Pressemitteilung vom 02. April 2008
Kritik an hohem Unterrichtsausfall an beruflichen Schulen / Rede des SPD-Parlamentariers im Landtag
Anlässlich des heute vorgestellten Berufsbildungsberichtes 2008 und der Debatte zum Unterrichtsausfall an den beruflichen Schulen im Landtag warnt der SPD-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Rastatt/Murgtal, Gunter Kaufmann, vor einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangels auch in Baden-Württemberg.
Die große Lücke zwischen der Nachfrage und dem Angebot an Lehrstellen in den vergangenen Jahren habe ihren Teil an dem Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften beigetragen, so Gunter Kaufmann, der auch Sprecher für berufliche Bildung der SPD-Landtagsfraktion ist. Die sinkenden Schülerzahlen aufgrund des demografischen Wandels unserer Gesellschaft drohen den Fachkräftemangel in vielen Branchen zukünftig zu verschärfen, warnt Gunter Kaufmann. Er fordert die Landesregierung auf, ihre Anstrengungen für die Verbesserung der Ausbildungssituation in Baden-Württemberg deutlich zu verstärken.
Die massive Kritik der Wirtschaft an dem Unterrichtsausfall an den Berufsschulen zeigt, dass auch die CDU/FDP-Landesregierung bislang nicht in der Lage war, den Anforderungen an eine qualifizierte Ausbildung gerecht zu werden, erklärte Gunter Kaufmann. Zukünftige Fachkräfte benötigen auch fundierte theoretische Kenntnisse, die vorwiegend in den Berufsschulen vermittelt werden. Insoweit sieht Gunter Kaufmann eine weitere Gefährdung des Wirtschaftsstandortes im dramatischen Unterrichtsausfall an den beruflichen Schulen, den die Landesregierung zu verantworten habe. In einer von der SPD-Landtagsfraktion beantragten Landtags-Debatte geißelte Gunter Kaufmann, dass an den Berufsschulen bis zu 10 Prozent des Unterrichts ausfielen. „Der hohe Unterrichtsausfall an den beruflichen Schulen ist schlichtweg skandalös: er geht zu Lasten der Berufsperspektiven junger Menschen. Vertreter aus der Wirtschaft fordern deshalb völlig zu Recht höhere Bildungsinvestitionen im Land“, so der SPD-Parlamentarier.
Der Landesregierung müssten „die Ohren klingeln“ angesichts der von immer mehr Ausbildungsbetrieben, Kammern und Schulen vorgetragenen Klagen über die unbefriedigende Unterrichtsversorgung an den beruflichen Schulen. Manche Betriebe gingen mittlerweile dazu über, ihre Auszubildenden beispielsweise den ausgefallenen Englisch-Unterricht an privaten Berufsschulen nachholen zu lassen. „Wie lange muss ich noch den Englischunterricht meiner Lehrlinge bezahlen, weil die Berufsschule nichts anbieten kann?“ zitierte Gunter Kaufmann einen namhaften Wirtschaftsvertreter im Rahmen einer IHK-Veranstaltung in Karlsruhe.
Die Landesregierung habe über Jahre hinweg die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte an beruflichen Schulen verschlechtert, kritisierte der SPD-Landtagsabgeordnete. Der akute Lehrermangel sei deshalb eine Folge der Politik von CDU und FDP. Er forderte die Landesregierung in der Plenardebatte auf, für bessere Arbeitsbedingungen an den beruflichen Schulen zu sorgen, um somit mehr Seiten- und Direkteinsteiger aus der freien Wirtschaft für den Schuldienst gewinnen zu können. Außerdem bräuchten die Schulen Planungssicherheit bei der Stellenbesetzung für das kommende Schuljahr. „Die Wirtschaft legt mit ihrer Kritik den Finger in die Wunde: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte an den beruflichen Schulen, um die Unterrichtsversorgung schnell zu verbessern. Und die Landesregierung muss endlich attraktivere Arbeitsbedingungen an den beruflichen Schulen bieten“, forderte Gunter Kaufmann abschließend.