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„Es mangelt den Eltern an Vertrauen“

Veröffentlicht am 12.09.2010 in Presseecho

BNN-Interview mit dem SPD-Bildungsexperten Frank Mentrup zum neuen Schuljahr

Frank Mentrup ist Landtagsabgeordneter der SPD und Schulexperte der Fraktion. Bei der nächsten Wahl tritt der Arzt und Familienvater im Wahlkreis Ettlingen an. Über das neue Schuljahr und seine Neuerungen unterhielt sich BNN-Redakteur Wolfgang Voigt mit d oppositionellen Parlamentarier.

Das neue Schuljahr beginnt mit vielen Neuerungen, die Regierung sieht sich mit ihrer Bildungspolitik an der Spitze. Wie sehen Sie das?

Mentrup: Ich sehe keine echten Neuerungen und daher auch keine wirklichen Verbesserungen. Die Senkung des Klassenteilers ist zwar grundsätzlich zu begrüßen. An den Grundschulen sind aber nur fünf Prozent der Klassen betroffen, während an den Realschulen die Umsetzung oft nicht möglich ist, weil es an Räumlichkeiten fehlt. An den beruflichen Schulen müsste man vor allem von einer Lehrerversorgung weg, die 92 anstatt 100 Prozent zur Grundlage hat.

Stellen Sie sich vor, Sie wären Kultusminister. Was würden Sie als Erstes tun?

Mentrup: „Ich würde die verpflichtende Grundschulempfehlung durch eine qualifizierte Bildungsberatung ersetzen. In dieser Bildungsberatung sollten Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam überlegen, welches Profil einer weiterführenden Schule am besten für den Einzelnen passt. Im achtjährigen Gymnasium sollte die mittlere Reife am Ende der zehnten Klasse stehen, anstatt wie jetzt am Ende der neunten Klasse. Das würde Leistungsdruck aus der Unter- und Mittelstufe nehmen. Außerdem würde ich Schulprojekte wie eine Stadtteilschule in Karlsruhe genehmigen, um zu signalisieren, dass Schulentwicklung zusammen mit Kommunen und Eltern gemacht wird und nicht gegen sie.

Welche Stimmung herrscht unter Lehrern und Eltern?

Mentrup: Die Stimmung ist schlecht. Nach 60 Jahren einer unendlichen Flut von Projekten und einem Organisationsversagen in der Lehrerversorgung mangelt es an Vertrauen in die Kompetenz der Kultusverwaltung und in die Kompetenz des öffentlichen Bildungswesens. Das wird auch dadurch deutlich, dass immer mehr Geld für Nachhilfe ausgegeben wird und sich immer mehr Eltern für Schulen in freier Trägerschaft entscheiden. Die Kultusadministration wird eher wie ein ideologischer Wächterrat wahrgenommen und nicht als Partner und Dienstleister der Eltern und der Schulen.

525 Werkrealschulen sind am Start. Was können Schüler und Eltern davon erwarten?

Mentrup: Die Schulen und Eltern sollten wenigstens erwarten dürfen, dass die Rahmenbedingungen so gut bleiben wie an den kleinen Hauptschulen, aus denen dieses Werkrealschulen entstanden sind. Leider werden vielerorts aber die Klassen größer werden, die Schulwege länger und die Kosten für die Schülerbeförderung steigen. Die Probleme der weiter rückläufigen Schülerzahlen und damit die Gefährdung der Schulstandorte werden durch dieses Konzept der Werkrealschule nicht gelöst.

Wie ließe sich Unterrichtsausfall nachhaltig verhindern?

Mentrup: Man muss grundsätzlich die gesamte Personalorganisation auf den Prüfstand stellen - von der Einstellungszusage bis zur Organisation von Krankheitsstellvertretungen. Wir brauchen andere Vertretungsregelungen und mehr Selbständigkeit an den Schulen im Umgang mit Personalbudgets. Wir müssen aber auch strukturelle Nachteile von Baden-Württemberg endlich ausgleichen. In den sechswöchigen Sommerferien suchen sich viele Ober-Referendare lieber Stellen in den benachbarten Bundesländern, damit sie diese sechs Wochen nicht mit eigenem Erspartem überleben müssen.

Artikel aus den Badischen Neuesten Nachrichten vom 11.9.2010

Homepage Dr. Frank Mentrup MdL

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