Zufallsfoto

Heilbronn bekommt einen Willy-Brandt-Platz

Veröffentlicht am 19.12.2013 in Wahlkreis

Auf Vorschlag der SPD- Fraktion im Heilbronner Gemeinderat und nach einem einstimmigen Beschluss des Gremiums wurde gestern der Heilbronner Bahnhofsvorplatz in Willy-Brandt-Platz umbenannt. Damit ehrten die Heilbronnerinnen und Heilbronner den vierten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und Friedensnobelpreisträger, der just an diesem Tag seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach erinnerte in seiner Rede an die vielen Gelegenheiten, bei denen Willy Brandt Heilbronn besuchte. Ein Zeugnis dieser Besuche ist der Berliner Bär, der eigentlich auf dem Berliner Platz neben dem Theater steht und nach dem Ende der Stadtbahnbauarbeiten auch wieder dorthin zurück kehrt.

Reinhold Gall erinnerte in seiner Rede an die politische Lebensleistung Brandts und nannte ihn "einen Kanzler der Herzen, Vordenker, Versöhner, aber auch pragmatisch im Handeln". Der Innenminister bekannte, am Tag des Misstrauensvotums gegen Brandt im Jahr 1972 die Schule geschwänzt zu haben, um den Ausgang live am Radio zu verfolgen.

Nach den Reden enthüllten Oberbürgermeister, Innenminister und Sibylle Mösse-Hagen die Straßenschilder. "Das ist ein großer Moment. Für die Stadt und für mich ganz persönlich", bekannte die SPD-Fraktionsvorsitzende, die seinerzeit wegen Willy Brandt in die SPD eingetreten ist.

Umbenennung Bahnhofsvorplatz in Willy-Brandt-Platz
Rede von Innenminister Reinhold Gall MdL

18.12.2013, 16 Uhr
es gilt das gesprochene Wort

Einleitung
Zu Beginn dieses Jahres hat das Meinungsforschungsinstitut Allensbach eine Umfrage zu den Vorbildern der Deutschen gemacht. Dabei landete Willy Brandt auf Platz 7 – in guter Gesellschaft mit Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Mutter Theresa und dem Dalai Lama.

Würde man die Anzahl der nach den jeweiligen Personen benannten Plätze ermitteln, würde Willy Brandt vermutlich noch weiter vorne landen. In beinahe jeder größeren deutschen Stadt - aber auch im Ausland, z.B. in Warschau - gibt es Plätze, die nach dem einzigen deutschen Friedensnobelpreisträger der Nachkriegszeit benannt sind.

Die Stadt Heilbronn schließt also eine Lücke im Straßenkataster, wenn sie heute den Bahnhofsvorplatz in Willy-Brandt-Platz umbenennt. Ich bin der SPD-Gemeinderatsfraktion und ihrer Vorsitzenden Sibylle Mösse-Hagen dankbar für diesen Vorschlag und auch für den wunderbaren Zeitpunkt.
Willy Brandt wäre heute 100 Jahre alt geworden. Welcher Tag würde sich besser für diesen Festakt eignen als dieser?

Warum ist Willy Brandt so beliebt?
Willy Brandt genießt auch 39 Jahre nach dem Ende seiner Kanzlerschaft und 21 Jahre nach seinem Tod in allen Generationen –auch bei denen, die ihn nie persönlich erlebt haben – eine hohe Popularität. Das kommt nicht von ungefähr.

Willy Brandt war ein großer Staatsmann, ein echtes Vorbild und eine beeindruckende Persönlichkeit. Er war Versöhner, Visionär und Vordenker, aber er war auch pragmatisch im Handeln. Er war einer, der die Herzen der Menschen erreichte. Übrigens nicht nur die der Frauen. Auch mein Herz hat Willy Brandt erreicht. Als er sich 1972 im Bundestag einem Misstrauensvotum stellen musste, schwänzte ich die Schule, um den Ausgang live im Radio zu verfolgen.

Willy Brandt als Kanzler der Herzen
Willy Brandt war ein Kanzler der Herzen. Mit seiner charismatischen und gewinnenden Art steht er in einer Reihe mit Persönlichkeiten wie John F. Kennedy, Papst Johannes Paul II oder Nelson Mandela. Der Einsatz für seine Ziele wirkte nie aufgesetzt, sein Handeln war immer von hoher Glaubwürdigkeit geprägt.

