorbild dienen. Alle Diskutanten sprachen sich jedoch gegen die Reduzierung der Stofffülle als mögliche Maßnahme aus. Für mich steht fest, dass G8 in der jetzigen Form mit guten Gründen nicht von allen Eltern und Schülern gemocht wird. Nach der heutigen Veranstaltung sehe ich die Möglichkeiten für eine substantielle Verbesserung innerhalb des G 8-Rahmens als durchaus schwierig. Die große Frage bleibt, wie wir mit großen Interessen von Eltern bzw. Schülerinnen und Schülern an G 9 nun umgehen werden.


