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Mannheimer Morgen: „Wir wollen endlich gehört werden“

Veröffentlicht am 26.09.2012 in Presseecho

Trotz des Verkehrslärms waren die wütenden Seckenheimer Trillerpfeifen schon auf Ilvesheimer Seite zu hören, da hatte der rund 70 Personen umfassende Demonstrationszug die Brücke über den Neckar noch gar nicht betreten.

Das durchdringende Pfeifkonzert war gestern Nachmittag das Signal für die Ilvesheimer Gruppe, sich ebenfalls - und zwar ordentlich auf dem Gehweg - in Bewegung zu setzen, um ihre Plakate und Transparente tragenden Mitdemonstranten mitten auf der Brücke zu begrüßen und zur Kundgebung vor dem Rathaus der Inselgemeinde abzuholen. Gebhard Rudolph am Megafon: "Wir machen hier den Schulterschluss." Die Polizei, die die Marschierenden - insgesamt etwa 150 Personen - überwachte und später die Ilvesheimer Schlossstraße absperrte (nur Linienbusse durften dann noch durch), war mit sechs Mann vertreten.

Auch die Ordner der Bürgerinitiativen, die zu der Demo für den Bau der seit langem geforderten neuen Neckarbrücke bei Ladenburg aufgerufen hatten, bemühten sich darum, dass der Zug in geordneten Bahnen verlief und nicht mit den vielen vorbeikommenden Fahrzeugen auf der Brückenstraße in Konflikt geriet.

Auf der Fahrbahn der Schlossstraße, zwischen Rathaus und Chécy-Platz, wurde dann Tacheles geredet. "Vor 60 Jahren hat man die dritte Neckarbrücke bereits geplant, bis heute hat sich nichts getan, jetzt ist es genug", rief Altgemeinderat Rudolph der Menge zu.

Angesichts von 30 000 Fahrzeugen täglich auf der Neckarbrücke nach Seckenheim und 15 000 Autos pro Tag auf der Schlossstraße sinke die Lebensqualität mittlerweile dramatisch. "Auch die Geschäftsleute leiden darunter", setzte er hinzu und schloss mit der Forderung: "Wir brauchen die Neckarbrücke - jetzt!" Die Demonstranten quittierten Rudolphs Aussage mit Beifallsrufen und lautem Applaus. Peter Riemensperger, Gemeinderat in Ilvesheim, freute sich sehr, dass es in dieser Frage zu einer engen Zusammenarbeit von Seckenheim und Ilvesheim gekommen sei. "An so etwas kann ich mich in der Vergangenheit gar nicht erinnern", schmunzelte er.

Den Grund, jetzt gemeinsam an einem Strang zu ziehen, sah er in der Gefahr, dass nach dem Auslaufen der Planfeststellung im Jahr 2021 keine Finanzierung mehr möglich sei: "Die Brücke ist dann endgültig passé." Heute, so Riemensperger, sei ein entscheidender Zeitpunkt - "Ilvesheim und Seckenheim können den drohenden Verfall nicht akzeptieren." Die neue Brücke sah er angesichts eines 30-Milliarden-Landeshaushalts lediglich als eine Sache des politischen Willens. Riemensperger: "Wir wollen endlich gehört werden."

Ralph Waibel, Jürgen Zink, Klaus Seiler (alle Seckenheim) und Ilvesheims Bürgermeister Andreas Metz betonten - zum Teil mit scharfen Worten - die dringende Notwendigkeit der Brücke. Die Demonstranten, unter ihnen Helen Heberer (MdL) und Georg Wacker (MdL), sangen zum Abschluss das Badner Lied.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 25.09.2012

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