"Es ist kein Problem, für welche es eine leichte Lösung gibt", so das Fazit des Mannheimer Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Fulst-Blei nach zwei Stunden zum Teil hitziger Debatte. "Fachkräftemangel - Chance Zuwanderung" war die Veranstaltung überschrieben zu welcher der Sozialdemokrat den Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid nach Mannheim geholt hatte. Minister Schmid führte zu Beginn die zahlreichen Maßnahmen der Landesregierung zur Unterstützung der Dualen Ausbildung aus. Beispiele seien die erfolgreichen Ausbildungslotsen und die Neuordnung des Übergangs Schule-Beruf wie beim AV dual. Auch werde ein neues Schulfach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung eingeführt. Das Ziel sei klar: Kein Jugendlicher in Baden-Württemberg soll ohne Ausbildung bleiben. Gleichwohl beschäftigt die Landesregierung der demographische Wandel einer immer älter werden Gesellschaft schon zahlreiche Jahre. Besonders in sozialen Bereichen sei der Mangel an Fachkräften groß.
Schmids Eingangsstatement schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Für Claudia Orth von der Handwerkskammer Mannheimer kann in einigen Bereichen bereits von einer regelrechten Nachwuchsnot gesprochen werden. Aktuell bleiben 200 Lehrstellen in der Region unbesetzt. Die Handwerkskammer biete hier sowohl für Betriebe als auch für Zuwanderer zahlreiche Beratungen an. Dr. Axel Nitschke, Hauptgeschäftsführer der IHK Rhein-Neckar, wurde von Fulst-Blei mit einer Anfrage einer Bürgerin konfrontiert. Wie könne es sein, dass die Wirtschaft stärkere Zuwanderung fordere, wenn zugleich der Enkel keinen Job finde. Nitschke betonte, dass der Fachkräftemangel differenziert nach Berufen und Region zu betrachten sei, aber auch bei der IHK seien aktuell in der Region 600 Ausbildungsplätze unbesetzt. Unterstützung erhielt er zumindest in dieser Frage von Reinhold Götz, dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall. Unstrittig sei dies z. B. im Bereich Pflege, aber, insbesondere die laufende Digitalisierung werde Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Reinhold Götz kritisierte, dass die Industrie viel zu lange Ausbildungsplätze abgebaut habe. Die Fehler der Vergangenheit würden sich heute bitter rächen.
Mehmet Halici, Unternehmer mit türkischem Migrationshintergrund, wies auf die zahlreichen erfolgreichen Beispiele gelungener Integration hin. Dies zeige sich heute auch an der großen Anzahl von Betrieben, deren Inhaber einen nicht-deutschen Hintergrund haben. Viele bilden davon heute aus.
Fulst-Blei wies nach einer regen Diskussion mit dem Publikum abschließend noch auf die Bedeutung von Sprachkursen hin. Zuwanderung sei eine Chance, den Fachkräftemangel zu mindern. Wichtig sei aber dabei auch jene nicht aus den Augen zu verlieren, die schon länger in Deutschland leben – mit oder ohne Migrationshintergrund.
Bild von l.n.r.: Dr. Stefan Fulst-Blei, Claudia Orth, Reinhold Götz, Boris Weirauch , Dr. Nils Schmid, Dr. Axel Nitschke, Mehmet Halici