Umweltminister Franz Untersteller hat heute (17.10.) in Mannheim Bürgermeisterin Felicitas Kubala einen Förderbescheid des Landes über 1,4 Millionen Euro überreicht.
„Ich freue mich über die Förderung durch das Land. Die 1,4 Millionen Euro Landesgelder sind gut angelegt für die Umweltinfrastruktur unserer Stadt“, sagt Dr. Stefan Fulst-Blei Landtagsabgeordneter aus Mannheim.
Damit kann die Stadt die bereits im kleineren Maßstab vorhandene Anlage zur Elimination von Spurenstoffen für insgesamt rund sieben Millionen Euro auf die gesamte Kläranlage erweitern. „Das Klärwerk in Mannheim war die erste Anlage in Deutschland, die Spurenstoffe im großtechnischen Maßstab beseitigt hat“, betonte Minister Untersteller. Die Stadt habe daher einen großen Anteil daran, dass das Land in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einnehme.
Die Elimination von organischen Spurenstoffen wie Arzneimitteln, Bioziden oder Flammschutzmitteln aus dem Abwasser mittels sogenannter „vierter Reinigungsstufe“ stelle einen wichtigen Baustein der Spurenstoffstrategie des Landes dar, erklärte Franz Untersteller weiter. „Gerade an einem so bedeutenden Fluss wie dem Rhein ist es daher wichtig, dass jemand vorangeht und zeigt, dass eine neue Technik zur Verbesserung der Gewässerqualität auch in der drittgrößten Kläranlage im Land im Alltagsbetrieb tatsächlich funktioniert“, so der Minister.
Allerdings haben auch technische Lösungen ihre Grenzen, betonte Umweltminister Untersteller. „Es geht nicht nur darum, wie wir die unerwünschten Stoffe wieder aus unserem Wasser herausbekommen, sondern wir müssen uns auch kritisch fragen, was wir tun können, damit sie erst gar nicht dort hineingelangen.“ So könne zum Beispiel jeder Einzelne einen wichtigen Beitrag zur Reinhaltung der Gewässer leisten, wenn er abgelaufene Arzneimittel und nicht aufgebrauchte Tabletten, Salben oder Säfte nicht in die Toilette oder den Ausguss kippen, sondern über den Restmüll entsorgen würde.
Ergänzende Informationen:
Zum Klärwerk Mannheim
Die Stadt Mannheim betreibt seit Oktober 1973 ein zentrales vollbiologisches Klärwerk im Norden des Stadtgebietes. Im Jahr 2010 wurde eine großtechnische Pilotanlage zur Spurenstoffelimination mittels Pulveraktivkohle in Betrieb genommen. Dazu wurde eine von fünf bestehenden, parallelen „Reinigungsstraßen“ aufgerüstet. So kann ein komplett abgetrennter Teilstrom von maximal 300 l/s „adsorptiv“ behandelt werden. Hierzu werden die Betriebsstoffe Pulveraktivkohle, Fällmittel und Flockungshilfsmittel in das mit Rührwerken ausgestattete Kontaktbecken eingemischt. Im nachfolgenden Sedimentationsbecken wird der Kohleschlamm vom gereinigten Abwasser getrennt und als Rücklaufkohle zur Mehrfachverwendung in das Kontaktbecken zurückgeführt. Das behandelte Abwasser wird nach einer Sedimentationsstufe über die Filtration geleitet. Mit dieser Verfahrensweise konnte deutschlandweit zum ersten Mal großtechnisch diese neue Verfahrensstufe zur gezielten Spurenstoffelimination auf Praxistauglichkeit untersucht werden.
Nunmehr werden die vier restlichen Reinigungsstraßen mit entsprechender Maschinen- und Elektrotechnik ausgestattet und die Aktivkohlestufe hiermit auf den gesamten Trockenwetterzufluss von 1.500 l/s ausgebaut. Vorhandene, nicht mehr benötigte Regenüberlaufbecken werden umfunktioniert sowie ein neues Betriebsgebäude und ein Aktivkohlesilo errichtet.
Die Kläranlage in Mannheim ist auf 725.000 Einwohner ausgelegt und damit eine der größten Kläranlagen in Baden-Württemberg.
Zur Spurenstoffstrategie des Landes
Das Land Baden-Württemberg fördert weitergehende Reinigungsstufen bei kommunalen Kläranlagen zur Elimination von Spurenstoffen an lokalen Belastungsschwerpunkten oder bei besonderer Schutzwürdigkeit des Gewässers, zum Beispiel aufgrund der Trinkwassernutzung.
Informationen zur Belastung der baden-württembergischen Gewässer mit anthropogenen Spurenstoffen auch im Spurenstoffbericht Baden-Württemberg 2012 unter www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/104598/.


