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Fränkisches Volksfest eröffnet

Veröffentlicht am 18.09.2012 in Veranstaltungen

Zwar nicht in Crailsheim, aber eine gute Übung für potentielle Fassanstecher

Jedes Jahr im September öffnet in Crailsheim das Fränkische Volksfest für vier Tage seine Pforten. Und dieses Volksfest ist nicht irgendeins: nach dem Stuttgarter Wasen ist es das zweitgrößte im Ländle! Klar, dass da der Innenminister gerne anreist, um beim Volksfestempfang der Stadt Crailsheim im Rathaus zu sprechen.

"Der 17. ist dieses Jahr der zweitletzte Montag im September und damit – so will es die Tradition – der Tag, an dem das Fränkische Volksfest um 24 Uhr zu Ende geht. Bis dahin sind es noch gut 60 Stunden Zeit, die dank des bunten und abwechslungsreichen Programms, das das Volksfest in diesem Jahr erneut bietet, vermutlich recht schnell vorbei gehen werden. Über 100 Fahrgeschäfte, zahlreiche Musik- und Sportveranstaltungen, ein Draisinen-Rennen, Gewerbeschauen und Ausstellungen, verkaufsoffener Sonntag, zwei Festumzüge und ein Feuerwerk – wem es in diesen Tagen in Crailsheim langweilig wird, der ist nun wahrlich selbst schuld.

Selbstverständlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt und – das haben Volksfeste so an sich – der durchschnittliche Bierkonsum wird eher steigen als sinken. Das ist auch kein Wunder, wird Deutschland doch gern als DAS Land des Biers oder auch der Bier-Vielfalt bezeichnet. Experten schätzen, dass es bei uns rund 5000 verschiedene Biere gibt. Selbst wenn man jeden Tag eine neue Sorte probieren würde, wäre man über 13 Jahre beschäftigt und vermutlich auch mindestens 13 Kilo schwerer.

Besonders beliebt sind dabei regionale Biere und Brauereien, von denen es ja auch in Crailsheim eine ganz berühmte gibt, die ich heute einfach mal stellvertretend erwähnen will. Seit 1877 befindet sich die Biermanufaktur Engel in Familienbesitz und wird regelmäßig mit höchsten Preisen für ihr Bier ausgezeichnet. Erst im vergangenen Jahr erhielt das Unternehmen den Bundesehrenpreis in Gold und wurde zur „Brauerei des Jahres“ ausgezeichnet. Als Minister eines Bundeslandes, das seinen Wohlstand maßgeblich einem starken Mittelstand zu verdanken hat, will ich die Gelegenheit nutzen und hierfür meinen Dank und meine Anerkennung zum Ausdruck bringen!

Doch genug zum Thema Bier. Als jemand, der aus einer der größten – und wie ich finde auch schönsten – Weinbaugegenden Württembergs kommt, finde ich es richtig gut, dass beim Fränkischen Volksfest neben den Bierzelten auch ein Weinzelt zu finden ist. Mit großem Interesse habe ich in diesem Zusammenhang gelesen, dass die Stadt Crailsheim seit Juni 2012 eine uralte Tradition wieder aufleben lässt und die Zeit der Weinbau-Abstinenz, die hier seit rund 500 Jahren herrscht, beendet wurde. Dass die Stadtwerke Crailsheim in den Hirtenwiesen nicht nur umweltfreundlich Wärme gewinnen, sondern mit der Pflanzung von 200 Reben gleich noch den Einstieg in den Öko-Weinbau vollzogen haben, finde ich eine ausgesprochen pfiffige Idee und bin heute schon gespannt, wie dieses Crailsheimer Tröpfchen, das in ein paar Jahren zum ersten Mal gekeltert werden soll, schmecken wird.

