Zufallsfoto

Mannheimer Morgen: Grün-Rot vor Kehrtwende

Veröffentlicht am 20.06.2011 in Presseecho

Grundbuchämter: Baden-Württembergs Justizminister will mehr Standorte erhalten / Region Rhein-Neckar als Nutznießer
Grün-Rot vor Kehrtwende

Von unserem Korrespondenten Peter Reinhardt

Stuttgart. Der neue baden-württembergische Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) will mehr Grundbuchämter erhalten als von der Vorgängerregierung beschlossen. Das Ministerium erarbeite eine "maßvolle Korrektur des bisherigen Standortkonzepts", erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Es gehe um die "Einrichtung weniger zusätzlicher Standorte". Konkreter wird der Weinheimer Grünen-Abgeordnete Ulrich Sckerl: "Nach der Lebenswirklichkeit muss es in der Region Rhein-Neckar auch in Zukunft ein Grundbuchamt geben." Seine Mannheimer SPD-Kollegin Helen Heberer geht "mit allergrößter Sicherheit" davon aus, dass der Standort Mannheim bleibt.

Grüne und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag auf eine Überprüfung der laufenden Reform des Grundbuchwesens verständigt. "Offensichtliche Fehlentwicklungen sollen im Interesse der Beschäftigten korrigiert werden", sagt die Sprecherin. 2008 hatte die schwarz-gelbe Regierung beschlossen, die 673 Grundbuchämter bei elf Amtsgerichten zusammenzufassen. Stickelbergers FDP-Vorgänger Ulrich Goll rechnete vor, die Zahl der 1300 Mitarbeiter ließe sich halbieren.
Standort Tauberbischofsheim

Die schärfste Kritik an dieser Konzeption kam aus der Region Rhein-Neckar. Denn für die Bürger dort sollte nach einer Übergangszeit spätestens 2017 das Amtsgericht Tauberbischofsheim zuständig werden. Als "administrative Katastrophe" geißelte Helen Heberer den Plan. 40 Mitarbeiter in Mannheim und 27 in Heidelberg müssten 280 Kilometer zum neuen Dienstsitz pendeln. Selbst der CDU-Bundestagsabgeordnete Egon Jüttner ging auf Distanz zu seinen Stuttgarter Parteifreunden: "Das ist nicht bürgernah."

Einige Merkwürdigkeiten weist das Konzept tatsächlich auf. Das Amtsgericht Tauberbischofsheim wird nach dem schwarz-gelben Gesetz für alle Grundbücher in den Landgerichtsbezirken Mannheim, Heidelberg und Mosbach zuständig. Das Amtsgericht Heilbronn müsste sich mit den Büchern des Landgerichtsbezirks Heilbronn begnügen.

Am Standort Tauberbischofsheim will Grünen-Justizexperte Sckerl aber nicht rütteln. Nur das Zuständigkeitsgebiet werde kleiner. Auch im Justizministerium stellt man den "Beitrag des Standortkonzepts zur Stärkung des ländlichen Raums" nicht infrage.

Eine Garantie hat Stickelberger dagegen dem geplanten Zentralarchiv für alle Grundbücher auf dem Gelände der ehemaligen Schuhfabrik Salamander in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) abgegeben. "An dem Konzept der zentralen Aktenlagerung halten wir fest", betonte der SPD-Politiker. Derzeit wird das Gebäude saniert, um die teils über 100 Jahre alten Grundbücher auf Regalen mit 182 Kilometern Länge einbruchsicher und klimatisiert unterzubringen. Der Bezug ist für 2012 geplant.

Schon seit mehr als zehn Jahren läuft die Digitalisierung der Grundbücher. Nach Abschluss der elektronischen Erfassung können an kommunalen Einsichtsstellen die Akten eingesehen werden.

Stickelberger nimmt auch andere Reformen seines FDP-Vorgängers unter die Lupe. "Im Zweifel pro Sicherheit", begründet der SPD-Mann die Kehrtwende bei der Privatisierung von staatlichen Aufgaben. "Zum frühest möglichen Zeitpunkt" will er deshalb die Verträge mit der Bewachungsfirma Kötter kündigen, die in der Justizvollzugsanstalt Offenburg für die Verwaltung, Wäscherei, Küche und Reinigung zuständig ist. Der Dienstleister stellt etwa 100 der 250 Beschäftigten. Auch die Übertragung der Bewährungshilfe an den privaten Anbieter "Neustart" kommt auf Stickelbergs Prüfstand. In beiden Fällen laufen die Verträge aber noch mehrere Jahre.

Mannheimer Morgen
17. Juni 2011

Homepage Helen Heberer | Politik muss menschlich sein.

Termine Gengenbach

hier finden sich die nächsten Termine in des Ortsvereins Gengenbach. Eine Übersicht aller Termine der umliegenden Ortsvereine findet sich unter Termine.

Der Rote Ortenauer

(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)

Rotes aus der Ortenau

findet sich unter https://www.roter-ortenauer.de

Banner

Jetzt Mitglied werden Online spenden

WebSozis

03.07.2026 18:19 Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv
Zum aktuellen Reformpaket der Bundesregierung warnt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD vor negativen Folgen. „Der von der Union durchgesetzte Punkt der Koalitionsausschusseinigung, dass künftig bereits ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung eingeholt werden muss, ist völlig abenteuerlich“, erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Boris Velter. „Wenn nun… Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen – Abenteuerliches Vorhaben: Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ist nicht zielführend und kontraproduktiv weiterlesen

23.06.2026 19:06 Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission
Reform muss zu spürbaren Verbesserungen gegenüber dem Status quo führen Der Abschlussbericht der Rentenkommission ist eine gute Grundlage für eine umfassende Reform, die wir jetzt gründlich beraten und dann auf den Weg bringen wollen. „Die Kommission hatte die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ihren Lebensstandard im Alter sichern… Dagmar Schmidt zu den Empfehlungen der Rentenkommission weiterlesen

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de