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Mannheimer Morgen: Schrille Töne im Sparkonzert

Veröffentlicht am 26.07.2013 in Presseecho

Musikhochschulen: In Mannheim und Trossingen wächst der Widerstand gegen die Kürzungen / Streit unter den Rektoren
Schrille Töne im Sparkonzert

Von unserem Korrespondenten Peter Reinhardt

Mannheim/Stuttgart. Innerhalb einer Woche hat die Mannheimer Musikhochschule im Internet über 12 000 Unterstützer für ihren Kampf gegen die Streichung von 300 Studienplätzen gesammelt. "Das ist nicht nur ein Elitethema", sagt der Mannheimer SPD-Abgeordnete Stefan Fulst-Blei. Auch in Trossingen, wo die Musikhochschule nach dem Vorschlag von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) 200 Studienplätze abgeben soll, formiert sich massiver Widerstand. Rektorin Elisabeth Gutjahr hält die Vorgaben für "schlicht nicht umsetzbar". Bauer will trotzdem für ihr Konzept kämpfen und kündigt einen Besuch an.

Der Mannheimer Rektor Rudolf Meister hat unter der Überschrift "Rettet die Musikhochschulen" eine Petition im Internet gestartet. Im Text plädiert er für eine gleichmäßige Einsparung bei allen fünf Musikhochschulen in Baden-Württemberg. Nach Bauers Plänen müssen Mannheim und Trossingen die Hauptlast tragen. Die Kommentare zur Petition sind schrill. "Diese politische Aktion gleicht einem Skandal", schreibt ein Gegner des Studienplatzabbaus. Ein anderer droht mit politischen Konsequenzen: "Das ist für mich Grund genug, die Grünen nicht zu wählen."

Die Mannheimer Politik hat ein paar Tage gebraucht, ehe die Proteste auf Touren kamen. In Stuttgart fragte sich mancher schon, warum die geforderten Einschnitte so gelassen aufgenommen wurden. In Stuttgart dagegen hatte die Musikhochschule schnell die Jazzszene mobilisiert, die gegen die Verlagerung der 60 Studienplätze nach Mannheim lautstark zu Felde zog. "Eine sehr rührige Szene würde dadurch ausgetrocknet", ließ sich der Jazzverband Baden-Württemberg vor den Karren der Hochschule spannen.

Widerstand wächst

"Es kann nicht sein, dass sich Stuttgart übermäßig profiliert", kritisiert Fulst-Blei. Seine Parteifreundin Helen Heberer hat eine Resolution für die SPD-Gemeinderatsfraktion ausgearbeitet. Sie erinnert an die "Mannheimer Schule", einst das Zentrum der klassischen Musik in Europa. Außerdem habe die Hochschule gerade einen Vertrag mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zur Ausbildung von Schulmusikern geschlossen. Auch Grünen-Stadtrat Mathias Meder geht auf Distanz zu Bauers Plänen: "Diese einseitige Schwächung des Hochschulstandorts ist nicht hinnehmbar."

Der CDU-Abgeordnete Georg Wacker, selbst Absolvent der Musikhochschule, fürchtet einen "Kahlschlag bei den Kernkompetenzen". Er plädiert dafür, bei Studenten aus Nicht-EU-Staaten Studiengebühren zu erheben.

In einer Erklärung erheben die Rektoren der Musikhochschulen aus Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart scharfe Vorwürfe gegen ihre Kollegen Meister und Gutjahr. Deren Sparvorschläge seien "nicht akzeptabel und nicht möglich". Die beiden hatten, ähnlich wie der Rechnungshof, für "Rasenmäherkürzungen" an allen fünf Standorten plädiert. Dies "würde den Kahlschlag in der baden-württembergischen Hochschullandschaft bedeuten", warnt der Dreierbund, der in Bauers Konzept weitgehend ungeschoren wegkommt.

Das Tischtuch scheint zerschnitten. "Die drei Kollegen schweigen unser umfangreiches Sparkonzept tot", klagt Meister. Karlsruhe zum Beispiele wolle lediglich auf einen "kleinen Orgellehrauftrag mit wenigen Stunden verzichten".

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 25.07.2013

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