Bundestagsabgeordnete Saskia Esken, Landtagsabgeordneter Dr. Stefan Fulst-Blei und Lehrerin Daniela Steinrode diskutierten in einer Videokonferenz mit Elternvertreter*innen
Bundestagsabgeordnete Saskia Esken, Landtagsabgeordneter Dr. Stefan Fulst-Blei und Lehrerin Daniela Steinrode diskutierten in einer Videokonferenz mit Elternvertreter*innen
70 Elternvertreter*innen, Schulleiter*innen, Lehrkräfte und andere Bildungsinteressierte aus den Kreisen Calw und Freudenstadt nahmen an einer Webkonferenz zur Situation in den Schulen während der Corona-Pandemie teil, zu der die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken im November eingeladen hatte. Neben Esken diskutierten Dr. Stefan Fulst-Blei, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag Baden Württemberg, und Daniela Steinrode, Gymnasiallehrerin und neue Co-Vorsitzende der SPD im Kreis Calw, mit den Gästen. „Dass 70 Bürger*innen online zusammenkamen um über die aktuelle Unterrichtssituation zu diskutieren, zeigt, wie kontrovers das Thema ist. Eltern, Schüler*innen und Lehrkräfte haben hier gleichermaßen viel Klärungsbedarf“, so Esken.
Steinrode berichtete von ihren Erfahrungen aus dem Schulalltag: „Ich bin sehr froh, dass wir präsent unterrichten können. Andererseits ist es doch auch problematisch, in jeder Klasse 30 Haushalte zusammenzubringen. Was ist mit uns Lehrer*innen? Bin ich nicht potenziell auch eine Superspreaderin, wenn ich in unterschiedlichen Klassen unterrichte?“ Landespolitiker Fulst-Blei ging in seinem Eingangsstatement mit der Bildungspolitik der baden-württembergischen Regierung hart ins Gericht: „Der Winter kommt und Frau Eisenmann ist nicht vorbereitet. Unterricht bei Minusgraden und ständigem Lüften kann ich mir wirklich schlecht vorstellen. Es rächt sich jetzt, dass die Landesregierung vollkommen planlos vorgeht und Alternativen wie den Wechselbetrieb nicht vorbereitet hat.“ Esken ging ebenfalls auf neue Unterrichtsformen ein: „Mich ärgert, dass der Sommer nicht dazu genutzt wurde, kontaktärmere Unterrichtsformen wie den Hybridunterricht vorzubereiten. Hybridunterricht und Wechselbetrieb bedeuten nicht, dass die Schulen schließen. Gerade diese Methoden gewährleisten regelmäßigen Unterricht. Ich sehe da viele Chancen: So könnten Klausurvorbereitung, Referatsvorbereitung und Hausaufgabenbetreuung in der Schule stattfinden, während Inhaltsvermittlung über Vorträge der Lehrkräfte oder professionelle Lernvideos aus dem sogenannten Nachmittagsmarkt primär digital stattfände. Diese Videos sind durchaus an den Bildungsplänen orientiert.“
In der sich anschließenden offenen Diskussion wurden zahlreiche Themen debattiert. Eine berufstätige Mutter machte die Problematik deutlich, wenn sie nach einem langen Arbeitstag ihre Kinder noch bei den Hausaufgaben betreuen soll, obwohl diese eine Ganztagsschule besuchen. Esken äußerte sich dazu deutlich: „Von einer Ganztagsschule dürfen Sie erwarten, dass Ihre Kinder abends genauso Feierabend haben wie Sie! “ Eine Lehrerin sprach die Unsicherheiten beim Thema Datenschutz an. Die Nutzung von Softwarelösungen großer Konzerne sei ebenso heikel wie das Streamen des Unterrichts für Schüler*innen in Quarantäne. Bildungsexperte Fulst-Blei stimmte dem zu: „Angesichts des gescheiterten Datenschutzabkommens zwischen der EU und den USA, das Privacy Shield, ist die Datenschutzfrage bis heute ungeklärt und die Schulen werden hier alleingelassen. Jetzt beginnt das Microsoft-365-Pilotprojekt. Doch alleine die mangelhafte Datenschutz-Folgenabschätzung, die in Verantwortung des Kultusministeriums erarbeitet wurde, hat nicht nur zu Streit, sondern zu massiven Verzögerungen geführt.“
Weitere Fragen bezogen sich auf Themen wie digital gestützten Unterricht bei Grundschulkindern, soziale Benachteiligung beim Digitalunterricht, Mund-Nasen-Schutzpflicht im Unterricht oder Lehrkräftemangel. Schwerpunkt der Fragen blieben digitale Unterrichtsmöglichkeiten. Lehrerin Steinrode erklärte dazu: „Es ist noch lange nicht so, dass wir gut ausgestattet sind. Jede Lehrkraft soll jetzt durch die Unterstützung des Bundes ein iPad erhalten, aber vor Februar kommen die nicht. Die technische Administration unserer Angebote für die Schüler*innen wird von drei Kolleg*innen übernommen. Hier bräuchten wir einen digitalen Hausmeister.“ Die Bundestagsabgeordnete und SPD-Vorsitzende Esken verwies deshalb noch einmal auf die zuletzt beschlossenen Ergänzungen des Digitalpakts: „Weil an vielen Schulen die Voraussetzungen für digitale Lernmöglichkeiten in verschiedener Hinsicht mangelhaft sind, haben Frau Merkel und ich im August einen Schulgipfel ins Leben gerufen. Hier wurden in mehreren Sitzungen mit den Kultusminister*innen der Länder Konzepte erarbeitet, damit wir in Zeiten von Corona nicht nur zuverlässige und gerechte, sondern auch zeitgemäße digitale Bildungsangebote in unseren Schulen bekommen. Der Bund hat dann im Koalitionsausschuss 1,5 Milliarden Euro zusätzlich für digitale Endgeräte für Lehrkräfte und für bedürftige Schüler*innen sowie für die technische Administration an den Schulen zur Verfügung gestellt. Nun muss das von den Ländern auch schnellstens umgesetzt werden, damit wir ein sozial gerechtes Bildungsangebot mit hochwertigen digitalen Bildungsmedien für alle bekommen!“
Homepage Dr. Stefan Fulst-Blei: Für Mannheim im Landtag von Baden-Württemberg
hier finden sich die nächsten Termine in des Ortsvereins Gengenbach. Eine Übersicht aller Termine der umliegenden Ortsvereine findet sich unter Termine.
(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)
Rotes aus der Ortenau
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