
Eppelheim. Die frühkindliche Bildung steht vor großen Herausforderungen – und gleichzeitig gibt es Erfolgsgeschichten. Das zeigte der Besuch von Daniel Born, Schwetzinger Landtagsabgeordneter und Bildungsexperte der SPD, in der Eppelheimer Kita und Krippe Justus-von-Liebig-Straße in Trägerschaft des Postillion e.V. Gemeinsam mit Stefan Lenz, dem Geschäftsführenden Vorsitzenden des Postillion e.V. und den beiden Vorstandsmitgliedern Bettina Kiem und Dr. Isabel Lehenmeier diskutierte Born, der seit 2016 Mitglied im Bildungsausschuss des Landtags ist, zentrale Themen wie Inklusion, Sprachförderung und den Fachkräftemangel, die sowohl Träger als auch pädagogische Fachkräfte täglich vor Herausforderungen stellen.
Die Postillion-Kita in der Justus-von-Liebig-Straße hat am Bundesprogramms „Sprach-Kitas“ teilgenommen und setzt die Sprachförderung auch im Nachfolgeprogramm mit großem Erfolg fort. „Wir müssen Sprachvielfalt wertschätzen“, betonte Born. „Es ist wichtig, dass alle Kinder die Mitmach-Sprache Deutsch beherrschen und gleichzeitig ihre Herkunftssprachen als Schatz genutzt wird.“ Mit Blick auf die Umsetzung des neuen Sprachförderprogramms der Landesregierung „SprachFit“ sind für die Kita und den Träger noch viele praktische und strukturelle Fragen offen. Besonders der Transport von Kindern mit diagnostiziertem Förderbedarf stellt in einer Kommune mit vielfältigen Trägerstrukturen wie Eppelheim eine große Herausforderung dar. Postillion-Geschäftsführer Lenz und der hiesige Abgeordnete, der Sprecher für frühkindliche Bildung der SPD-Landtagsfraktion ist, teilen die Befürchtung, dass SprachFit ein Angebot für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf schafft, das zu Ausgrenzungserfahrungen für betroffene Kinder führt und in Widerspruch zum Anspruch einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe geraten könnte. Bettina Kiem, die als beigeordnetes Vorstandsmitglied für die Hauskindergärten und das Vertretungsteam bei Postillion zuständig ist, betonte: „Wir möchten weiterhin auf gemeinsames Lernen und sprachliche Vielfalt setzen.“
Die Kita engagiert sich stark für ein inklusives Konzept – trotz der wachsenden Herausforderungen. „Inklusion ist eine Anforderung an Bildungseinrichtungen in einer nach wie vor nicht inklusiven Gesellschaft“, gab Born zu bedenken. „Kitas sind hier oft Vorreiter. Aber für die Teams ist es ein Lernprozess, der Zeit und eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert.“
Dr. Isabel Lehenmeier, beigeordnetes Vorstandsmitglied für Krippen bei Postillion e. V., unterstrich diesen Punkt: „Es braucht Zeit, um bewusst zu reflektieren: Wie leben wir Inklusion wirklich?“ Auch Lenz warnte davor, Kinder vorschnell in Schubladen zu stecken. „Es besteht die Gefahr, dass wir durch Programme wie SprachFit eher Separation als Inklusion fördern“, sagte er. Born unterstrich, dass dem eine klare Strategie entgegengesetzt werden müsse: „Wir müssen Gegenbilder schaffen zum Aussortieren und die defizitorientierte Haltung endlich überwinden.“
Wie viele Kitas kämpft auch die Einrichtung in Eppelheim mit einem zunehmenden Fachkräftemangel – vor allem in den Nachmittagsstunden. Trotzdem kann sie weiterhin eine verlässliche Ganztagsbetreuung von bis zu zehn Stunden täglich anbieten. Das liegt unter anderem daran, dass Postillion als Träger im Bereich der Fachkräftegewinnung gut aufgestellt ist: Der Verein ist in der Personalwerbung sehr aktiv gewesen. Auch die Fachschule für Sozialpädagogik, die Postillion aufgebaut hat, trägt zum Erfolg bei der Akquise bei. Durch interne Entwicklungsmöglichkeiten und Wechseloptionen zwischen den verschiedenen Sparten seiner Angebote schafft er Perspektiven für Beschäftigte. Besonders wichtig sind für den SPD-Bildungsexperten auch Möglichkeiten zur Spezialisierung innerhalb des Berufsfelds: „Wir müssen klare Entwicklungsperspektiven schaffen, um den Beruf attraktiver zu machen.“
Ein weiteres Thema war die Integration ausländischer Fachkräfte. Für Kiem sind dabei gute Deutschkenntnisse essenziell – nicht nur für die Arbeit mit den Kindern, sondern auch für die Kommunikation mit den Eltern. Born verwies auf die hohen Verbleibequoten in der frühkindlichen Bildung: „Mit 80 Prozent ist sie höher als in anderen Bereichen wie beispielsweise der Pflege. Das zeigt, dass sich hier gezielte Anwerbung lohnen kann.“
Die SPD-Landtagsfraktion hat kürzlich ein Positionspapier zur frühkindlichen Bildung vorgelegt, das auch bei Borns Besuch in Eppelheim diskutiert wurde. Mit ihrem VIER-Stärken-Programm setzt sich die baden-württembergische SPD für verlässliche, innovative, erfolgreiche und resiliente Kitas ein – mit klaren Forderungen und konkreten Vorschlägen zur Fachkräfteoffensive, Qualitätsentwicklung und Gebührenfreiheit. Ein zentrales Prinzip darin ist Verlässlichkeit. „Das betrifft für uns nicht nur die Eltern im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Betreuungskontinuität ist auch für die Kinder wichtig und Beschäftigte wünschen sich stabile Arbeitsbedingungen, auf die sie ihre berufliche Zukunft bauen können“, so Born.
„Wir leben in einer Dekade, in der wir wirklich in unser Land investieren müssen – und dazu gehört vor allem die Bildung“, betonte der stellvertretende Landtagspräsident zum Abschluss des Gesprächs. „Wir müssen den inklusiven Weg konsequent beschreiten und fördern. Und wir müssen Kindheit schützen – vor Dauerstress, vor permanenter Examinierung und vor einer Bildungspolitik, die immer noch zu sehr auf Defizite schaut, anstatt Stärken zu fördern.“