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Mannheimer Morgen: Mieter wollen sichere Auskünfte

Veröffentlicht am 20.02.2012 in Presseecho

Immobilien: Nach Verkauf der LBBW-Wohnungen sieht die Politik in Mannheim keinen Grund zur Unruhe, die Betroffenen machen sich dagegen Sorgen
Mieter wollen sichere Auskünfte

Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm

Rosi Helmle sitzt an ihrem runden Esstisch und zeigt zur Stereoanlage. "Da", sagt sie, "im Radio habe ich vom Verkauf meiner Wohnung erfahren." Seit 13 Jahren wohnt die 67-Jährige im Herzogenried. Ihre Miete bezahlt sie an die LBBW - doch wie lange sie das noch tut, weiß sie nicht. Denn die Bank hat gerade beschlossen, ihre gesamten Wohnimmobilien an das Unternehmen Patrizia zu verkaufen. Rosi Helmle überlegt kurz. "Also, ich finde das schon ein starkes Stück, dass wir hier gar nichts gesagt bekommen."

Doch das ist nicht der einzige Punkt, der die Mannheimerin stört. Mehr Miete als jetzt könne sie keinesfalls zahlen. Noch mehr Sorgen macht sie sich aber darüber, ob Patrizia ihre Wohnung verkaufen könnte. Dass es für über 60-jährige Mieter ein lebenslanges Wohnrecht geben soll, das hat Rosi Helmle noch niemand gesagt. "Ich hoffe, dass die sich jetzt mal bei uns melden und uns erklären, was sie vorhaben."
"Schlag ins Gesicht"

Seit 40 Jahren wohnt Helga Enger bereits auf der Vogelstang, "ganz bewusst", wie sie sagt. Auch hier hat die LBBW einst viele Wohnungen übernommen, heute sind es in dem Stadtteil nur noch rund 100. Eine davon ist die von Helga Enger. Viel habe sie in den vergangenen Jahrzehnten investiert. Dass jetzt ein Privatinvestor alles übernimmt, findet sie nicht gut. "Wir hätten uns gewünscht, dass die Stadt mit ihrer GBG die Wohnungen übernimmt."

Der Verkauf an einen privaten Investor "ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen", das findet Gunther U. Heinrich. Der Vorsitzende des Bürgervereins Vogelstang weiß, wie oft hier Wohnungen schon den Besitzer gewechselt haben. Jetzt wieder ein neuer Besitzer, und dann auch noch ein privater Investor - "das ist doch erschreckend und unsozial". Viele Mieter hätten nun Angst, weil sie nicht wüssten, wie es weitergeht.

Auch der Mieterverein in Mannheim macht keinen Hehl daraus, dass er sich eine andere Lösung gewünscht hätte. "Ich sehe den Verkauf sehr skeptisch", sagt Gabriel Höfle, Vorsitzender des Vereins. "Das Unternehmen Patrizia hat sich zumindest in der Vergangenheit renditeorientiert gezeigt." Er bemängelt zudem, dass die vereinbarten Grenzwerte für Mieterhöhung so niedrig nicht seien, wenn sie vollständig ausgeschöpft würden. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, in den ersten fünf Jahren die Miete jährlich um maximal drei Prozent plus Inflation anzuheben. Das würde derzeit mögliche Steigerungen von rund fünf Prozent bedeuten. "Natürlich", so Höfle, "hätten wir ein Modell mit öffentlicher Beteiligung bevorzugt." Aus Mietersicht wäre zudem ein Engagement der Stadt wünschenswert gewesen. "Ich kann aber verstehen, dass sich das Rathaus zuerst um die Gebäude des US-Militärs kümmern muss."

Das Rathaus gibt sich zurückhaltend, mahnt die neuen Eigentümer nur, die Mieterrechte zu wahren. Das hat seinen Grund: Schon frühzeitig hatte die Stadtspitze signalisiert, die Wohnungen nicht selbst übernehmen zu wollen. Sie begründet das jetzt noch einmal in einer Mitteilung. In Mannheim fehle es nicht an Wohnungen, allein die städtische Gesellschaft GBG besitze fast 20 000, zudem würde durch den Abzug der US-Truppen weiterer Wohnraum frei. Und weiter heißt es, "dass sich das Konsortium mit Beteiligung der Stadt Stuttgart nicht erfolgreich durchsetzen konnte". Das klingt wie: Die haben es auch nicht geschafft.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Fulst-Blei forderte die Käufer der Wohnungen auf, sich schnell in Mannheim vorzustellen. Es gehe darum, den Mietern die Angst zu nehmen. Gleichzeitig macht er klar, dass er "keinen Grund zur Panik" sehe. In der Politik hatte es auch andere Stimmen gegeben, die SPD-Landtagsabgeordnete Helen Heberer hatte sich immer wieder für den Verkauf an ein kommunales Konsortium eingesetzt, wenn möglich mit Mannheimer Beteiligung - ohne Erfolg.

Im Herzogenried schließt ein Mieter die Haustür auf. Nein, von dem Verkauf habe er noch nichts mitbekommen, sagt er. Aber an die neuen Eigentümer hat er zwei Wünsche: keine Mieterhöhung. Und die Fassade brauche einen Anstrich.

Mannheimer Morgen
17. Februar 2012

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