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Rampenlicht statt Orchestergraben

Veröffentlicht am 13.05.2019 in Presseecho

RICHARD-WAGNER-VERBAND BEI DER OPERNGALA IN DER CHRISTUSKIRCHE ÜBERZEUGT UNTER ANDEREM DIRIGENT ALEXANDER SODDY / MUSIKER UND SÄNGER VOM NATIONALTHEATER

Wie das „Mannheimer Repertoire“ zum Markenzeichen wurde, so wird man auch dermaleinst von den „Mannheimer Operngalas“ reden. Die hiesigen Opernfreunde lieben ihr Nationaltheater. Wenn sie „ihr“ Orchester und „ihre“ Sänger haben, verzichten die meisten freudig auf Regie. Was andererseits impliziert, dass geniale Inszenierungen dem „Repertoire“ einverleibt werden.

Einen großen Erfolg trotz Maimarkt erlebte auch die jüngste Operngala, veranstaltet vom Richard-Wagner-Verband (RWV) zugunsten des Opernstudios, zu deren glanzvoller Ausrichtung das Nationaltheater nicht nur eine formidable Sängerriege und ein üppig besetztes Orchester, sondern auch Generalmusikdirektor Alexander Soddy am Pult und Opernintendant Puhlmann als Moderator beisteuerte. Schirmherrin Helen Heberer hieß illustre Gäste willkommen, während RWV-Präsidentin Monika Kulczinski in ihrer Begrüßungsrede betonte, dass ihr Verband dem Theater auch in der schwierigen Umbauphase stets ein verlässlicher Partner sein werde.

n seiner Moderation legte Albrecht Puhlmann seiner sprichwörtlichen Eloquenz spürbar Zügel an, um der großen Musik Raum zu geben. Dennoch fand er bezaubernde Bilder für die Poesie junger Liebe und französischer Gärten. Alexander Soddys leidenschaftliches Dirigat, sonst meist im Orchestergraben verborgen, begeisterte diesmal das Publikum im hellen Rampenlicht. Das galt sowohl für die subtile Begleitung der Arien und Duette wie für die sorgfältig ausgewählten Instrumentalbeiträge, die Ouvertüren zu Verdis „Macht des Schicksals“ und Wagners „Fliegendem Holländer“. Für einen Ruhepunkt sorgte der musikalische Hausherr, Landeskantor Johannes Michel, mit der Fantasie über B-A-C-H von Max Reger auf der Steinmeyer-Orgel.

Trotz der Wiederaufnahme der personalintensiven Verdi-Oper „Don Carlo“ am folgenden Tag war zur Gala keineswegs die zweite Garnitur angetreten. Als echter Verdi-Bariton erwies sich Evez Abdulla zum Auftakt mit der Arie „Urna fatale“ aus der „Macht des Schicksals“. Danach noch zwei Mal Verdi: Die vielfach preisgekrönte Nikola Hillebrand krönte die Arie „Caro nome“ aus „Rigoletto“ mit kostbaren Kadenzen. Der höhenstabile lyrische Tenor Juraj Holly brillierte mit „La donna è mobile“ aus derselben Oper. Jelena Kordic, assistiert von den Stipendiatinnen Martiniana Antonie und Natalja Cantrak, war eine rassige Carmen aus Bizets gleichnamiger Oper. Kraftvoll und seriös, perfekt artikulierend, bewies Thomas Berau mit dem Wahn-Monolog aus den „Meistersingern“ seine Wagner-Kompetenz. Er erhielt während der Gala die Wagner-Stele 2019 des Verbands.

Aus Puccinis „La Bohème“ sang Eunju Kwon „Mi chiamano Mimi“ und, gemeinsam mit Holly, „O soave fanciulla“, ebenso bejubelt wie das Blumenduett aus „Lakmé“ von Léo Delibes (Hillebrand/Kordic). Danach Ovationen, Blumen, Umarmungen und das feurige Vorspiel zum 3. Akt „Lohengrin“ als Zugabe.

© Mannheimer Morgen, Montag, 06.05.2019

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