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Prävention von Radikalisierungstendenzen bei Schülerinnen und Schülern

Veröffentlicht am 13.01.2015 in Pressemitteilungen

Kultusminister Stoch: "Die Ereignisse der letzten Wochen haben auf tragische und erschreckende Weise deutlich gemacht, wie wichtig es ist, jungen Menschen einen reflektierten und friedvollen Zugang zu ihrer Religion zu ermöglichen."

Kultusminister Andreas Stoch MdL hat die Schulleiterinnen und Schulleiter in Baden-Württemberg heute in einem Schreiben über Möglichkeiten informiert, Tendenzen zur Radikalisierung bei Schülerinnen und Schülern vorzubeugen oder entgegenzuwirken. "Die Ereignisse der letzten Wochen haben auf tragische und erschreckende Weise deutlich gemacht, wie wichtig es ist, jungen Menschen einen reflektierten und friedvollen Zugang zu ihrer Religion zu ermöglichen", so Stoch. Der Kultusminister bittet deshalb darum, diese wichtige Thematik im Unterricht aufzugreifen.

Neben Eltern, Angehörigen und Freunden gehörten häufig auch Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Lehrerinnen und Lehrer zu den ersten, denen die Radikalisierung eines Jugendlichen auffalle. Damit komme den Schulen hinsichtlich der Prävention von Extremismus und Radikalisierung eine bedeutsame Aufgabe zu, die allerdings in einem engen Zusammenwirken mit dem gesamten Umfeld einer Schülerin oder eines Schülers am besten bewältigt werden könne.

In seinem Schreiben betont Stoch die große Bedeutung des Islamischen Religionsunterrichts. Dieses Modellprojekt biete jungen Musliminnen und Muslimen eine sehr gute Möglichkeit, sich mit ihrer Religion fundiert und konstruktiv auseinanderzusetzen. Derzeit nehmen etwa 2.000 Schülerinnen und Schüler aus 14 Herkunftsländern am Islamischen Religionsunterricht sunnitischer Prägung teil. Durch einen Kabinettsbeschluss wurde im Mai 2014 die Ausweitung des Modellprojekts auf bis zu 20 weitere allgemein bildende Schulen pro Jahr im Primar- und Sekundarbereich ermöglicht. Kultusminister Stoch verweist auf erste Erfahrungswerte, wonach durch eine Teilnahme am Islamischen Religionsunterricht das Verständnis der Schülerinnen und Schüler für religiöse Traditionen und Rituale nachhaltig gestärkt wird.

Um speziell die Themen Extremismus und Radikalisierung aufzugreifen, böten die Bildungs- und Lehrpläne aller allgemein bildenden und beruflichen Schulen in unterschiedlichen Fächern zahlreiche Anknüpfungspunkte. Auch in den Bildungsplänen 2016 der allgemein bildenden Schulen werde dieser Themenbereich eine zentrale Rolle spielen, verspricht Stoch. Dafür werde auch mit der Verankerung der Leitperspektiven "Prävention und Gesundheitsförderung" sowie "Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt" Sorge getragen.

Der Kultusminister empfiehlt, präventiven Maßnahmen auch außerhalb des Fachunterrichts einen Platz einzuräumen – beispielsweise durch Projekttage oder auf Dauer angelegte Projektaktivitäten. Hierfür stünden auch Angebote externer Partner, etwa der Landeszentrale für politische Bildung, der Bundeskoordination "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" oder der Polizei, zur Verfügung. Stoch hält die Einbettung präventiver Maßnahmen in ein schulisches Gesamtkonzept für sinnvoll – beispielsweise das Präventionskonzept "stark.stärker.WIR" oder das Projekt "Jugendliche stärken" (JUST), das zum Schuljahr 2015/16 an den Start gehen solle. Im Rahmen von Lehrgängen der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung könnten sich Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten einen Überblick über Formen, Ursachen und Möglichkeiten der Prävention einer religiösen Radikalisierung Jugendlicher verschaffen.

Das Kultusministerium werde in den kommenden Monaten weitere kurz- bis mittelfristige Maßnahmen und Aktivitäten entwickeln, so Stoch. Er weist in seinem Schreiben zudem auf die Beratungs- und Präventionsangebote des Landesamtes für Verfassungsschutz sowie die "Beratungsstelle Radikalisierung" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hin. Ratsuchende, die die Sorge haben, ein ihnen nahestehender junger Mensch könnte sich radikalisiert haben, erhalten dort Unterstützung.

Homepage Dr. Stefan Fulst-Blei: Für Mannheim im Landtag von Baden-Württemberg

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