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Mannheimer Morgen: SPD deutlich im Aufwind, Grüne verlieren in Wählergunst

Veröffentlicht am 22.10.2012 in Presseecho

„MM“-Bürgerbarometer: OB Kurz weiter beliebtester Politiker / CDU auf dem zweiten Rang
SPD deutlich im Aufwind, Grüne verlieren in Wählergunst

Von unserem Redaktionsmitglied Stephan Wolf

Die Mannheimer SPD etabliert sich in der Wählergunst mit Abstand als stärkste Kraft. Wenn am kommenden Sonntag Kommunalwahlen wären, dann könnten die Sozialdemokraten mit 37 Prozent rechnen, vier Punkte mehr als noch im April 2012. Die CDU verliert leicht und kommt auf 27 Prozent (minus 1). Die Grünen rutschen weiter ab und liegen jetzt noch bei 18 Prozent (minus 3). Innerhalb von einem Jahr hat die Partei um den Landtagsabgeordneten Wolfgang Raufelder ihre Umfragewerte fast halbiert. Die großen Verlierer sind aber diesmal die Piraten: Sie verlieren fünf Punkte und kommen nur noch auf vier Prozent. Die übrigen Parteien spielen keine Rolle. Dies ist das Ergebnis des aktuellen "MM"-Bürgerbarometers.

Für die repräsentative Exklusivumfrage unserer Zeitung hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 9. bis 16. Oktober 1043 zufällig ausgewählte wahlberechtigte Bürger in der Quadratestadt interviewt. "Die SPD profitiert von dem günstigen Bundestrend, der in Mannheim auf besonders fruchtbaren Boden fällt", analysiert Matthias Jung, Vorstand der Forschungsgruppe Wahlen, die aktuellen Zahlen. Das hänge zum einen mit der traditionellen Stärke der Sozialdemokraten in der Quadratestadt zusammen. "Aber die SPD zeigt sich hier auch geschlossen und hat mit Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz ein Zugpferd, das von den Wählern sehr positiv bewertet wird", so der Wahlforscher. Das Stadtoberhaupt ist erneut der beliebteste Politiker in der Stadt. Er wird auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf mit plus 2,4 bewertet. Zwar ist die Zustimmung in den Reihen der SPD-Anhänger (plus 3,0) besonders hoch. "Aber Kurz genießt Ansehen über die Parteigrenzen hinweg und polarisiert nur wenig", sagt Jung. Auch CDU-Sympathisanten geben dem OB noch eine 2,5. "Das liegt auch daran, dass der OB eher mäßigend in die SPD wirkt und zumindest nach außen eher konsensorientiert auftritt", meint Jung.

Gute Werte hat auch Erster Bürgermeister Christian Specht, der insgesamt auf eine 1,9 kommt und damit der zweitbeliebteste Politiker in Mannheim ist. "Die CDU profitiert aber nicht von Spechts Sympathiebonus", sagt Jung. Er werde eher als Verwaltungsmitglied und weniger als Parteipolitiker wahrgenommen. Die Union leide ohnehin darunter, dass sie keinen kommunalpolitischen Spitzenvertreter habe, dessen Beliebtheit auf das "CDU-Konto" einzahle. Dafür seien in der Regel Parteichef und Fraktionsvorsitzender zuständig. "Aber weder Claudius Kranz noch Carsten Südmersen werden in der Öffentlichkeit wahrgenommen", so Jung. Sie ließen sich ohnehin sehr stark vom OB einbinden. "Da kann man sich dann nicht profilieren."

Dies gelte allerdings auch für den SPD-Fraktionschef Ralf Eisenhauer. Sympathieträger für die SPD sind stattdessen die Landtagsabgeordnete Helen Heberer (plus 1,8) und Dr. Stefan Fulst-Blei (plus 1,2). "Sie sind allerdings nicht besonders bekannt - was für die meisten Kommunalpolitiker gilt", so Jung.

Baustellen als Hauptproblem

Die konjunkturelle Stimmung hat sich in den vergangenen Monaten spürbar eingetrübt. Nur noch 24 Prozent der Befragten sagen, dass es mit der Wirtschaft in Mannheim zurzeit eher aufwärts geht, 13 Prozentpunkte weniger als noch im April. 21 Prozent meinen, dass es eher abwärts geht (plus 6). Dennoch halten rund 85 Prozent der Mannheimer ihren Arbeitsplatz für sicher, sogar drei Punkte mehr als noch im April, elf Prozent sehen ihn als gefährdet an. "Das entspricht dem allgemeinen Trend, dass die Wirtschaft zwar zukünftig etwas schwächer werden könnte, der Jobmarkt aber weiterhin sehr stabil ist", so Jung. Mit der Arbeit der Stadtverwaltung sind praktisch unverändert 72 Prozent der Befragten zufrieden, 21 Prozent sind dies nicht.

Das wichtigste Thema in der Stadt sind auch im Oktober die Baustellen. 21 Prozent nennen Verkehr, Straßenbau und Parkplätze als das größte Problem. Bildung und Schule folgt auf Rang zwei (10 Prozent), Sauberkeit, Familienpolitik, Ausländer und Integration sowie die Konversion der US-Flächen führen jeweils neun Prozent als Hauptproblem in der Stadt an. Die Verschuldung (8 Prozent), Zahl der Bürgermeister (7) und die Kriminalität (6) sind weitere Themen, die den Mannheimern auf den Nägeln brennen.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 20.10.2012

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