Hochschulexpertin Gabi Rolland: „Die SPD wird es der Wissenschaftsministerin nicht durchgehen lassen, dass sie zu den nicht besetzten Professorenstellen einfach die Schotten dicht macht.“
Hochschulexpertin Gabi Rolland: „Die SPD wird es der Wissenschaftsministerin nicht durchgehen lassen, dass sie zu den nicht besetzten Professorenstellen einfach die Schotten dicht macht.“
SPD-Hochschulexpertin Gabi Rolland pocht auf konkrete Angaben des Wissenschaftsministeriums zu offenen Berufungsverfahren an den Hochschulen für angewandte Wissenschaft (HAW) und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). „Die SPD wird es Ministerin Bauer nicht durchgehen lassen, dass sie zu den nicht besetzten Professorenstellen einfach die Schotten dicht macht“, kritisierte Rolland. Sie verwies auf die äußerst magere Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums zu einem parlamentarischen Antrag der SPD-Landtagsfraktion (Drucksache 16/1708).
„Die Nichtbeantwortung meiner Fragen ist eine Frechheit. Uns wird einfach die Auskunft verweigert. Darin sehe ich eine Verletzung parlamentarischer Rechte“, sagte Rolland. Von den in ihrem Antrag gestellten Fragen sei mehr als die Hälfte gar nicht oder nur sehr oberflächlich beantwortet. Insbesondere konkrete Zahlen zu den offenen Berufungsverfahren bliebe die Ministerin schuldig. Dabei höre man von den Rektoren der Hochschulen und Studienakademien der DHBW vor Ort immer wieder das Wehklagen, geeignete Kandidaten für ausgeschriebene Professorenstellen zu finden. Häufig müssten die Stellen mehrfach ausgeschrieben werden, um sie erfolgreich besetzen zu können.
Das Ministerium begründet die Dürftigkeit seiner Stellungnahme indirekt mit der für derartige parlamentarische Initiativen festgelegten Frist von drei Wochen zur Beantwortung. Dieses Argument lässt Rolland aber nicht gelten: „In den vergangenen Monaten bat das Wissenschaftsministerium bei einer Vielzahl unserer Anträge um Fristverlängerung von drei auf sechs Wochen, der wir immer zugestimmt haben, unlängst erst wieder bei einer Anfrage zur Inklusion an Hochschulen.“ Einer solchen Bitte hätte sie auf jedem Fall auch bei dieser Anfrage zu den offenen Professorenstellen entsprochen.
Rolland kündigte an, dass sie den Antrag und die Stellungnahme des Ministeriums im nächsten Wissenschaftsausschuss Ende April zur Sprache bringen werde: „Wir werden auf der Vorlage konkreter Zahlen zu den offenen Professorenstellen beharren und unseren Antrag erst dann für erledigt erklären, wenn uns diese vorliegen.
“ Hintergrundinformationen
Die Studierendenzahlen an den HAW und an der DHBW sind in den letzten Jahren kontinuierlich überproportional gestiegen. Um diesem Wachstum gerecht werden zu können, mussten und müssen die Hochschulen mehr Professorenstellen besetzen. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach gut qualifizierten Köpfen nicht nur in Baden-Württemberg gestaltet sich die Besetzung dieser Stellen nicht immer einfach. Zunehmend benötigen die Hochschulen zur erfolgreichen Besetzung der freien Stellen mehrere Ausschreibungsrunden, schließen Kompromisse bei der entsprechenden Qualifikation der Bewerber und erstellen Vorschlagslisten, die aus Mangel an geeigneten Kandidaten keine so genannte Dreier-Liste beinhalten.
Die Herausforderung bei der Professorengewinnung an den HAW liegt vor allem im geforderten Personalprofil: wer sich um eine Professur an einer HAW bewirbt, muss in der Regel neben einer Promotion und didaktischer Kompetenz mindestens drei Jahre Praxiserfahrung außerhalb des Hochschulbereichs aufweisen. Hier konkurrieren die HAW und die DHBW mit den Unternehmen, die ebenfalls auf hochwertig ausgebildete wissenschaftliche Fachkräfte mit entsprechender Praxiserfahrung zurückgreifen und oft bessere Rahmenbedingungen bei ihren Einstellungsofferten unterbreiten können.
Ein Symposium der Rektorenkonferenz der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg am 22. März 2017 rief auch diesen Aspekt der schwierigen Professorengewinnung an HAW als Schwerpunkt auf und zeigte einmal mehr den notwendigen Handlungsbedarf, Anreize auf politischer Ebene zu schaffen. So wünschen sich die Rektoren der HAW zum Beispiel eine Regelung, dass die fehlende Lehrkapazität bei Forschungsprofessuren durch das Land ausgeglichen würde, und nicht an den Hochschulen selbst hängen bliebe.
Homepage Dr. Stefan Fulst-Blei: Für Mannheim im Landtag von Baden-Württemberg
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(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)
Rotes aus der Ortenau
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