Ein Bundestagsbeschluss hat gravierende Auswirkungen auf benachteiligte Stadtteile
CDU und FDP haben im Bundestag das Ende für das Sanierungsprogramm Soziale Stadt beschlossen und die Zuschüsse drastisch gekürzt. Der SPD-Abgeordnete Peter Friedrich und die Landtagskandidatin Zahide Sarikas informierten sich im Sanierungsgebiet „Soziale Stadt“ im Konstanzer Berchengebiet über die Folgen. „Wie kann es jetzt noch weitergehen?“ fragten sie Luigi Pantisano. Der 32jährige Architekt und Stadtplaner ist seit zwei Jahren Quartiersmanager im benachteiligten Stadtteil am westlichen Konstanzer Stadtrand.
Das Gebiet ist geprägt durch sanierungsbedürftige Wohnblocks aus den 60er und 70er Jahren. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist hoch. Zu Pantisanos Aufgaben als Quartiersmanager gehört es, Bewohner zu aktivieren und zur Mitgestaltung ihres Stadtteils zu ermuntern. Grundgedanke der sozialen Stadt ist es, nicht nur bauliche Mängel zu beseitigen, sondern auch die soziale Integration der Bewohner zu fördern.
Noch zwei Jahre lang erhält die Stadt Konstanz Zuschüsse für Projekte im Berchengebiet. Die Stadt beabsichtigt, einen Aufstockungs- und Verlängerungsantrag zu stellen, um die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. Seit einem Jahr gibt es in der Allensteiner Straße das Quartierszentrum als Anlaufstelle. Hier finden Angebote wie der Sprachkurs „Mama lernt Deutsch“ statt. Zahide Sarikas ist begeistert: Denn so gelingt es Menschen anzusprechen, „die anders nicht erreicht werden.“
„Die Bewohner spüren, es verbessert sich etwas“, sagt Pantisano, der sich dagegen wehrt, den Stadtteil schlecht zu reden. Die Wohnungsbaugesellschaften WOBAK und Hegau haben ihre Wohnungen saniert und mit Farbe attraktiver gemacht. Unter der Überschrift „Grüner Bogen“ werden Grünflächen so gestaltet, dass sie zu öffentlichen Treffpunkten werden können. Dabei sind Ideen der Bewohner in die Planung mit eingeflossen.
„Dieser Stadtteil ist im Aufbruch,“ fasste Peter Friedrich beeindruckt zusammen. "Das Miteinander von baulicher Modernisierung und dem Aufbau einer engagierten Nachbarschaft nimmt die Menschen bei diesem Aufbruch mit." Nicht nur im Konstanzer Berchengebiet ist die Soziale Stadt eine Erfolgsgeschichte, die durch die Bundestagsmehrheit nun gefährdet werde. Nach dem Beschluss des Bundestags, dem auch die örtlichen Abgeordneten Homburger (FDP) und Jung (CDU) zugestimmt, sei nun das Land gefordert: Baden-Württemberg müsse seine Förderung der sozialen Stadt im bisherigen Umfang fortsetzen, forderten Sarikas und Friedrich. In den anstehenden Verhandlungen mit dem Bund über eine Verwaltungsvereinbarung zum Programm müsse sichergestellt werden, dass zumindest in bestehenden Sanierungsgebieten weiter gearbeitet werden könne.