Er begeisterte die Menschen. Als Regierender Bürgermeister von Berlin zu Hochzeiten des Kalten Krieges. Als vierter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland in einer Zeit, die wie kaum eine andere von gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt war. Als bekennender Internationalist, für den Solidarität niemals an den Grenzen Deutschlands endete. Wenn ich heute daran denke, wie Willy Brandt vor Tausenden von Menschen spricht und „Willy, Willy“-Rufe durchs Land hallen, bekomme ich noch immer eine Gänsehaut.

Aber die Menschen kamen nicht nur, um Willy Brandt zuzuhören. Sie kamen, weil sie Hoffnungen in ihn setzten und weil sie zuversichtlich waren, dass er diese auch erfüllen würde. Und sie bekannten sich zu Willy Brandt. Bei der Bundestagswahl 1972 holte die SPD mit 45,8 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Die Werbung für ihren Parteivorsitzenden und Kanzler - das prägnante „Willy wählen“ - wurde zum geflügelten Wort, die orangefarbenen Buttons zierten eine Vielzahl von Kragen im ganzen Land.

Willy Brandt als Vordenker
Willy Brandt war Vordenker und Visionär – Eigenschaften, die wir in der schnelllebigen Tagespolitik manchmal vermissen. Ohne seinen Glauben an das, was viele Zeitgenossen als Utopie, Träumerei oder gar Spinnerei abtaten, wäre manche gesellschaftliche Entwicklung weitaus später eingetreten oder möglicherweise ganz ausgeblieben.

Einer der letzten Auftritte von Willy Brandt - knapp vier Wochen vor seinem Tod am 08. Oktober 1992 - war ein Grußwort an den Kongress der Sozialistischen Internationalen in Berlin. Willy Brandt gab den Delegierten aus aller Welt einen Satz mit auf den Weg, der - wie ich finde - von zeitloser Gültigkeit ist:
„Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

Willy Brandt gab Antworten auf die Herausforderungen seiner Zeit. Drei davon will ich nennen:

Die Ostpolitik Willy Brandts, die er gegen spürbare Widerstände weiter verfolgte und letztlich durchsetzte. Dass damit die Grundlage zur Entspannungspolitik und letzten Endes zum Fall der Mauer und zur Wiedervereinigung Deutschlands gelegt wurde, ist unumstritten. Ich freue mich sehr, dass Willy Brandt diese Frucht seines Wirkens noch erleben durfte…

Was viele nicht wissen: Willy Brandt war einer der ersten Umweltpolitiker des Landes. Wer unlängst das Ruhrgebiet besucht hat, der weiß, dass versmogte Städte und tote Fische in Ruhr und Emscher der Vergangenheit angehören. Ein Blick von oben "auf den Pott" zeigt erstaunlich viel Grün. Wir wissen nicht, ob Willy Brandt dies für möglich hielt, als er 1961 in seinem ersten Kanzlerwahlkampf die Worte „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden“ plakatierte. Dass er sehr zufrieden wäre, wenn er das Ruhrgebiet von heute kennen würde, davon können wir ausgehen.

Und nicht zuletzt die berühmten Worte aus seiner ersten Regierungserklärung als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland im Oktober 1969. „Wir wollen mehr Demokratie wagen“. Eine Aufgabe, an der wir heute noch arbeiten. Die Einführung des kommunalen Wahlrechts für Sechzehnjährige in Baden-Württemberg ist ein Beispiel für mehr Demokratie. Ebenso die Leitlinien zur Bürgerbeteiligung, die zurzeit in Heilbronn erarbeitet werden. Übrigens auch der SPD-Mitgliederentscheid zum Koalitionsvertrag, an dem sich über 70 Prozent der Genossinnen und Genossen beteiligten. Willy Brandt wäre stolz auf seine Partei gewesen.

Willy Brandt als Versöhner
Was die Aura von Willy Brandt auch ausmacht, ist die Bereitschaft zur Versöhnung. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Angefangen bei seinem Heimatland Deutschland, aus dem er im Jahr 1938 ausgebürgert wurde und in das er nach Ende der Naziherrschaft zurück kehrte, um es wieder aufzubauen.

