Zufallsfoto

Grußwort beim Festakt "150 Jahre Hohenlohebahn"

Veröffentlicht am 16.04.2012 in Wahlkreis

Früher hat es auf den Schienen im Land ordentliche gedampft! (Quelle: photocase.com // Mikromaus)

„Eine Fahrt mit der Eisenbahn kann ich beim besten Willen nicht als Reise bezeichnen. Man wird ja lediglich von einem Ort zum anderen befördert und unterscheidet sich damit nur sehr wenig von einem Paket.“

Diese doch eher nüchterne Einschätzung des englischen Schriftstellers John Ruskin steht in krassem Gegensatz zur Faszination, die die Eisenbahn seit ihrer Entstehung zu Anfang des 19. Jahrhunderts auf uns Menschen ausübt. Männer, Frauen, Alte, Junge, Reisende und Zuschauende: seit jeher zieht die Eisenbahn interessierte, begeisterte und sehnsüchtige Blicke auf sich. In der Anfangszeit des schienengebundenen Verkehrs waren es die mächtigen Dampfloks, die mit schwerem Schnaufen, dunklen Rauchwolken und großem Getöse an den Dörfern und Städtchen des 19. Jahrhunderts vorbeizogen und bei den Menschen, für die Mobilität beileibe keine Selbstverständlichkeit war, eine Sehnsucht nach Ferne und Abenteuer hinterließen. Heute sind es die pfeilschnellen Hochgeschwindigkeitszüge, die uns mit ihrer Technik und ihrem Aussehen faszinieren und die unkompliziert, umweltfreundlich und immer schneller die großen Städte einzelner Länder aber auch ganzer Kontinente miteinander verbinden.

Die Entwicklung eines vernetzten, Massen-kompatiblen Verkehrsmittels und die damit einhergehende drastische Verkürzung der Transport- und Reisezeit von Gütern und Menschen war auch die Antriebsfeder für die Entstehung der Eisenbahn vor rund 200 Jahren. Beginnend in Nordamerika und England breitete sich der Siegeszug der Schiene rasch aus und erreichte Mitte der 1850er Jahre die heutige Region Heilbronn-Franken, wo sich am 04. August 1862 der erste Zug der Hohenlohebahn – betrieben und gebaut von der Königlich Württembergische Staatsbahn - auf die Strecke zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall, später bis nach Crailsheim machte.

Dass die Jungfernfahrt der Hohenlohebahn in die Blütezeit des Schienenverkehrs fällt, erkennt man schon daran, dass im selben Jahr weltweit wichtige Bahnprojekte in Angriff oder in Betrieb genommen werden. So geht unter anderem auf der Strecke Hamar–Grundset in Norwegen die weltweit erste Schmalspurbahn an den Start und im Osten Europas wird das letzte Teilstück der sich seit 1851 im Bau befindlichen Petersburg-Warschauer Eisenbahn fertiggestellt. Der US-amerikanische Kongress gründet die US Military Railroad mit dem Ziel, den Westen der USA zu erschließen. Und in Genf wird mit der so genannten Rösslitram die erste Pferdestra0enbahn der Schweiz in Betrieb genommen.

Wie überall wirkte die Bahn auch im Deutschen Bund als Katalysator der Industriealisierung, da sie einerseits die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Entwicklung der Schwerindustrie schuf, andererseits selbst eine gewaltige Nachfrage nach Eisen, Stahl und Maschinen erzeugte. Darüber hinaus versetzte sie Arbeiter erstmals in die Lage, ohne individuellen Aufwand mobil zu sein und brachte somit die erste Generation der Berufspendler hervor. Auch für den modernen Brücken- und Tunnelbau war die Eisenbahn Wegebreiter. Um Bahnstrecken in bergigen Regionen zu verwirklichen, liefen die Ingenieure und Architekten bereits in der Anfangszeit der Eisenbahn zu Höchstform auf. Die Bahn kann also gut und gerne als Triebfeder der Industrialisierung, der technischen Entwicklung, des modernen Wegebaus und der Massenmobilität bezeichnet werden.
Vergleicht man die Bahn von heute mit der der Entstehungszeit, so hat sie in Sachen Schnelligkeit, Netzdichte und Komfort selbstverständlich eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht. Manche Dinge scheinen heute noch ähnliche Probleme zu verursachen wie vor 150 Jahren. So ist aus dem Startjahr der Hohenlohebahn über den Öhringer Bahnhof überliefert, dass der Andrang der Fahrgäste oft so gewaltig war, dass der kleine Wartesaal diese nicht aufnehmen konnte, so dass diese gezwungen waren, - ich zitiere - „sich auf der Collonade oder ganz im Freien aller Witterung preiszugeben”. Solche Klagen höre ich heute in ähnlicher Form noch über Stadtbahnhaltestellen oder kleinere Bahnhaltepunkte - manche Dinge ändern sich eben nie.

