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Mannheimer Morgen: Gefahr für andere Projekte?

Veröffentlicht am 08.10.2010 in Presseecho

Neckarstadt: Bürger und Parteien streiten über Stuttgart 21 / FDP als einzige Befürworterin auf dem Podium

Gefahr für andere Projekte?
Von unserem Mitarbeiter Felix Kretz

Das politische Beben um das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21 (S21) und die damit verbundenen Bedenken und Proteste in der Bevölkerung sind auch in Mannheim spürbar. Zahlreiche Interessenten sowie Parteienvertreter mit Ausnahme der CDU kamen dazu am Montagabend im Jugendkulturzentrum FORUM an der Neckarpromenade zusammen, nicht nur um Stellung zum Thema "S21: Zukunftsprojekt oder Milliardengrab?" zu beziehen.

Vielmehr ging es auch um die Frage, ob mit dem Umbau des Stuttgarter Kopfbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation an anderer Stelle Gelder für lokale Projekte fehlen, so etwa für den Ausbau des Mannheimer Hauptbahnhofs und der Trasse Mannheim-Frankfurt. Organisiert wurde die Podiumsdiskussion vom Revolutionär Sozialistischen Bund (RSB) um Wolfgang Alles, der zusammen mit Karlheinz Paskuda vom FORUM die Moderation übernahm. Wie Alles zu Beginn inbrünstig betonte, hätten die aktuellen Demonstrationen Stuttgart 21 "fantasievoll, demokratisch und sehr begründet infrage gestellt". Entsprechend werde der Widerstand so lange anhalten, "bis dieses Projekt gekippt ist", so der RSB-Repräsentant.

Im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen sprachen auch IG-Metall Betriebsrat Klaus Peter Löwen und Roland Schuster (Linkspartei) von "Un- und Widersinn". Grünen-Politiker Wolfgang Raufelder bezeichnete Stuttgart 21 als "falschen Gigantismus" und mahnte vor allem an, dass mit dem Vorhaben in der Landeshauptstadt wichtige Investitionen im öffentlichen Personennahverkehr "dem Rotstift zum Opfer fallen". Ebenso verwies die Mannheimer Landtagsabgeordnete Helen Heberer (SPD) neben Kostenexplosion und ökologischen Problemen auf eine "deutliche Schwächung unseres Verkehrsknotenpunktes" im Hinblick auf Mannheim. Die Debatte müsse jetzt von Fachleuten und nicht von Politikern weitergeführt werden.

Eine Pro-Stimme
Angesichts dieser Contra-Stimmen hatte es FDP-Landtagskandidat Florian Kußmann als einziger S21-Befürworter schwer, positive Aspekte an den Mann zu bringen. Kußmann hält das Bahnprojekt für modern, ökologisch und sinnvoll. Kritisch zu beurteilen sei dagegen die mangelnde Ausarbeitung des Gegenkonzepts "K21", also die Beibehaltung und den Ausbau des noch bestehenden Kopfbahnhofs in Stuttgart als Alternative. Mit seinem Fazit, die Region brauche Stuttgart 21, "koste es, was es wolle", zog der FDP-Politiker den überwiegenden Missmut der Mitdiskutanten im Publikum auf sich.

Womöglich wäre die FDP nicht so sehr ins Kreuzfeuer geraten, wenn sich auch die CDU an der Podiumsdiskussion beteiligt und Pro-Stuttgart-21 Stellung bezogen hätte. Auf Nachfrage des "MM" bekundete der CDU-Kreisvorsitzende Claudius Kranz, man habe sich aufgrund anderer Termine und der Tatsache, dass es sich mit dem RSB beim Veranstalter mithin um eine "kommunistische Gruppe" handele, nicht an der Diskussion beteiligen können.

Mannheimer Morgen
29. September 2010

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