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Mannheimer Morgen: Kein interner Nachfolger in Sicht

Veröffentlicht am 19.01.2010 in Presseecho

Kulturpolitik: Egbert Rühl verlässt Mannheim am 1. März, im Januar wird die Geschäftsführung der Alten Feuerwache ausgeschrieben

Kein interner Nachfolger in Sicht
Von unserem Redaktionsmitglied Jörg-Peter Klotz

"Vor zehn Jahren hätte man nicht viel Aufhebens um diese Stellenbesetzung gemacht. Da merkt man, was sich alles geändert hat." Mit dieser Bemerkung bringt Schatzkistl-Chef Peter Baltruschat die Bedeutung, aber auch die Problematik einer Personalfrage auf den Punkt, die von der selbsternannten Musikstadt Mannheim gelöst werden muss: die Nachfolge von Egbert Rühl als Geschäftsführer der Alten Feuerwache. Wie der 51-Jährige gestern auf Anfrage mitteilte, wird er voraussichtlich am 1. März nach Hamburg wechseln, um als Geschäftsführer einer städtischen Gesellschaft die Kreativwirtschaft der Hansestadt zu fördern. "Da kann es aber zu Übergangsphasen kommen", so Rühl.

Überregionale Strahlkraft
Als Rühl im Jahr 2000 in der Quadratestadt antrat, war das Kulturzentrum bestenfalls ein programmatisches Puzzlespiel, blockiert von Verteilungskämpfen verschiedener kultureller Interessengruppen. Seitdem haben der unprätentiöse, höchst effektive Netzwerker und sein Team daraus ein Veranstaltungshaus mit überregionaler Strahlkraft gemacht, das nicht nur bei Pop- und Jazz-Konzerten dank deutlich verbesserter Klang- und Lichtarchitektur eine sehr gute Figur macht. Thorsten Riehle, als Geschäftsführer des benachbarten Capitols, theoretisch in einer Konkurrenzsituation zum städtisch geförderten Kulturzentrum, singt das Hohelied auf seinen Kollegen: "Capitol und Feuerwache waren immer sinnvolle Ergänzungen und haben sich die Bälle oftmals zugespielt. Die gemeinsame Arbeit in der Initiative Alter Messplatz war fruchtbar, der Austausch mit Egbert anregend, erfrischend und kollegial." Die Feuerwache ist also bestens eingebettet. Auch in Erfolgsreihen wie Enjoy Jazz oder in die derzeit ruhende Delta Connection, gut vernetzt mit vergleichbaren Häusern der Metropolregion. Mit Projekten wie dem Literaturfest "Lesen.hören", den Figurentheatertagen "Imaginale" oder zuletzt der Kurzfilm-Reihe "Zum goldenen Hirsch" zeigt sie viel Profil, weiß aber auch die Jugend etwa mit der Brandherd-Party-Reihe gehoben zu unterhalten.

Dass die inhaltliche Komponente nur eine Seite einer solchen Leitungsfunktion ist, davon können die Etats anderer Häuser ein Klagelied singen. Rühls Haushaltsführung ist dagegen geprägt von Punktlandungen: Sein Etat von knapp 2,2 Millionen Euro (davon 638 500 Euro städtischer Zuschuss bei 555 000 Euro Personalkosten) war 2008 sogar im Plus, 2009 minimal im Minus. Die Umwandlung der Feuerwache in eine Tochtergesellschaft der Stadt (gGmbH) durch Rühl ist also eine Erfolgsgeschichte.

Die GmbH-Struktur sorgt auch dafür, dass es bei der Nochfolgeregelung anders als bei zentralen Stellenbesetzungen im Nationaltheater oder in der Kunsthalle keine Gemeinderatsentscheidungen, sondern relativ kurze Wege gibt: "Der Aufsichtsrat bestellt den Geschäftsführer unter der Leitung von Kulturbürgermeister Michael Grötsch souverän", erklärt Rühl. Das Gremium besteht ansonsten ausschließlich aus Stadträten: Neben Schatzkistl-Impresario Baltruschat (SPD) und Helen Heberer, der kulturpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, sind Nikolas Löbel, Regina Trösch (beide CDU), Ulrich Schäfer (SPD) und der Grünen-Parlamentarier Gerhard Fontagnier darin vertreten.

Einen erklärten Favoriten gibt es bisher nicht: "Es drängt sich niemand auf", sagt auch Rühl, der um eine Empfehlung gebeten wurde. Daher beschloss der Aufsichtsrat, den Posten extern auszuschreiben. Seit gestern ist die Stellenanzeige formuliert, die nach Ende der Feiertage am 9. Januar im "Mannheimer Morgen" erscheinen soll. "Wir suchen eine Persönlichkeit, die die künstlerische und kaufmännische Leitung des Hauses ausfüllen kann", fasst Bürgermeister Grötsch das Anforderungsprofil zusammen. Und ergänzt, dass es wünschenswert wäre, "die bisherige tolle Ausrichtung" weiter gewährleisten zu können.

Obwohl Rühl sich uneitel gibt ("Die Feuerwache hat viele Freiflächen in der Stadt gefüllt, davon ist natürlich nichts in Stein gemeißelt"), werden Bestandswahrung und die Frage nach der Einbettung seines Nachfolgers in die bestehenden Netzwerke zentral sein. Ein weiterer Punkt, der klar macht, wie groß die Fußstapfen sind, die Egbert Rühl in Mannheim hinterlässt.

Mannheimer Morgen
23. Dezember 2009

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