Was sich in den vergangenen 150 Jahren auf jeden Fall verändert hat, ist die Bedeutung von Bahnstrecken, die wie der Hohenlohebahn den ländlichen Raum erschließen. Waren diese Schienenstrecken im Zuge der Industrialisierung und der Bevölkerung dieser Landstriche wichtige Lebens- und Verkehrsadern, so nahm ihre Bedeutung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dank Wirtschaftswunder und Siegeszug des Individualverkehrs deutlich ab. Seit einigen Jahren können wir hier eine erneute Trendwende beobachten, was auf steigende Energiepreise und erhöhte Sensibilität der Menschen für Umwelt- und Klimaschutz zurück zu führen ist.

Diese sich verändernden Bedürfnisse stellen Politik, Wirtschaft und gesellschaftliche Akteure auf allen Ebenen vor eine enorme Herausforderung, die gemeinsam gemeistert werden muss, weil es ja nicht um eine Form der Mobilität alleine geht, sondern um ein intelligentes Zusammenspiel und eine gute Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel. Auch die grün-rote Landesregierung macht sich hier auf den Weg. Die Grundsatzentscheidung, künftig 60 statt 40 Prozent der Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Landes für den Umweltverbund einzusetzen und entsprechend weniger für den Straßenbau ist ein Schritt in die richtige Richtung.

In die richtige Richtung, nämlich nach Öhringen, ging es auch heute Vormittag und zwar ganz stilecht mit einem historischen Elektrotriebwagen. Ich will nicht verhehlen, dass es mich wirklich gefreut hat, hierfür am Heilbronner Hauptbahnhof den Abfahrtsauftrag geben zu dürfen. In diesem Sinne wünsche ich dem heutigen Festtag weiterhin einen guten Verlauf und der Hohenlohebahn auch in den nächsten 150 Jahren eine gute Entwicklung und immer den nötigen – wenn auch rein sprichwörtlichen - Dampf im Kessel.

(es gilt das gesprochene Wort)

Artikel auf www.stimme.de

Homepage Reinhold Gall MdL

Termine Gengenbach

05.07.2026, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
öffentlich
Fairtrade Gengenbach: Ernteschätzspaziergang auf den Streuobstwiesen
Gengenbach „Römerbad“ am Ziegelwaldsee

Alle Termine

hier finden sich die nächsten Termine in des Ortsvereins Gengenbach. Eine Übersicht aller Termine der umliegenden Ortsvereine findet sich unter Termine.

Der Rote Ortenauer

(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)

Rotes aus der Ortenau

findet sich unter https://www.roter-ortenauer.de

Banner

Jetzt Mitglied werden Online spenden

WebSozis

07.06.2026 19:19 Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung
Stabilisierung der Pflegeversicherung muss solidarisch sein Ohne fairen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung bleibt die Finanzkrise der Pflege ungelöst. „Der Entwurf enthält wichtige Ansätze zur Verbesserung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation, die Unterstützung pflegender Angehöriger sowie Maßnahmen zur Entbürokratisierung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zentrale Antwort… Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung weiterlesen

03.05.2026 15:23 Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit
Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. „Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen

01.05.2026 15:23 Armand Zorn zum Tankrabatt
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen

27.04.2026 15:26 Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften
Die SPD ruft zur Teilnahme an den diesjährigen Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „#GEMA1NSAM – Für gute Arbeit“ kämpft die SPD an der Seite der Gewerkschaften für eine Entlastung der Beschäftigten und eine sichere Rente, für mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und eine… Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften weiterlesen

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de