Pressemitteilung vom 19. März 2009
SPD-Landtagsabgeordneter kritisiert ungerechte Verteilung der Lehrerstellen im Land zum Nachteil für den Regierungsbezirk Karlsruhe
Ein Viertel der 600 Schüler aus dem Landkreis Rastatt, die anstreben, nach diesem Schuljahr auf ein berufliches Gymnasium zu wechseln, könnten zu Schuljahresbeginn im Spätjahr vor buchstäblich „verschlossenen Schultüren“ stehen. Auf diesen Umstand hat der SPD-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Rastatt/Murgtal, Gunter Kaufmann, in seiner Rede im Landtag am heutigen Donnerstag hingewiesen und von der CDU/FDP-Landesregierung rasche Gegenmaßnahmen gefordert. Anlass war eine von der SPD mitinitiierte Landtagsdebatte zum Thema „berufliche Schulen“, wozu Gunter Kaufmann in seiner Funktion als Sprecher für berufliche Bildung der SPD-Landtagsfraktion einen Antrag eingebracht hat.
Angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise sei mit einer höheren Nachfrage im Bereich der Vollzeitschulen zu rechnen, da weniger Ausbildungsplätze zu erwarten sind, zum anderen auch Berufsanfänger mit abgeschlossener Ausbildung nochmals die Schule besuchen möchten, um sich für den Stellenmarkt entsprechend zu qualifizieren. Hinzu kommen, dass durch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums in diesem Sommer zu den Bewerbern des neunjährigen Gymnasiums (nach Klasse 10) und der Real- sowie Werkrealschulen zusätzlich Bewerber des achtjährigen Gymnasiums (nach Klasse 9) in die beruflichen Gymnasien drängen. Die beruflichen Gymnasien werden hierdurch vor besondere Herausforderungen gestellt, auf die sie nicht ausreichend vorbereitet seien, kritisierte Gunter Kaufmann in seiner Rede. So sei der Unterrichtsausfall an den beruflichen Schulen bereits jetzt ein großes Thema und die Lehrerzuweisung entspricht nachweislich nicht dem tatsächlichen Bedarf.
Und wieder einmal schaue vor allem der Regierungsbezirk Karlsruhe in die Röhre, prangert der SPD-Parlamentarier an. So sei das strukturelle Unterrichtsdefizit im Bereich Karlsruhe mit 6,2 Prozent bereits am höchsten. Anstatt aber hier entsprechend entgegenzuwirken und damit auch die Kritik der Kammern, Betriebe und Eltern aufzugreifen, werde der Bereich Karlsruhe auch noch bei der Zuteilung von Lehrerstellen benachteiligt. So erfolge die Zuteilung zum einen nach den Schülerzahlen, wobei unberücksichtigt bleibe, dass es vor allem in Nordbaden mehr personalintensivere Vollzeitklassen als in den anderen Regierungsbezirken gibt, zum anderen würden durch Pensionierungen frei werdende Lehrerstellen nicht komplett wieder besetzt. So würden in Nordbaden faktisch nur zwei von drei ausscheidenden Berufsschullehren ersetzt. Dafür tragen die Regierungsfraktionen die Verantwortung, da ein Antrag der SPD-Fraktion auf mehr Lehrerstellen in den Haushaltsberatungen abgelehnt wurde.
Der SPD-Landtagsabgeordnete fordert daher nach wie vor zusätzliche Lehrkräfte dauerhaft an den beruflichen Gymnasien im Land einzustellen und allen Schülern, die den geforderten Notendurchschnitt für die Aufnahme in ein berufliches Gymnasium erfüllen, den Zugang zu diesen Schulen zu ermöglichen.