Verheerender Richter Schwarzwälder,
galliger Ankläger,
golliger Angeklagter,
geliebtes närrisches Volk zu Konstanz!
Herr Ankläger, mit diesem Goll
Macht Ihr das Maß echt übervoll!
Letztes Jahr zwingt Ihr mich,
mich, einen echten Roten,
einen wahren Jakobiner,
blaublütiges Hochadelspack zu verteidigen.
Und dieses Jahr? Einen FDP-Mann. Den Goll!
Wie tief sollen wir Jakobiner noch sinken?
Wenn das so weiter geht,
muss ich nächstes Jahr noch Horst Frank verteidigen, oder was?
Himmelfahrtskommandos für aussichtslose Fälle!
Nennt mir einen guten Grund,
zu verteidigen diesen Haderlump?
Hat irgendwer e’ Idee,
warum ich hier für den da fleh?
Kann mir irgendeiner sagen,
warum soll ich mich für den da plagen?
Ging’s nach mir, aber sofort,
ab mit dem Kerl auf das Schafott.
Aber mir hont ja keins! Und zum Spaß sint mir au it hier!
Also - es gibt nur einen Grund, ihn zu verteidigen:
Freiherrlich nach Karl-Theodor zu Guttenberg:
Er ist zwar nicht unschuldig, aber selbst dafür kann er nix!
Er hat zwar mit Absicht gehandelt,
aber nicht bei vollem Bewusstsein.
Er ist quasi Dr. Goll und Mr. G’scheit.
Auf gut deutsch: Die Taten des Politikers sind der Person Goll nicht zuzurechnen.
Wie bei vielen Schlawinern dieser Art, kam er schon früh ab vom rechten Weg. Aber nicht aus eigenem Antrieb, er war ein Opfer der Umstände:
Wie ich in seinem Lebenslauf lesen kann,
war er beim Landkreis Bodensee – also am andern Ufer – im Amt für Recht und Ordnung.
Recht und Ordnung!
Am andern Seeufer!
Bei de Häfler!
Des kann jeder verzeihen Herr Goll,
dass man nach dieser Erfahrung
den Glauben an Recht und Ordnung verliert.
Nach diesem Realitätsschock war es doch kein Wunder, dass er sich den wahren Anarchisten an den Hals geworfen hat – also der FDP.
Gibt es eine andere Partei, die den Staat so sehr bekämpft?
Einem echten Liberalen,
bereitet der Staat als solches Qualen.
Selbst als Teil der Bürokratie,
verbreitet der Goll nur Anarchie!
An der Spitze der Justiz,
steht bei uns ein Anarchist.
Als Jakobiner muss ich ihn dafür loben,
er verbreitet das Chaos von oben!
Und Mettler...
Und Mettler, der Vorwurf der Protzerei geht ins Leere.
Es ist gar kein Luxuslotterleben, das mein Mandat da führt,
sondern: vorausschauende Nächstenliebe:
Er will, dass es allen Menschen gut geht.
Und damit er weiß, wie das ist, probiert es an sich schon mal aus.
In Wahrheit aber, geht es um etwas ganz anderes:
Es geht um die Selbstbehauptung des Mannes!
All die Sachen:
- der Ferrari.
- die Harley Davidson.
- die fünf Kinder, die er hat.
- die Modelleisenbahn.
- ja, sogar die Pistole.
Des macht der doch alles nur, um als echter Mann zu gelten!
Ja! Was würdet Ihr denn machen, wenn Ihr in einer Partei wärt, von der man sagt: „Birgit Homburger ist ihr bester Mann.“?
Also meine Herren Jakobiner, liebe närrische Geschlechtsgenossen: kann man ihm bei heutigen Geschlechterkampf solches Imponiergehaben ernsthaft vorwerfen?
Und diese Versuche, als besonders männlicher Mann zu gelten, haben ihm ja zurecht den Ruf eines „Paradiesvogels“ eingebracht.
Aber wenn ich hier in die Runde schaue: da gäb’s e ganze Reihe vu Vögel ussem Paradies, die vor ihm auf’d Guillotine g’höre. Gell, Mettler?
Dass Ihr Mettler...
Dass Ihr Mettler, um Eure dünne Wehklage auf zu peppen, die akademischen Würden von Prof. Dr. Ulrich Goll (MdL) in Zweifel zieht, ist nun wirklich ein starkes Stück.
Erstens: als mein Mandant an der Konstanzer Uni promoviert hat, hat man sich noch mit Asbest gegen den Kulturschock isoliert, wenn man in diese Stadt gekommen ist.
Zum Zweiten: Zu den Zeiten wo Goll promoviert hat, mit Federkiel und Tuschekasten, war Abschreiben noch anstrengender als selber Ausdenken.
Also die Anwürfe sind nichts und nichtig,
der Ankläger macht sich nur selber wichtig.
Zudem gibt es einen mildernden Umstand:
Durch sein extrovertiertes Wesen bringt Goll unserer provinzlerischen Landesregierung wenigstens ein bisschen internationalen Charme.
Wo sonst gibt es bewaffnete Ferrarifahrer als Justizminister? Doch nur in so aufstrebenden Ländern wie Mexiko oder Guatemala.
Ich fasse zusammen:
Aufgrund schweren politischen Gelbfiebers leidet mein Mandat an einer tiefen Persönlichkeitsspaltung. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, Unvermögen dagegen schon.
Er kämpft stellvertretend für uns Männer den aussichtslosen Kampf gegen das stärkere Geschlecht, wenn auch mit den falschen Waffen.
Und er mildert seine eigenen Umstände.
Daher fordere ich einen Freispruch.
Als Zeichen...
Als Zeichen, dass er seine Provokationen gleichwohl bereut,
biete ich dem Tribunal aber an,
dass er - statt dem Päpstlein - die Säule in der Tourist-Info erklimmt und dauerhaft besetzt.
Als Mahnmal und Säulenheiliger eines zu kurz gekommen Liberalismus.
Schlimmstenfalls wird er dann von der Koalition der unheiligen Scheinheiligen auch nach Österreich abgeschoben.
Und dort gilt dann Entschädigung vor Rückgabe.
Jakobiner, hört auf meine Worte,
schafft ihn fort statt auf die Garotte.
Lasst ihn leben diesen Mann,
wer weiß, wozu man ihn noch brauchen kann.
Statt in Stuttgart den Bahnhof tiefer zu legen,
wir ihn hier auf die Säule heben.
Als Grüßaugust in der Mobilitätszentrale,
hier sitzt der letzte Liberale.
Liberté, Egalité, Beaujolais!
Ho Narro!