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Mannheimer Morgen: Um 12 kommen sie auf einen Schlag

Veröffentlicht am 30.11.2009 in Presseecho

Rheinau: Zweites Kerwe-Schlachtfest beim MGV 1896

Um 12 kommen sie auf einen Schlag
Von unserem Redaktionsmitglied Konstantin Groß

Es gibt nicht viele Vereinsveranstaltungen auf der Rheinau, bei denen der Saal, obwohl bereits einer der größten im Vorort, brechend voll besetzt ist; bei denen sich Freunde verabreden müssen, dass derjenige, der zuerst vor Ort ist, dem anderen einen Platz freihält und bei denen man dann doch seinen Stuhl ans Tisch-Ende in den Gang zwängen muss, um noch einen Platz zu haben.

Eine dieser Veranstaltungen ist das Kurpfälzer Kerwe-Schlachtfest des Männergesangvereins 1896 im Gemeindesaal der Versöhnungskirche. Positiv überrascht wurden damit all jene, die gedacht hatten, der riesige Andrang im vergangenen Jahr sei dem Premieren-Charakter der Veranstaltung geschuldet.

Tradition wiederbelebt
Denn die Idee dazu war dem Vorsitzenden des Vereins, Jürgen Ruf, erst kurz im Amt, im Frühjahr vergangenen Jahres in Ruchheim gekommen; die linksrheinischen Sänger, wie die Rheinauer von Musikdirektorin Lucia Lewczuk dirigiert, feiern Schlachtfeste seit langem mit Erfolg. Warum so was nicht auch einmal auf der Rheinau machen, dachte Ruf.

Den Termin legte er auf das traditionelle Rheinauer Kerwe-Wochenende Mitte Oktober und schloss damit zugleich eine schmerzliche Lücke. Denn die Rheinauer Kerwe war spätestens seit den achtziger Jahren mausetot. Ein Versuch des Gemeinnützigen Vereins und der Sandhase zu ihrer Wiederbelebung in den neunziger Jahren musste nach dem zweiten Mal aufgegeben werden.

Lange Schlangen
Das zweite - erfolgreiche - Jahr zumindest hat die jetzige Veranstaltung nun schon hinter sich. Punkt 12 Uhr war der Gemeindesaal, der noch wenige Minuten zuvor leere Bankreihen gesehen hatte, proppenvoll. "Die Leute kommen eben immer auf einen Schlag", weiß Jürgen Ruf und beschreibt damit zugleich die nicht einfache Herausforderung für die zahlreichen Helfer seines Vereins.

An der Essensausgabe bildeten sich lange Schlangen, zweigeteilt in diejenigen, die Schlachtplatte oder Wellfleisch bestellt hatten. Mancher merkte es erst ziemlich spät, dass er in der falschen Schlange stand, nachdem er bei der anderen fast schon vorne angelangt war.

Alleine zwölf Kilogramm Brot wurden zu Wellfleisch oder Wurstplatten verspeist. Die Wurstsuppe gab's als Vorspeise vom MGV kostenlos dazu. Die schweinischen Köstlichkeiten wurden übrigens von Metzgermeister Bernhard Reuter vor Ort frisch zubereitet.

Rätsel um Schwartenmagen
An der Saaldecke hing auch noch ein Schwartenmagen, der mit einem Seil umschlungen war, dessen exakte Länge zu schätzen war - das traditionelle Kerwe-Rätsel des MGV. Exakt getroffen hatte die Länge ein Bau-Fachmann: Manfred Beisel, Technischer Direktor des Gemeinnützigen Vereins Rheinau und von Beruf Malermeister. Ebenfalls exakte Entfernungs-Schätzungen sind bei Bildjournalisten wie Siggi Offen ein Muss, der denn auch auf Platz 2 kam.

Reichlich Gesprächsstoff also für die Gäste, allen voran die Landtagsabgeordnete Helen Heberer und die Stadträte Marianne Bade (SPD), Nikolas Löbel (CDU) und Rolf Dieter (ML), die dem Verein ihre Referenz erwiesen. Besonders freute die Veranstalter die Anwesenheit einer großen Delegation der Sängerhalle Germania 1879 Neckarau unter ihrem Vorsitzenden Wolfram Arnold.

Das alles war eine schöne Bestätigung für all die Ehrenamtlichen, die bereits am Freitagabend aufgebaut und am Samstag um 7 Uhr morgens zu kochen begonnen hatten. Am Samstagabend waren sie denn auch erschöpft, aber zufrieden.

Mannheimer Morgen
21. Oktober 2009

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