Zum universellen Symbol der Versöhnung wurde sein Kniefall am 07. Dezember 1970 am Ehrenmal der Helden des Ghettos in Warschau - unmittelbar vor der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland. Der SPIEGEL-Journalist Hermann Schreiber hat diese Geste damals in Worte gefasst, denen nichts hinzuzufügen ist:

„Dann kniet er, der das nicht nötig hat, da für alle, die es nötig haben, aber nicht da knien – weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können. Dann bekennt er sich zu einer Schuld, an der er selber nicht zu tragen hat, und bittet um eine Vergebung, derer er selber nicht bedarf. Dann kniet er da für Deutschland.“


Willy Brandt als Pragmatiker

Neben all den eben genannten Begabungen verfügte Willy Brandt auch über eine Eigenschaft, die Vordenker, Visionäre und Charismatiker nicht immer ihr Eigen nennen. Willy Brandt war, wenn es darauf ankam, außerordentlich pragmatisch. Und so schließt sich der Kreis zum heutigen Tag, denn wenn es eine Eigenschaft gibt, die ich der Kommunalpolitik mehr als allen anderen politischen Ebenen zuschreibe, dann ist es ein positiver und an der Sache orientierter Pragmatismus.

Schluss
Liebe Heilbronnerinnen, liebe Heilbronner,
in wenigen Minuten enthüllen wir die beiden Schilder, die künftig auf den Willy-Brandt-Platz hinweisen. Was bereits funktioniert ist die Ansage in der Stadtbahn und in den Bussen. Dort steigen die Menschen schon seit einigen Tagen am Willy-Brandt-Platz ein oder aus. Ich würde mir wünschen, dass diese Ansage die Menschen künftig dazu einlädt, darüber nachzudenken, wie wir auch in der heutigen Zeit das Vermächtnis Willy Brandts nutzen können, um unsere Welt ein bisschen besser zu machen. Das Verbessern der Welt hat zu Zeiten Willy Brandts im Kleinen angefangen und das ist auch heute noch so.

Mit dem Willy-Brand-Platz hat die „sozialdemokratische Achse“ dieser Stadt (Willy-Brandt-Platz – Kurt-Schumacher-Platz, Friedrich-Ebert-Brücke) nun einen würdigen Endpunkt erhalten – man könnte auch in Abwandlung eines der wohl bekanntesten Zitate Willy Brandts sagen: Hier ist zusammen gewachsen, was zusammen gehört.

In diesem Sinne möchte ich meine Rede beenden und darf Ihnen und Ihren Familien noch besinnliche Weihnachtstage und alles Gute fürs neue Jahr 2014 wünschen.

Homepage Reinhold Gall MdL

Termine Gengenbach

hier finden sich die nächsten Termine in des Ortsvereins Gengenbach. Eine Übersicht aller Termine der umliegenden Ortsvereine findet sich unter Termine.

Der Rote Ortenauer

(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)

Rotes aus der Ortenau

findet sich unter https://www.roter-ortenauer.de

Banner

Jetzt Mitglied werden Online spenden

WebSozis

12.10.2026 17:43 Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas
Ich danke Bärbel Bas von Herzen für ihren Einsatz, ihre Haltung und ihr Engagement. Wir kämpfen weiter gemeinsam für die soziale Demokratie. „Bärbel Bas hat heute Morgen ihren Rücktritt von Partei- und Ministeramt erklärt. Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere. Als Ministerin und Vorsitzende… Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas weiterlesen

09.10.2026 17:40 Wichtiges Signal für den Wohnungsbau
Die Fortführung und Aufstockung des EH55 Programms bis zum Jahresende ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft. Nun sollten die neuen Fördermöglichkeiten konsequent genutzt werden, um den dringend benötigten Neubau anzukurbeln. „Die Aufstockung der Förderung für den Neubau im Effizienzhausstandard 55 Plus und die Fortführung des Programms bis zum Jahresende sind ein wichtiges Signal für… Wichtiges Signal für den Wohnungsbau weiterlesen

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de