
Grußwort beim Informationsabend des Soroptimist Club Esslingen zur Präventionsveranstaltung zum Thema LOVERBOY in der Realschule Oberesslingen

Grußwort beim Informationsabend des Soroptimist Club Esslingen zur Präventionsveranstaltung zum Thema LOVERBOY in der Realschule Oberesslingen
Sehr geehrte Frau Koss,
sehr geehrte Damen und Herren,
erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit der Liebe? An die Schmetterlinge im Bauch? Das Gefühl, nichts auf der Welt so sehr zu brauchen, wie die Aufmerksamkeit und Nähe der geliebten Person? Zum ersten Mal verliebt zu sein, der erste Kuss, das bedeutet für jeden Menschen eine einmalige und intensive Erfahrung, an die man sich sein Leben lang erinnert.
Für junge Menschen, die an einen Loverboy geraten, wird diese unvergessliche Zeit zu einem fortwährenden Albtraum: Hinter der vorgespielten „Liebesbeziehung“ steht ein Menschenhändler, der gezielt vor allem Mädchen emotional abhängig macht, um sie als Zuhälter sexuell auszubeuten. Die Bezeichnung „Love“ könnte dabei kaum irreführender sein für das Martyrium, das Betroffenen erleben müssen.
Bei den Methoden, wie Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung in diese Notlage gebracht werden, nimmt die Loverboy-Methode einen Spitzenplatz ein: Laut dem Bundeslagebild „Menschenhandel und Ausbeutung 2022“ gaben rund 20 Prozent der Betroffenen an, dass sie durch die Loverboy-Methode zur Prostitution gezwungen wurden. Das ist die am häufigsten genannte Anwerbemethode – und der Jahresvergleich zeigt, dass die Zahl der Betroffenen steigt.
Das bestätigen auch die Rückmeldungen aus den Fachberatungsstellen: In den letzten Jahren haben sich vermehrt besorgte Angehörige an die Fachberatungsstellen gewandt, die miterleben mussten, wie ein Loverboy die Tochter, Schwester oder Freundin entfremdet, manipuliert, ihrer Beziehungen und Entwicklungschancen beraubt hat. Die meisten Täter werden nie angezeigt, denn Abhängigkeit, Isolation, Angst und Scham machen es den Betroffenen sehr schwer, sich zu offenbaren.
Die Zwangsprostitution durch Loverboys ist eine nahezu unsichtbare Menschenrechtsverletzung, die mitten unter uns geschieht. Auf Internetplattformen, über Modelagenturen oder auf Partys, aber auch in und um Schulen werden junge Menschen ganz gezielt angesprochen. An nahezu jeder weiterführenden Schule – gleich welcher Schulart – gibt es Fälle.
Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass bei Schülerinnen, Eltern und Lehrkräften wenig über diese perfide Ausbeutungsstrategie bekannt ist. Die Datenlage ist dürftig und das öffentliche Bewusstsein für die Gefahr gering. Mehr noch: Sie wird ignoriert. Es fehlt an flächendeckender Aufklärung und Schutz. Ein standardisiertes, landesweites Präventionsangebot, das sich spezifisch mit der "Loverboy-Methode" befasst, gibt es in Baden-Württemberg beispielsweise nicht.
Gerade weil die Loverboy-Methode extrem effektiv darin ist, junge Menschen in eine Spirale aus Manipulation, Abhängigkeit und Prostitution zu ziehen, brauchen wir frühzeitige Aufklärung und flächendeckende Präventionsangebote. Und zwar dort, wo potentielle Opfer angesprochen werden – vor allem an unseren Schulen.
Prävention, Schutz und Unterstützung für Betroffene und eine effektive Strafverfolgung müssen dabei Hand in Hand gehen. Dafür setzt sich auch die SPD-geführte Bundesregierung ein, die im Koalitionsvertrag festgelegt hat, dass über einen nationalen Aktionsplan die Bekämpfung des Menschenhandels intensiviert wird und die Rechte Betroffener gestärkt werden.
Diese politischen Maßnahmen sind entscheidend. Und gleichzeitig sind Prävention und Schutz sind nicht nur eine politische, sondern auch eine zivilgesellschaftliche Aufgabe: Es ist an uns allen, Kinder und Jugendliche zu stärken, damit sie sich gegen jede Form von Manipulation und Ausbeutung wehren können. Jeder und jede von uns kann dabei den Unterschied machen: durch aufmerksames Beobachten, durch ein offenes Ohr, durch Solidarität und mutigen Beistand.
Wenn Kinder und Jugendliche um ihre Rechte wissen und gelernt haben, für sie einzustehen, sinkt nicht nur ihr Risiko, Opfer eines Loverboys zu werden. Junge Menschen in ihren Rechten zu stärken und sie als Gestalter*innen ihres Lebens ernst zu nehmen, macht nicht nur diese Jungen und Mädchen stark, sondern unsere Demokratie – und damit uns alle.
Dieser Abend heute ist ein wichtiger Beitrag. Herzlichen Dank allen, die sich hier einbringen, Verantwortung übernehmen und so dazu beitragen, dass Prävention und Schutz für junge Menschen umgesetzt werden und demokratische Werte gelebt werden. Vielen Dank.
Homepage Daniel Born MdL
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(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)
Rotes aus der Ortenau
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