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Stoch: „Kultusministerin hat schlichtweg keinen Plan, wie sie das baden-württembergische Schulsystem fit machen soll"

Veröffentlicht am 12.08.2018 in Landtagsfraktion

Doro Moritz (GEW): „Weder herkunftssprachlicher Unterricht in staatlicher Verantwortung noch ausreichende Sprachfördermaßnahmen – das ist das Konzept der Kultusministerin zur Qualitätssteigerung und besseren Integration“

 

Die SPD-Landtagsfraktion und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußern ihr Unverständnis über die erneute Ankündigung des Kultusministeriums, keine Änderungen beim herkunftssprachlichen Unterricht vornehmen zu wollen. Dazu Andreas Stoch, der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion: „Kultusministerin Eisenmann hat schlichtweg keinen Plan, wie sie das baden-württembergische Schulsystem für seine Realität in einem Einwanderungsland fit machen soll. Ihre Untätigkeit und fehlende Konzepte werden den Schulen auf die Füße fallen. Herkunftssprachlicher Unterricht wäre ein wichtiger Baustein, den Kultusministerin Eisenmann nicht mal zu prüfen bereit ist – obwohl Ministerpräsident Kretschmann dies den Bürgerinnen und Bürgern zugesichert hatte.

Offenbar können weder die Modelle zum herkunftssprachlichen Unterricht aus anderen Bundesländern, noch neue wissenschaftliche Studien bei Ministerin Eisenmann ernsthaftes Interesse wecken. Wenn sie den herkunftssprachlichen Unterricht nicht als prioritär einstuft, könnte man meinen, es gebe andere vorrangige Projekte. Dem ist aber nicht so, denn im Bereich Sprachförderung verweist sie in der Antwort auf unseren Antrag (Drucksache 16 / 4380) an „neuen“ Aktivitäten lediglich auf wenige Einzelmaßnahmen: Ein Förderprojekt an nur etwas mehr als 30 Schulen („Lesen macht stark“), die Abschaffung des Fremdsprachenunterrichts an den Grundschulen und die zusätzlichen Investitionen für Sprachförderung im frühkindlichen Bereich, die allerdings weniger als fünf Prozent des Pakts mit den Kommunen und damit den kleinsten Posten der sogenannten Qualitätsoffensive darstellen. Im Übrigen besteht kein Widerspruch zwischen dem von uns geforderten Schulversuch zum herkunftssprachlichen Unterricht und mehr Sprachförderung in deutscher Sprache. Beides kann und sollte in Rahmen eines Gesamtkonzepts zur besseren Integration Umsetzung finden. Dass sich die Grünen nun hinter unseren Vorschlag zur Einrichtung eines Schulversuchs stellen, begrüßen wir natürlich. Rückgrat muss die stärkere der beiden Regierungsfraktionen aber nicht nur in ihren Pressestatements beweisen, sondern auch im Parlament. Ich bin gespannt, ob die Grünen dem Beschlussteil unseres Antrags zum Schulversuch dann wirklich zustimmen. Bisher sind sie bei Bildungsthemen vor ihrem kleinen Koalitionspartner immer eingeknickt, wie die Abstimmungen zur Grundschule ohne Noten oder den Voraussetzungen zur Einrichtung einer Oberstufe an Gemeinschaftsschulen zeigen.“. Die Landesvorsitzende der GEW Doro Moritz ergänzt: „Weder herkunftssprachlicher Unterricht in staatlicher Verantwortung noch ausreichende Sprachfördermaßnahmen – das ist das Konzept der Kultusministerin zur Qualitätssteigerung und besseren Integration. Bei Kultusministerin Eisenmann und der Landesregierung hat Integration keinen hohen Stellenwert. Herkunftssprachlicher Unterricht steht nicht auf der Liste vorgesehener Maßnahmen. Der Sprachförderunterricht reicht hinten und vorne nicht. Der Fremdsprachenunterricht in den Klassen 1 und 2 wird gestrichen, die vier gestrichenen Stunden sind die ersten Förderstunden, die die Grundschulen bekommen. In keiner anderen Schulart würde Pflichtunterricht gestrichen, um Förderstunden für Deutsch und Mathematik zu gewinnen. Auf den Anfang kommt es an! Es macht mich fassungslos, dass Baden-Württemberg als Land mit 44,3 Prozent Kindern mit Zuwanderungshintergrund in den 4. Klassen nicht das Mittel der Sprachförderung in der Herkunftssprache und in deutscher Sprache konsequent nutzt. Das Programm „Lesen macht stark“ startet im Schuljahr 2018/19 an 32 weiterführenden Schulen in den fünften Klassen. Das kann doch nicht die Antwort eines Landes sein, das mit seiner Bildung wieder an die Spitze will. Die Maßnahmen des Kultusministeriums reichen zwar für eine Pressemitteilung, die Grundlage für erfolgreiche Integration bieten sie nicht.“

Homepage Dr. Stefan Fulst-Blei: Für Mannheim im Landtag von Baden-Württemberg

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