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Raus aus dem Tarifvertrag? Wir sagen: keine gute Idee!

Veröffentlicht am 06.12.2019 in Aktuelles

Mit mulmigem Gefühl haben auch wir von der SPD Oberkirch die Informationen aus der Presse bezogen, dass das Progresswerk Oberkirch aus dem Flächentarifvertrag mit der IG Metall aussteigen will - oder wie es aktuell eher aussieht: aussteigen wird. Stattdessen wird ein Haustarifvertrag angestrebt. Auch wenn es nur nach einer kleinen Formalität anhört, welche Folgen wird es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stadelhofen haben? Was passiert mit ihren Arbeitsplätzen?

Sie denken, dies betrifft Sie nicht, da Sie selbst nicht betroffen sind? Erfahren Sie hier, warum dies auch für Sie, unsere Kommune und das Allgemeinwesen ein großes Problem ist. Lesen Sie hierzu auch den Leserbrief unseres SPD-Gemeinderats Frank Meier. Klicken Sie hierzu bitte auf "weiterlesen".

 

Die Tarifflucht, welche von vielen Arbeitgebern in Deutschland gelebt wird, um sich der Tarifbindung zu entziehen, ist KEIN Kavaliersdelikt! Mit diesem Schritt, dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband, entziehen sich die Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung. Zum Einen signalisiert dies eine geringere Wertschätzung gegenüber den Belegschaften in den Betrieben und deren Interessensvertretungen. Zum Anderen gehen den Sozialversicherungen jährlich ca. 24,8 Milliarden Euro an Beiträgen verloren. Bund, Ländern und Kommunen fehlen jährlich 14,9 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Zusammen sind dies rund 40 Milliarden Euro! 

Die Tarifflucht belastet somit uns alle! Ohne Tarifvertrag schwindet die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung. Mit weniger Geld in der Tasche kann bekanntlich auch weniger ausgegeben werden. Das wiederum hat Einfluss auf die Wirtschaft und die Konjunktur. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn sich Unternehmen dann schon mal die unbequeme Frage nach ihrer sozialen Verantwortung gefallen lassen müssen.

Tarifverträge sind ein zentrales Instrument, um die Einkommen und die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer zu verbessern. Sie sichern den sozialen Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Gleichzeitig sind sie auch ein Maßstab für Transparenz und fairen Wettbewerb in der Wirtschafts- und Arbeitswelt. Damit sind eine gerechte Umverteilung und eine gerechte Teilhabe der Beschäftigten und deren Familien in der sozialen Marktwirtschaft gegeben. Wenn betriebswirtschaftliche Gründe es erfordern, Sparmaßnahmen umzusetzen, müssen Verhandlungen auf Augenhöhe angestrebt werden. 

Heute haben schon Tarifverträge weitreichende Öffnungsklauseln, um gemeinsam mit der Interessenvertretung im Betrieb für alle Beschäftigten und das Unternehmen eine für beide Seiten faire und akzeptable Lösung herbeizuführen. Wenn die Protagonisten in der Unternehmensleitung ihre soziale Verantwortung unserer Gesellschaft ernst nehmen, dann darf die Flucht aus dem Arbeitgeberverband nicht die Lösung sein!

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