Schulexperte Daniel Born: „Dem Rat von Fachleuten schenkt Frau Dr. Eisenmann nur dann Gehör, wenn er sich für ihre politischen Absichten vermarkten lässt.“
Schulexperte Daniel Born: „Dem Rat von Fachleuten schenkt Frau Dr. Eisenmann nur dann Gehör, wenn er sich für ihre politischen Absichten vermarkten lässt.“
SPD-Schulexperte Daniel Born hat Kultusministerin Eisenmann (CDU) vorgeworfen, eine „bornierte Schulpolitik“ zu betreiben. Als Beleg dafür führte Born die Haltung Eisenmanns zum Schriftspracherwerb in der Grundschule ins Feld. „Dem Rat von Fachleuten schenkt Frau Dr. Eisenmann nur dann Gehör, wenn er sich für ihre politischen Absichten vermarkten lässt“, tadelte Born. Nach dem schlechten Abschneiden Baden-Württembergs in aktuellen Schulvergleichsstudien hätte die Kultusministerin einzelne pädagogische Herangehensweisen wie das ‚Schreiben nach Gehör‘ bewusst zum Sündenbock gestempelt.
Grund für das Defizit in der Rechtschreibung sei aber nicht diese eine sprachdidaktische Methode: „Das wäre zu schön, um wahr zu sein“, unterstrich Born. „Eisenmann macht es sich da zu einfach.“ Zwischen den Ergebnissen des IQB-Bildungstrends oder der Studie „Vera 8“ und der Methode gebe es keinen belegbaren Zusammenhang. Dies habe Eisenmann in ihrer Antwort auf eine Parlamentsinitiative der SPD einräumen müssen.
Umso unverständlicher sei es, dass die Kultusministerin den Grundschulen nun gleichsam durch die Blume untersagt habe, ‚Schreiben nach Gehör‘ wie bisher als Lernmethode anzuwenden. Dieses Vorgehen sei zu Recht auf massive Kritik des Grundschulverbands gestoßen, denn es entbehre einer fachlich eindeutigen Grundlage.
Besonders bedenklich findet der SPD-Schulexperte auch Eisenmanns widersprüchliche Empfehlungen zur Entwicklung einer gut lesbaren Handschrift. Nur die Lateinische und die Vereinfachte Ausgangsschrift seinen fortan an den Grundschulen zugelassen. Auf entsprechende wissenschaftliche Befunde, die eine solche Abkehr vom neuen Bildungsplan nahelegten, habe Eisenmann wieder nicht verweisen können.
Sie unterstelle den Lehrkräften mangelnde Kompetenz und spreche den Fachleuten, die den neuen Bildungsplan entwickelt haben, den Sachverstand ab. Für Born ist ein solches Vorgehen untragbar: „Die Bildungspolitik in diesem Land darf nicht nur vom Bauchgefühl der Ministerin Eisenmann abhängen.“
Der SPD-Schulexperte bezeichnete es als Frechheit, dass man im Kultusministerium glaube, die Rückkehr zu einem alten Bildungsplan nicht einmal auf explizite parlamentarische Nachfrage schlüssig rechtfertigen zu müssen. In der Antwort der Ministerin heiße es nur lapidar, man habe unterschiedliche Argumente abgewogen. Für Born jedoch muss die Fachlichkeit viel stärker im Vordergrund stehen: „Um die Unterrichtsqualität an den Schulen zu verbessern, müssen wir die Praxis kritisch hinterfragen und mit Hilfe wissenschaftlich abgesicherter Erkenntnisse weiterentwickeln“.
Hinweis: Der Parlamentsantrag der SPD zur Kritik an sprachdidaktischen Methoden und die Stellungnahme der Kultusministerin wird auch in der morgigen Sitzung des Bildungsausschusses des Landtags zur Sprache kommen.
Homepage Dr. Stefan Fulst-Blei: Für Mannheim im Landtag von Baden-Württemberg
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(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)
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