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„Seid eine laute Generation“: Daniel Born diskutiert mit Schülerinnen und Schülern des Gauß-Gymnasiums Hockenheim

Veröffentlicht am 24.03.2025 in Wahlkreis

Hockenheim. Politik zum Anfassen – das erlebten die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums und ihre Gemeinschaftskundelehrerin Renate Bischoff bei einem besonderen Besuch: Landtagsvizepräsident und SPD-Bildungsexperte Daniel Born war zu Gast, um sich den Fragen der Jugendlichen zu stellen. Unter der souveränen Moderation von Yusuf Marouf, Schüler der 9. Klasse, entwickelte sich ein spannender Austausch. „Wir sind eine politisch sehr aktive Klasse, diskutieren viel und wollten uns einen Experten dazuholen“, erklärte Yusuf zur Begrüßung. Mit dem hiesigen SPD-Abgeordneten hatten die Schülerinnen und Schüler einen erfahrenen Landespolitiker eingeladen. Born bringt nicht nur seine Expertise als wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Bildungspolitiker mit – seit 2016 ist er Mitglied des Bildungsausschusses im Landtag –, sondern kennt auch die Abläufe und Dynamiken im Parlament aus einer ganz besonderen Position: Als stellvertretender Landtagspräsident leitet er regelmäßig die Plenarsitzungen und sorgt für einen fairen, geordneten Ablauf der Debatten.

Gleich zu Beginn lockerte Born die Atmosphäre mit einem augenzwinkernden Vergleich auf: „Der Landtag ist nicht so ruhig, wie Sie es gerade sind.“ Dann wurde es interaktiv: Um einen Eindruck vom politischen Alltag zu vermitteln, verwandelte sich das Klassenzimmer kurzerhand in ein Mini-Parlament. Während Born eine improvisierte Rede zu schulfreien Montagen hielt, sollten die Jugendlichen – aufgeteilt in zwei Lager – entweder lautstark Zustimmung zeigen oder kritisieren. Zwischenrufe, Applaus, Stirnrunzeln: Alles war erlaubt – und wurde begeistert genutzt.

Nach der Simulation ging es in die Fragerunde. Dabei beeindruckten die Schülerinnen und Schüler mit klugen, gut vorbereiteten Fragen. Was sind Ihre Lebensziele? Wie viel verdienen Sie? Wie gehen Sie mit politischer Kritik um? Born antwortete offen und persönlich. Ein zentrales Thema des Gesprächs war der respektvolle Umgang mit politischen Gegnern und die Frage, wo die Grenzen demokratischer Debatte verlaufen. Auf die Frage, wie er mit Mitstreitern und Andersdenkenden umgehe, antwortete Born: „Demokratinnen und Demokraten verbindet im Zweifel immer mehr, als sie trennt.“ Doch auch eine klare Abgrenzung machte er deutlich: „Wer diese Demokratie bekämpft, ist nicht mein Freund.“

Ebenso wichtig sei der Austausch über Kritik – ein unverzichtbares Element jeder lebendigen Demokratie. Born machte deutlich, dass Kritik nicht nur erlaubt, sondern notwendig sei. „Man ist 24/7 im Amt und kann sich nicht einfach eine Pause davon nehmen“, erklärte er mit Blick auf seine Rolle als Landtagsabgeordneter. Doch er gab zu bedenken, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch das Medium eine entscheidende Rolle spiele. Während konstruktive Kritik im direkten Dialog hilfreich sei, verliere sie in den sozialen Netzwerken oft an Substanz: Dort werde schnell und unreflektiert kommentiert, nicht selten verletzend und pauschal. „Deshalb nehme ich mir dort auch mal bewusst eine Auszeit“, gestand Born.

In diesem Zusammenhang kam auch der Populismus zur Sprache, der gerade online oft besonders laut auftritt. Born mahnte, Inhalte nicht unreflektiert zu übernehmen: „Man muss kritisch hinterfragen, was man konsumiert, und wer es sagt – gerade, wenn es so klingt, als gäbe es einfache Antworten auf komplizierte Fragen.“ Medienkompetenz sei deshalb heute eine zentrale demokratische Fähigkeit. „Wir alle müssen lernen, Redakteure in unserem eigenen Leben zu sein“, gab er den Jugendlichen mit auf den Weg – ein Appell für mehr Selbstverantwortung im digitalen Zeitalter.

Zum Thema Mitbestimmung interessierten sich die Schülerinnen und Schüler vor allem für das Wahlrecht. Viele in der Runde dürfen noch nicht wählen, wollen sich aber trotzdem politisch einbringen. Born ermutigte sie: „Man kann immer solidarisch sein.“ Er sprach sich für ein Wahlrecht ab 16 auf Bundesebene aus und gab praktische Tipps, wie man sich auch ohne Stimmzettel für Demokratie stark machen könne. „Wenn wir nicht dafür sorgen, dass andere frei sind, sind wir selbst nicht frei.“

Ein weiteres Thema mit aktueller Brisanz war die Diskussion um die Wehrpflicht. Die Schülerinnen und Schüler wollten wissen, wie Born dazu steht – und ob eine verpflichtende Einbeziehung von Frauen gerecht wäre. Born positionierte sich deutlich: „Ich bin skeptisch, wenn der Staat jungen Menschen vorschreiben will, wie ein sinnvolles Jahr auszusehen hat. Die Menschen wissen selbst am besten, wie sie zur Gesellschaft beitragen können.“ Sollte es dennoch zur Wiedereinführung kommen, müsse sie für alle Geschlechter gleichermaßen gelten.

Am Ende richtete Born einen eindringlichen Appell an die Klasse: „Diese Welt ist ein himmelschreiend ungerechter Ort. Gerade Ihre Generation spürt das. Aber Sie haben das Privileg, sich frei äußern zu dürfen – ohne Angst vor Strafe, Gefängnis oder Tod. Nutzen Sie das. Seien Sie eine laute Generation!“

Homepage Daniel Born

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