Überhaupt stelle ich fest, dass alte, teilweise schon fast vergessene Traditionen, wieder verstärkt zum Tragen kommen. An den Kinderbetten im Land werden wieder vermehrt alte Märchen und Sagen erzählt, mancher Bäcker nimmt ein Brot in sein Sortiment, das wie zu Großmutters Zeiten gebacken wird und auch das Interesse an der regionalen Geschichte, an alten Sitten und Bräuchen wird wieder größer. Mir gefällt das. Ich glaube, dass in einer hoch technisierten Gesellschaft wie der unseren, die sich mit so hohem Tempo verändert, in der Entfernungen aufgrund schneller Verkehrsmittel und moderner Medien kaum noch eine Rolle spielen und sich jeder zu jeder Zeit über alles informieren kann das Alte, das Traditionelle, das, was wir vor zehn Jahren in der Regel altbacken oder langweilig fanden, wieder mehr an Bedeutung gewinnt.

Ein solcher Brauch ist auch das Fränkische Volksfest, auch wenn es natürlich niemals als überholt oder gar als „nicht mehr nötig“ empfunden wurde. Ganz im Gegenteil. Das Volksfest hier in Crailsheim, das ursprünglich als Landwirtschaftliches Bezirksfest zur Hebung und Förderung der Landwirtschaft im fränkisch-hohenlohischen Raum vom württembergischen König Wilhelm dem Ersten ins Leben gerufen wurde, hat sich prächtig entwickelt und darf sich heute - dank über 250 000 Besuchern im Jahr - „zweitgrößtes Volksfest in Baden-Württemberg“ nennen. Und wenn man nun weiß, dass das größte Volksfest im Ländle, also der Stuttgarter Wasen, mit rund 4,5 Millionen Besuchern im Jahr in der Liga der größten Volksfeste der Welt spielt und damit eigentlich außer Konkurrenz steht, dann kann man schon sagen, dass die Große Kreisstadt Crailsheim beim Thema Volksfest eine Pole-Position inne hat.

Um beim Thema „Rekord“ zu bleiben: Dass das größte Bierzelt der Welt mit insgesamt fast 11.000 Plätzen im Innen- und Außenbereich auf dem Münchner Oktoberfest steht, überrascht niemanden. Dass sich in Düsseldorf die angeblich längste Theke der Welt befindet weiß jeder, der schon mal zum Altbierlied geschunkelt hat. Dass aber beim Fränkischen Volksfest in Crailsheim das längste Festzelt der Welt steht, habe jedenfalls ich bislang nicht gewusst. Und ich vermute, dass dieser Rekord wohl vor allem hier in der Gegend bekannt sein dürfte. Deswegen rege ich an, dass die Stadt Crailsheim – vielleicht in drei Jahren, wenn das Fränkische Volksfest seinen 175. Geburtstag feiert – einen Wettbewerb für Hobby-Musiker und Komponisten ausschreibt und das Fest dann mit dem „Fränkischen Festzeltlied“ eröffnet wird. Wenn Sie mit rechtzeitig Bescheid geben, stelle ich mich übrigens gerne zum Mitschunkeln zur Verfügung…

Bis es jedoch soweit ist, wird noch viel Wasser die Jagst und sicher auch einiges an Bier und Wein die Kehlen hinab fließen. Ich wünsche allen, ob Veranstalter, Mitarbeiter, Festzeltbetreiber, Schausteller und vor allem den Volksfestbesuchern drei weitere tolle Tage hier auf dem Crailsheimer Festplatz! Insbesondere denjenigen, die beim Fränkischen Volksfest für Sicherheit und Ordnung sorgen, drücke ich in meiner Eigenschaft als Innenminister die Daumen, dass es friedlich zugeht und dass der Alkohol in Maßen und nicht in Massen genossen wird. Nicht, dass am Ende der Schauspieler und Showmaster Heinz Schenk zitiert werden muss, dem sein Großvater einst mit auf den Weg gegeben hat: "Trinke nie zu viel, denn die letzte Flasche, die umfällt, könntest du selber sein."

In diesem Sinne Ihnen allen ein schönes, aber friedliches Fränkisches Volksfest 2012!"

(es gilt das gesprochene Wort)

Homepage Reinhold Gall MdL

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